Technische Probleme bremsen neues Mehrzweckschiff „Scharhörn“ aus
Das im April in Dienst gestellte Hightech-Schiff des Bundes kann wegen technischer Probleme noch nicht wie geplant eingesetzt werden. Nun sollen weitere Testfahrten die Einsatzbereitschaft sichern.
200 Millionen und läuft nicht? Hätten mal lieber einen ordentlichen Kutter gekauft.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Das neue, 200 Millionen Euro teure Mehrzweckschiff „Scharhörn“ ist auch vier Monate nach seiner Indienststellung kaum einsatzbereit. Aufgrund von Problemen mit der hochkomplexen Technik müssen an dem Neubau des Bundes weiterhin Anpassungen vorgenommen werden. Bis zur vollständigen Betriebsbereitschaft sichern angemietete Notschlepper und ein verlegtes Ölbekämpfungsschiff den Schutz der Ostsee. Die „Scharhörn“ wurde im April 2026 in Rostock-Warnemünde getauft, in Dienst gestellt und anschließend in ihren Heimathafen Kiel überführt. Das Schiff soll bei Ölunfällen, Schiffsbränden und anderen Havarien auf der Ostsee ausrücken und ältere Vorgängerschiffe ersetzen. Es ist das erste von drei baugleichen Schiffen einer neuen Generation und „eines der modernsten Einsatzschiffe Europas“, wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) mitteilt, berichtet die Tagesschau.
Technische Probleme an den Flüssigerdgasanlagen
Die hochkomplexen Systeme des Hightech-Schiffs bereiten jedoch weiterhin Schwierigkeiten. Die Motoren der „Scharhörn“ werden mit Flüssigerdgas (LNG) angetrieben, an diesen und weiteren Anlagen sind laut WSV-Sprecherin noch „Feinjustierungen“ nötig. Solche Anpassungen seien bei Großprojekten jedoch üblich und sollen bei den baugleichen Folgeschiffen „Mellum“ und „Neuwerk“ direkt berücksichtigt werden. Geschäftsführer des Steuerzahlerbundes Schleswig-Holstein Rainer Kersten bezeichnet das Schiff als „Eierlegende Wollmilchsau“, weshalb anfängliche technische Probleme nachvollziehbar seien. „Die müssen aber schnellstmöglich behoben werden“, fordert Kersten und betont: „Das Schiff ist notwendig für die Sicherheit auf der Ostsee.“ Zudem dürfen laut dem Geschäftsführer keine Mehrkosten entstehen.
Ersatzmaßnahmen und ausstehende Testfahrten
Bis zur vollen Einsatzbereitschaft steht der Neubau laut dem Havariekommando in Cuxhaven nicht für die „maritime Notfallvorsorge“ zur Verfügung. Zur Absicherung hat der Bund Notschlepper angemietet und ein Ölbekämpfungsschiff verlegt, wenngleich die „Scharhörn“ bei bestimmten Havarielagen laut WSV bereits zur Verfügung steht. In der kommenden Woche stehen weitere Testfahrten an, nach denen das 105 Meter lange Schiff laut WSV „grundsätzlich einsatzbereit“ sein soll. Einen festen Liegeplatz in Kiel hat die „Scharhörn“ wegen der Verlegung des Tonnenhofs des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts in Kiel-Holtenau noch nicht; sie liegt derzeit am Kieler Ostuferhafen.
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