Flensburger Tourismusbilanz: Gäste aus Skandinavien stützen die Saison
Der Tourismus in Flensburg verzeichnet ein leichtes Plus bei den Übernachtungen, getragen vor allem von skandinavischen Gästen. Trotz Baustellen und Konsumzurückhaltung zieht Tourismus-Chef Gorm Casper eine weitgehend positive Zwischenbilanz.
In den Sommertagen zeigt sich in der Flensburger Fußgängerzone und an den Stränden ein belebtes Bild. Wie die shz berichtet, belegt die aktuelle Statistik für die Fördestadt ein leichtes Plus an Übernachtungen von 3 Prozent. Bei den von der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (Taff) erfassten Ankünften fällt der Zuwachs sogar noch etwas höher aus, was auf eine größere Zahl von Tagestouristen hindeutet. Da der halbe August und September noch vor uns liegen und mehrere Bundesländer noch Sommerferien haben, hofft Tourismus-Chef Gorm Casper auf eine Fortsetzung dieses Trends. Angesichts von Temperaturen weit über 30 Grad im Süden rechnet er mit Klimaflüchtlingen. „Aber noch haben wir gegenüber dem Vorjahr keine großen Sprünge gemacht“, bilanziert Casper.
Skandinavische Gäste als wichtige Stütze
Die Urlauber aus Skandinavien spielen für die Flensburger Tourismusbilanz eine entscheidende Rolle. Fast jeder dritte Gast reist von dort an die Flensburger Förde, wobei dänische Urlauber mit 23 Prozent den größten Anteil ausmachen. „Zwischenzeitlich“, so der Taff-Geschäftsführer, „hatten wir es mit einem spürbaren Rückzug zu tun. Doch jetzt sind sie wieder da.“ Überspitzt formuliert Casper: „Die Dänen retten uns noch.“ Auch die Zahl der Gäste aus den Niederlanden nimmt zu. „Wir haben mit 40 Prozent insgesamt die höchste Quote ausländischer Touristen im Städtevergleich“, erklärt Casper weiter.Verändertes Konsumverhalten und Kritikpunkte
Allgemein stellt der Touristiker jedoch eine gewisse Zurückhaltung beim Konsum fest. „Die Gäste geben weniger aus, beim Shoppen sowieso.“ Das Geld sitze nicht mehr so locker. „So werden statt teurer Unterkünfte verstärkt Ferienwohnungen über Airbnb gebucht, in denen man auch als Selbstversorger gut leben kann.“ Dies gehe zum Leidwesen der Gastronomen, die unter finanziellen Einbußen sowie steigenden Kosten für Einkauf und Personal leiden.Die Attraktivität der Innenstadt bewertet Casper im Vergleich zu Nachbarstädten wie Schleswig, Rendsburg und Neumünster dennoch positiv, da dort im Zentrum weitaus mehr Barber-Shops, Tattoo- oder Nail-Studios und Ein-Euro-Läden zu finden seien. Zudem hätten Einheimische oft einen kritischeren Blick auf ihre Stadt als Urlauber. „Jemand aus dem Ruhrpott holt sich bei uns einen Flyer, geht auf Entdeckungsreise und mit leuchtenden Augen durch die Stadt mit ihrer Architektur und anderen Sehenswürdigkeiten.“ Solche Gäste schwärmten danach in ihrer Heimat oder auf Social Media von ihrem Urlaub und fungierten als Multiplikatoren.
Herausforderungen bei Infrastruktur und Verkehr
Kritik gibt es an den sanitären Anlagen in der Innenstadt. Casper hofft hierbei auf eine Wiederbelebung der Aktion „Nette Toilette“, bei der Gastronomen ihre Toiletten gegen eine städtische Aufwandsentschädigung für Passanten öffnen. Ein Sticker im Eingangsbereich signalisiert die Teilnahme.Auch die Situation für Wohnmobile und Campingbusse gilt als ausbaufähig. „Kein Aushängeschild“, befindet Casper, „und mir schon seit Jahren ein Dorn im Auge.“ Am Kielseng ist die Nachfrage derzeit dreimal so hoch wie das Angebot an Stellplätzen. „Viele nutzen das Angebot am Citti-Park, doch das reicht nicht aus.“ Ein früher geplantes Areal hinter der alten Bahnpost „doch das wurde verworfen, weil nicht zentral genug“. Aktuell prüft die Stadt eine neue Lösung, vorzugsweise am Wasser.
Die Verkehrsführung mit zahlreichen Baustellen wird von Touristen ebenfalls als Herausforderung wahrgenommen. Die gesperrten Flächen an der maroden Kaimauer sorgen hingegen kaum für Beschwerden. „Dazu gibt es eigentlich kaum Feedback“, hat Casper festgestellt. „Das sehen die Urlauber viel entspannter als die Flensburger selbst.“