Umweltverbände fordern verbindliches Aktionsprogramm für das Wattenmeer
Anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Niedersächsischen Landtag verlangen zehn Verbände konsequentere Schutzmaßnahmen für den Nationalpark. Unter anderem fordern sie das Ende der Öl- und Gasförderung bis 2030 sowie mehr fischereifreie Zonen.
Forderungen nach Ausstieg aus Öl- und Gasförderung
Am Dienstag, 18. August, übergaben die Verbände, zu denen unter anderem auch die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems gehört, das gemeinsame Positionspapier im Rahmen einer Protestaktion. Als Belastungen nennen sie unter anderem die Energie- und Rohstoffgewinnung, Kabel- und Pipelineinfrastrukturen, Schifffahrt, Fischerei, Küstenschutz und Tourismus. Die kumulativen Auswirkungen dieser Nutzungen würden bei Planungen und Vorhaben bislang nicht ausreichend berücksichtigt.„Trotz 40 Jahren Nationalpark und erreichter Erfolge, ist das Wattenmeer stark bedroht. Deshalb müssen wir dringend handeln: Das Wattenmeer braucht konsequenten Schutz statt immer neuer Eingriffe. Nutzungen müssen sich an den Belastungsgrenzen des Ökosystems orientieren. Natürliche Prozesse müssen Vorrang haben. Dafür braucht es klare politische Entscheidungen und ein verbindliches Aktionsprogramm zum Schutz des Wattenmeers“, erklären die zehn Verbände in ihrem Positionspapier.
Ein Schwerpunkt der Forderungen ist der Umgang mit der Energie- und Rohstoffgewinnung. Die Verbände lehnen die derzeit geplanten Erdgasfördervorhaben vor der niedersächsischen Küste ab. Die Förderung von Öl und Gas im und am Wattenmeer schädige das Ökosystem und verschärfe die Klimakrise, heißt es in der Stellungnahme. Die Öl- und Gasförderung im und direkt am Weltnaturerbe müsse spätestens bis 2030 beendet werden.
Ausweitung von Nullnutzungszonen und naturbasierter Küstenschutz
Die Organisationen befürworten eine naturverträgliche Energiewende. Der Ausbau der Offshore-Windenergie und insbesondere der Kabelanbindungen müsse sich jedoch an den Belastungsgrenzen des Wattenmeers orientieren. Für den Natur- und Artenschutz fordern die Verbände eine deutliche Ausweitung der Nullnutzungszonen. Bestehende Ruhezonen müssten konsequent vor Störungen geschützt werden, und mindestens 75 Prozent der Nationalparkfläche sollten sich künftig ohne menschliche Nutzung entwickeln können. Bereits beeinträchtigte Lebensräume sollen behutsam renaturiert werden.Dort, wo menschliche Einflüsse die Natur weiterhin prägen, seien gezielte Managementmaßnahmen erforderlich, um wertvolle Arten und Lebensräume zu schützen und die Ziele des europäischen Natura-2000-Netzwerks nachhaltig zu sichern. Zugleich sprechen sich die Verbände für einen naturbasierten Küstenschutz aus, der angesichts des steigenden Meeresspiegels stärker mit der Natur arbeitet.
Auch beim Fischereimanagement sehen die Organisationen Handlungsbedarf und fordern großräumige sowie zusammenhängende fischereifreie Zonen. Mehr als 50 Prozent der ständig mit Wasser bedeckten Flächen sollen künftig frei von Fischerei sein. Der notwendige Veränderungsprozess für die ansässigen Fischereibetriebe müsse sozialverträglich gestaltet und finanziell unterstützt werden.
„Ein Nationalpark muss seinem Anspruch gerecht werden: Natur Natur sein lassen! Natur braucht Raum und natürliche Prozesse brauchen Schutz. Jetzt kommt es darauf an, die seit 40 Jahren geltenden Schutzziele konsequent umzusetzen. Dazu braucht es endlich konkrete politische Entscheidungen.“