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Zunehmender Hausarztmangel belastet ländliche Regionen in Niedersachsen

Nach der Schließung der letzten Arztpraxis in Asendorf wächst die Sorge vor einer Unterversorgung auf dem Land. Landesweit fehlen in Niedersachsen hunderte Hausärzte.

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In der Gemeinde Asendorf hat die letzte von einst drei Hausarztpraxen geschlossen. Landesweit fehlen in Niedersachsen derzeit 436 Hausarztsitze, wovon der Nordwesten besonders stark betroffen ist. Politik und Verbände suchen nach Lösungen, um dem drohenden Versorgungsengpass entgegenzuwirken.
In dem 2.800-Einwohner-Ort Asendorf an der B6 ist der Hausarztmangel das große Thema, wie die Tagesschau meldet. Nun hat auch die letzte Arztpraxis geschlossen, nachdem es vor fünf Jahren noch drei gab. Damit spitzt sich die Versorgungslage weiter zu. „Es fühlt sich an, als würde man uns hier den Stecker ziehen“, sagt parteiloser Ortsbürgermeister Gerd Brüning. Finde die ländliche Gemeinde keinen neuen Arzt oder eine neue Ärztin, könnte sie gänzlich abgehängt werden. Auch die junge Apothekerin Merle Heusmann sorgt sich um die Entwicklung. Sie hat ihre Filiale in Asendorf erst vor Kurzem übernommen und trägt zusammen mit einer weiteren Apotheke die Verantwortung für 30 Beschäftigte: „Wenn eine ganze Praxis wegbricht, kommen dadurch deutlich weniger Patientinnen und Patienten zu uns“, klagt sie.

Hunderte Hausarztsitze in Niedersachsen unbesetzt

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) sind aktuell 436 Hausarztsitze in Niedersachsen nicht besetzt. Angesichts der demografischen Entwicklung dürfte sich die Situation weiter fortsetzen, da das Durchschnittsalter der Hausärzte bei rund 56 Jahren liegt. Mit der „Boomer-Generation“ werde sich ein ganzer Schwung Ärzte perspektivisch in den Ruhestand verabschieden, erklärt KVN-Sprecher Detlev Haffke. Nachwuchs-Mediziner ziehe es jedoch häufig in Ballungszentren mit guter Infrastruktur und Arbeitsplätzen für die meist ebenfalls akademisch ausgebildeten Partnerinnen und Partner. Zudem arbeite mittlerweile ein Drittel der Hausärzte in Teilzeit, wozu eine hohe Arbeitsbelastung und der Wunsch nach einer ausgewogenen Balance zwischen Familie und Beruf beitragen.
Derzeit gibt es in Niedersachsen 5.241 Hausärztinnen und Hausärzte. Der Bedarf wächst, da die Bevölkerung älter und morbider wird, während zu wenig Ärztinnen und Ärzte nachrücken. Laut Berechnungen der KVN müssen für jeden ausscheidenden Arzt 1,6 neue nachkommen. Über eine Bedarfsplanung legt die KVN fest, wie viele Hausärzte sich in einem Gebiet niederlassen dürfen und wie hoch der jeweilige Bedarf ausfällt. Besonders ausgeprägt ist der Mangel im Nordwesten des Bundeslandes.

Versorgungsgrad fällt in einigen Bezirken deutlich

Asendorf gehört zum kassenärztlichen Bezirk Syke. Zusammen mit dem Bezirk Sulingen sowie dem niedersächsischen Umland von Bremerhaven im Norden zählt Syke zu den drei Regionen mit der prozentual schlechtesten hausärztlichen Versorgung in Niedersachsen und steht kurz vor der Unterversorgung. Diese Schwelle gilt ab 75 Prozent. Sulingen und das Bremerhavener Umland unterschreiten diesen Wert bereits deutlich. Für diese Bereiche ermittelte die KVN folgende Versorgungsgrade: Sulingen liegt bei 64,9 Prozent, Bremerhaven bei 71,3 Prozent und Syke bei 79,2 Prozent.
Der Städte- und Gemeindebund sieht die Kommunen bezüglich der hausärztlichen Versorgung unter erheblichem Druck. Dessen Präsident Marco Trips mahnt, vor Ort seien die Auswirkungen einer unzureichenden medizinischen Versorgung enorm spürbar. Bund und Land müssten zu guten Lösungen für die Menschen in der Fläche gelangen, etwa mit dem geplanten Primärarztsystem. Das Modell nach dem Motto: „Erst zum Hausarzt, dann zum Facharzt“ soll Hausärzte stärken und Patientenströme gezielt lenken. Auch der Hausärzteverband setzt auf dieses Vorgehen. Praxen müssten bestmögliche Rahmenbedingungen erhalten und etwa vor Regressforderungen der Kassen zu „angeblich falsch verschriebenen Arzneimitteln“ geschützt werden.

Forderung nach Ausbau der Landarztquote

Unterdessen verzeichnen niedersächsische Hausärzte ein wachsendes Interesse an Medizinstudienplätzen über die Landarztquote. Diese ermöglicht jährlich 60 Bewerbern auch ohne Top-Abitur den Zugang zum Studium. In der jüngsten Bewerbungsrunde hatten sich 214 junge Menschen beworben, was einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr darstellt. Hausärzte-Verbandsvorsitzender Matthias Bernd fordert vor diesem Hintergrund eine Verdoppelung der Landarztquote auf 120 Plätze. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) erwartet, dass die ersten Absolventen im Jahr 2035 aufs Land gehen werden, wenn der „Tiefpunkt“ in der hausärztlichen Versorgung erreicht sei. Zudem habe das Land den Weg für berufliche Quereinsteiger aus anderen medizinischen Fachrichtungen geebnet.

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