Sicherheitsrisiko an der Nordsee: DLRG warnt vor Missachtung der Flaggensignale auf Sylt
Die DLRG auf Sylt warnt Badegäste vor den Gefahren im Meer und weist auf die Bedeutung der verschiedenen Warnflaggen hin. Besonders die gelbe Flagge und die rote Einzelflagge werden von Urlaubern häufig ignoriert.
Wer auf Sylt baden gehen möchte, prüft meistens zuerst die Nordsee: die Wellen, den Wind, die Weite bis zur Sandbank. Dabei hängt die wichtigste Information nicht am Horizont, sondern am Rettungsschwimmerturm. Die Flaggen zeigen, ob Baden erlaubt oder eingeschränkt ist und wann das Schwimmen im Meer lebensgefährlich sein kann.
Zwischen List und Hörnum sind in der Saison zahlreiche Rettungsschwimmer im Einsatz. Sie prüfen fortlaufend, wie sich Wind, Wasserstand und Brandung auf die Sicherheit im Wasser auswirken. „Badegäste sehen oft nur die schöne Nordsee und eine schnelle Abkühlung an heißen Sommertagen“, sagt Wiebke Viereck von der DLRG Sylt.
Einfluss von Strömungen und Gezeiten
Für die Beflaggung zählt jedoch, was viele vom Strand aus nicht erkennen: Strömungen im Wasser, unterbrochene Sandbänke oder ablandiger Wind, der Luftmatratzen und Schwimmhilfen rasch aufs Meer hinaustreiben kann. Gerade an unterbrochenen Sandbänken kann bei auflaufender Flut eine sogenannte Treckerströmung entstehen. Solche Gefahrenstellen entscheiden mit darüber, wo ein Badefeld sicher eingerichtet werden kann und wann es verlegt werden muss.
Der Wechsel der Beflaggung erfolgt laut DLRG Sylt meist bei auflaufendem Wasser, also dann, wenn die Nordsee beginnt, die erste Sandbank zu überspülen. Mit der Flut werden die Wellen größer, mehr Wasser gerät in Bewegung und die Lage im Wasser verändert sich.
Eine grüne Flagge gibt es auf Sylt in dieser Form nicht mehr. Stattdessen zeigen die rot-gelbe Flagge und die Logoflagge des zuständigen Tourismus-Service, dass der Rettungsturm besetzt ist, unter Aufsicht gebadet wird und Baden weitgehend überall am Strand möglich ist.
Eine zusätzliche gelbe Flagge wird meist dann gehisst, wenn mit auflaufendem Wasser die erste Sandbank überspült wird, die Wellen größer werden und mehr Wasser in Bewegung gerät. Dann ist beaufsichtigtes Baden nur noch im abgesteckten Badefeld möglich, das am Strand durch rot-gelbe Flaggen markiert wird. Gründe dafür können Wellengang, eingeschränkte Sicht der Rettungsschwimmer, Seitenströmung oder eine Treckerströmung sein. Bei gelber Flagge ist Baden nur im abgesteckten Badefeld erlaubt. Eltern sollten wachend an der Wasserkante bleiben oder die Kinder ins Wasser begleiten.
Gefahren bei roter Flagge
Bei roter Flagge ist sicheres Baden nicht mehr möglich. Sie wird etwa bei starker Strömung, hoher Brandung, Seenebel, Gewitter oder gefährlichem Treibgut im Wasser gehisst. „Die Nordsee ist dann so turbulent, die Gischt peitscht an den Strand, die Wellen springen wild durcheinander“, sagt Wiebke Viereck von der DLRG Sylt. Unter solchen Bedingungen könne es Badegästen buchstäblich den Boden unter den Füßen wegziehen. Auch angeschwemmter Unrat wie eine Holzpalette könne im Wasser lebensgefährlich werden.
Ignorierte Warnsignale am Strand
Ausgerechnet ein besonders klares Warnsignal wird laut DLRG Sylt häufig missachtet: die einzelne rote Fahne am Strand. Sie markiert eine Stelle mit gefährlicher Unterströmung, also dort, wo Baden besonders riskant ist. Sie weist auf besonders gefährliche Stellen hin, etwa Unterströmungen. Auch wenn daneben kein Badeverbot für den ganzen Strand gilt: An dieser Stelle sollte niemand ins Wasser gehen. An vielen Sylter Strandabschnitten ist sie zusätzlich mit der Aufschrift „Lebensgefahr“ versehen. „Daher ist es einfach unverständlich, warum dies ignoriert wird“, sagt Wiebke Viereck von der DLRG Sylt. Am Westerländer Strand hingegen werden solche Gefahrenstellen dauerhaft mit gelben Kreuzbarken markiert.
Zudem werde auch die gelbe Fahne von vielen Badegästen häufig missachtet. Dabei sei die Lage eindeutig: Schwimmen ist dann nur im markierten Badefeld möglich. Wer außerhalb davon ins Wasser geht, schwimmt auf eigene Gefahr. Für Familien gilt gerade bei gelber Flagge besondere Vorsicht. Baden ist dann nur im Badefeld erlaubt, Kinder dürfen also ausschließlich in diesem markierten Bereich ins Wasser. Eltern bleiben dabei am besten nicht auf dem Handtuch, sondern als zusätzliche Aufsicht an der Wasserkante oder begleiten ihre Kinder direkt ins Wasser.
Vor dem Baden lohnt deshalb immer der Blick zum Rettungsschwimmerturm. Wer unsicher ist oder Fragen hat, sollte direkt zu den Rettungsschwimmern gehen. „Die Rettungsschwimmer helfen Ihnen gerne weiter und geben Auskunft“, sagt Wiebke Viereck.