Maritime Tage: Freibeuterdorf weicht an die Schleusenstraße aus
Wegen Schäden durch Bohrmuscheln an einer Brücke musste das Piratendorf in Bremerhaven verlegt werden. Trotz des neuen Standorts zeigen sich Akteure und Besucher der Maritimen Tage zufrieden.
Bohrmuscheln? Die fressen auch alles. Hauptsache, das Met fließt trotzdem an der Schleusenstraße.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Das Freibeuterdorf hat bei den diesjährigen Maritimen Tagen einen neuen Standort an der Schleusenstraße bezogen. Grund für den Umzug ist die Sperrung der Klappbrücke am Verbindungskanal, deren Kaje von Bohrmuscheln beschädigt wurde. Trotz der kurzfristigen Verlegung zieht das Piratenspektakel zahlreiche Besucher und Akteure an. Am alten Standort des Freibeuterdorfes am Deutschen Schifffahrtsmuseum war nie Platz für das 18 Meter lange Holzsegelschiff von Kapitän Long Josh Silver. „Wenn ich vom Umzug des Freibeuterdorfes gewusst hätte, wäre ich mit meinem Schiff gekommen“, sagt er und lacht, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. „Aber hier am Hafenbecken hätten wir das schon irgendwie untergebracht.“ Der Pirat unterhält die Besucher im Freibeuterdorf mit seinem „vegetarischen“ Puppentheater, das er in einem alten Leierkastenwagen mit sich führt. Begleitet wird er von seinem treuen Mops, der angeblich auf den Namen Fridjof von Frühstück hört.
Neuer Standort an der Schleusenstraße
Das Freibeuterdorf musste in diesem Jahr seinen üblichen Standort am Museum aufgeben und an die Klappbrücke an der Schleusenstraße ziehen. Weil die Kaje von Bohrmuscheln in Mitleidenschaft gezogen worden ist, wurde die Klappbrücke des Verbindungskanals gesperrt. Plan und Sicherheitskonzept für die Maritimen Tage mussten deshalb teilweise umgestellt werden. Doch echte Piraten lassen sich von solchen Kleinigkeiten nicht erschüttern. „Für einen Wochentag ist eigentlich schon ziemlich viel los“, sagt Piratin Michelle Kittler. Die 28-jährige Bremerhavenerin schenkt an der Taverne das Met aus und quittiert den Standortwechsel nur mit einem Schulterzucken. Gemeinsam mit ihr freut sich auch Enrico „Chico“ Richter in der Taverne über den neuen Standort.„Ich habe schon als Schülerin auf dem Stand beim Weihnachtsmarkt gearbeitet“, erzählt die junge Frau. Das Marktleben gefällt ihr, weshalb sie mittlerweile hauptberuflich in der Schenke auf Veranstaltungen in ganz Deutschland arbeitet, obwohl sie eigentlich gar kein Mittelalter-Fan ist. Aber: „Die Arbeit ist einfach abwechslungsreich und die Gemeinschaft mit den Leuten ist toll“, sagt sie. Nächste Station für Taverne und Wirtin ist das Mittelalterfest am Vörder See in Bremervörde. Im Freibeuterdorf gibt es Met, Punsch, Fleisch, mittelalterliche Musik, Säbel, Kleider und Schmuck.
Begeisterung bei Gästen und Zukunftspläne
Die Gäste finden trotz des Umzugs ihren Weg. „Wir sind einfach über die Maritimen Tage geschlendert und dann hier gelandet“, sagt Besucherin Marion Temp aus Bremerhaven, die zusammen mit ihrer Bekannten Sabine Eisfeld bei den Freibeutern vorbeischaut und ein Erinnerungsfoto mit Niklas Dahlweid macht. Die beiden haben das Freibeuterdorf eher zufällig entdeckt. „Bei den Maritimen Tagen gefällt es mir bisher auch am besten. Ich mag alles, was mit dem Mittelalter zu tun hat. Und die Leute hier sind einfach gut drauf und entspannt“, sagt Marion Temp.Ob Kapitän Long Josh Silver im nächsten Jahr bei den Maritimen Tagen wieder dabei sein wird, weiß er noch nicht. Der selbsternannte Holzschiff-Sanitäter betreibt eigentlich eine Selbsthilfewerft in Hamburg-Harburg und möchte ab dem kommenden Jahr um die Welt segeln, um Schätze zu suchen.
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