Charter beendet: Kreuzfahrtschiff „Deutschland“ verlässt Phoenix Reisen
Nach zehn Jahren endet der Sommereinsatz der ehemaligen „Deutschland“ für Phoenix Reisen. Hohe Modernisierungskosten und fehlende Umwelttechnik erschweren die Zukunft des Traditionsschiffs.
Tja, ohne Landstrom segelt heute eben selbst das Traumschiff in den Ruhestand.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Mit der Ankunft an der Bremerhavener Columbuskaje am 5. September endet die zehnjährige Sommer-Charter des Kreuzfahrtschiffs „Deutschland“ für Phoenix Reisen. Der Reiseveranstalter gibt das Schiff an den US-Eigentümer Delos Cruises zurück, da gestiegene Modernisierungsbedarfe und fehlende Umwelttechnik eine Fortführung unrentabel machen. Künftig wird der Ozeanriese unter dem Namen „World Odyssey“ weiter als schwimmende Universität genutzt. Am 5. September gehen rund 550 Gäste von Bord des ausgebuchten Schiffes in Bremerhaven, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Eine größere öffentliche Abschiedsfeier ist nicht vorgesehen. Nach der Ankunft wird die Ausstattung von Phoenix ausgelagert; Teile davon sollen für die drei weiteren Schiffe des Anbieters genutzt oder später im Online-Shop als Souvenir verkauft werden. Einrichtungsgegenstände wie Bestuhlung und Kunstwerke verbleiben im Eigentum von Delos Cruises an Bord. Bereits am 7. September soll das Schiff ohne die türkisblaue Phoenix-Banderole und ohne den Albatros im Schornstein als „World Odyssey“ Bremerhaven wieder verlassen.
Ungewisse Zukunft auf dem Chartermarkt
Ausschlaggebend für die Rückgabe waren laut Firmenangaben der technische Zustand sowie die wirtschaftlichen Perspektiven. Fehlende Landstromanschlüsse und notwendige Maßnahmen zur Emissionsreduzierung erschweren den Einsatz in europäischen Fahrtgebieten. Die fast 30 Jahre alte „Deutschland“ konkurriert mit moderneren, größeren Schiffen mit effizienteren Antrieben und mehr Balkonkabinen. Ohne Einrichtungen wie eine Abgasnachbehandlung sind die Einsatzmöglichkeiten in nordeuropäischen Gewässern begrenzt, während alternative Gebiete wie das Mittelmeer wegen langer Transferreisen nicht ohne Weiteres geeignet sind.
Geschichte vom „Traumschiff“ bis zur schwimmenden Universität
Das 175,3 Meter lange und 23 Meter breite Schiff wurde von der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel gebaut und nach der Taufe am 11. Mai 1998 an die Reederei Peter Deilmann übergeben. Bis 2014 fuhr die „Deutschland“ als letztes Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge im Zweitregister, bevor sie nach einem Verkauf auf die Bahamas umgeflaggt wurde. Von 1999 bis 2014 diente das Schiff als Kulisse für die Fernsehserie „ZDF-Traumschiff“. Nach der Insolvenz der Reederei Deilmann im Jahr 2015 folgten Betreiberwechsel. Seit 2016 verkehrt das für rund 520 Passagiere ausgelegte Schiff im Winterhalbjahr für Semester at Sea. Bis mindestens April 2028 ist dieser Einsatz gesichert, jedoch ist für die Sommersaison ab 2027 bislang kein neuer Charterer bekannt.
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