Ölförderung im Wattenmeer: Ein Blick hinter die Kulissen der Mittelplate
Die Bohrinsel Mittelplate deckt mehr als die Hälfte der deutschen Ölförderung. Ein Besuch zeigt, wie unter strengen Umweltauflagen und mit enger Anbindung an Cuxhaven gearbeitet wird.
Öko-Strom für die Ölplattform – das ist doch mal sauber geschmiert, moin!
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die Bohr- und Förderinsel Mittelplate im Wattenmeer sichert seit fast 40 Jahren mehr als die Hälfte der deutschen Erdölförderung. Bei einem Vor-Ort-Besuch informierte sich ein Vertreter der Bundesregierung über die hochkomplexe Technik und die Arbeitsbedingungen auf der Plattform. Trotz des Ziels der Dekarbonisierung bleibt die heimische Förderung für die Wirtschaft im Nordwesten von zentraler Bedeutung. Die Mittelplate ist kein schwimmendes Bohrschiff, sondern steht fest auf einer Sandbank im Nationalpark Wattenmeer. Ihr Unterbau besteht aus einer flüssigkeitsdichten Stahl- und Betonwanne, deren äußere Spundwände elf Meter hoch aus dem Wasser ragen. Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Stefan Rouenhoff besuchte die Anlage, um sich vor Ort ein Bild von der Förderung und den Arbeitsbedingungen zu machen. „Der Besuch auf der Bohr- und Förderinsel Mittelplate war sehr eindrücklich“, wird Rouenhoff später sagen. Hier werde unter Sicherheits- und Umweltstandards gearbeitet, „die weltweite Spitze sind“. Gleichzeitig zeige die aktuelle Situation im Nahen Osten, wie wichtig mehr Unabhängigkeit und Diversifizierung bei der Erdölversorgung Deutschlands seien. Das Ziel bleibe die Dekarbonisierung, betont der Staatssekretär. „Gleichzeitig gilt es, Realitäten anzuerkennen: Auf absehbare Zeit kann auf fossile Energieträger nicht verzichtet werden.“ Die Förderung auf Mittelplate bleibe deshalb für die Wirtschaft im Nordwesten Deutschlands von zentraler Bedeutung.
Technische Höchstleistungen im Wattenmeer
Vom Helgoländer Kai in Cuxhaven aus transportierte das Versorgungsschiff „Coastal Liberty“ die Besucher zur Plattform, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Das Schiff wurde von dem Cuxhavener Unternehmer und Geschäftsführer der Offshore-Servicegesellschaft Jochen Kaufholt und seinen Partnern mit einem Wasserstoff-Hybrid-Antrieb ausgerüstet. Auf der Mittelplate angekommen, zeigt sich die technische Besonderheit der Anlage: Die Bohrungen führen spinnenbeinartig in unterschiedliche Richtungen in den Untergrund und gehören mit bis zu 9,2 Kilometern Länge zu den am weitesten abgelenkten Bohrungen der Welt. Insgesamt gibt es 22 Bohrungen von der Insel und sieben von der Landstation „Dieksand“ in Friedrichskoog aus. Täglich können auf Mittelplate bis zu 15.000 Barrel Erdöl gefördert werden, im Jahr rund eine Million Tonnen. „Mehr als 50 Prozent der deutschen Erdölproduktion werden aus dem Feld Mittelplate gewonnen“, sagt Derek Mösche von der Unternehmenskommunikation von Harbour Energy Deutschland. Mösche erklärt zudem: „In erster Linie denkt man bei der Nutzung von Erdöl an Benzin, Diesel, Heizöl oder Flugzeugkraftstoff. Aber Öl ist viel mehr als ein Brennstoff.“ Es stecke in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens und liefere wichtige Ausgangsstoffe für die Industrie.
Enge Verbindung zum Festland und Umweltschutz
Die Verbindung nach Cuxhaven ist auch hinter den Kulissen eng: Dort wird das beim Bohren verwendete Spülmittel vom Bohrschlamm getrennt, während das aufbereitete Gestein im Straßenbau eingesetzt wird. Die Dimensionen der Anlage spiegeln sich auch in den Kosten wider. Ein einziger Bohrtag kann bis zu 160.000 Euro kosten, und die jährliche Instandhaltung schlägt mit rund 50 Millionen Euro zu Buche. Etwa 150 Menschen arbeiten direkt auf der Insel und an der Landstation, insgesamt hängen rund 2.000 Arbeitsplätze an der Förderung. Trotz der Lage im Nationalpark verweist Harbour Energy darauf, dass die Gewinnung im Einklang mit dem Umweltschutz erfolgt. So wird sogar Regenwasser aufgefangen und zum Festland transportiert. Durch die Umstellung der Stromversorgung auf 100 Prozent zertifizierten Strom aus erneuerbaren Energien entstehen laut Angaben des Bundesverbandes BVEG und des Betreibers nur etwa 0,26 bis 0,4 Kilogramm CO2 pro Barrel, während der europäische Durchschnitt bei rund 17 Kilogramm liegt. Bislang gab es nach Unternehmensangaben keine Zwischenfälle.
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