Spezialausbildung auf dem Ratzeburger See: Wie Rettungshunde der DLRG unter Wasser nach Vermissten suchen
Die Rettungshundestaffel der DLRG bildet Hunde für die schwierige Suche nach Leichen unter Wasser aus. Bei einem Training auf dem Ratzeburger See zeigen die Tiere ihr feines Gespür.
Wenn die Kofferraumklappe des Autos aufgeht, ist der neun Monate alte Border Collie Milo bereits voller Vorfreude. Sobald ihm Hundeführerin Nanyu Kuhlmann die Schwimmweste anlegt, weiß er, dass das Einsatztraining beginnt. Der junge Hund befindet sich mitten in der Ausbildung zum Rettungshund mit dem Spezialgebiet Wasserortung. Auf dem Ratzeburger See im Kreis Herzogtum Lauenburg soll er heute üben, Leichen aufzuspüren. Vor dem eigentlichen Einsatz geht es jedoch ruhig zu. "Wir gehen vorher immer eine kleine Runde spazieren, damit der Hund sich an die Umgebung und die Gerüche gewöhnen kann", sagt Kuhlmann, wie die Tagesschau berichtet. Anschließend geht es zum Boot der DLRG.
Training mit Gerüchen aus der Pathologie
Für das Training auf dem See wurden an zwei verschiedenen Orten Geruchsträger ausgesetzt. An einer Stelle liegt eine Puppe auf dem Grund, die mit einem Leichentuch aus der Pathologie oder von einem Bestatter umwickelt ist. Dies ist der Geruch, auf den die Hunde konditioniert werden. Mit an Bord ist auch Ausbilderin Sonja Meyer, die die Rettungshunde bei der DLRG Burg e.V. ausbildet. "Wir zeigen den Tieren an Land zwei bis dreimal den Geruch, nach dem sie suchen sollen. Dann haben sie es verstanden und wir gehen aufs Wasser", sagt Meyer.Hunde riechen in großen Tiefen
Die Suche auf dem Wasser stellt eine große Herausforderung dar. Hunde können die Gerüche aus bis zu 50 Metern Wassertiefe oder mehr aufnehmen. Das DLRG-Boot fährt das Gebiet im Zickzackkurs ab, während an Bord höchste Konzentration herrscht. "Man muss schon lernen, seinen Hund zu lesen und ihn auch auf dem Wasser zu verstehen. Das ist hoch spannend", sagt Kuhlmann. Wenn Milo etwas aufgespürt hat, leckt er seinem Frauchen über die Hand. Heute zeigt der Border Collie, der seit Februar in der Ausbildung ist, beide Geruchsträger sehr präzise an. "Das macht großen Spaß, die Entwicklung des Hundes zu begleiten und zu sehen, wie viel Spaß das Tier daran hat", sagt Kuhlmann und belohnt ihn mit einem Leckerli.Hintergründe zur Rettungshundestaffel
Die Rettungshundestaffel der DLRG existiert offiziell seit vier Jahren und ist die einzige ihrer Art in ganz Norddeutschland. Von den aktuell 13 Hunden sind sechs bereits offiziell geprüfte Rettungshunde. In den vergangenen drei Jahren verzeichnete die im gesamten Norden aktive Staffel sieben Einsätze. Der letzte Einsatz fand nach der Kieler Woche statt, als ein vermisster junger Mann später tot aus dem Wasser gezogen wurde – aufgespürt durch die Rettungshunde der DLRG. "Je nach Einsatz gucken wir, welcher Hund am besten dafür geeignet ist. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle wie Wellengang. Dann muss ich abwägen", erklärt Meyer. Idealerweise werden zwei Hunde eingesetzt, um die Ergebnisse zu vergleichen und den Ort besser einzugrenzen. Die Bergung selbst übernehmen schließlich Taucher von Polizei, Feuerwehr oder der DLRG.Die Ausbildung zum Rettungshund dauert mehrere Jahre, und alle zwei Jahre müssen die Tiere erneut geprüft werden. Meyer achtet bei Milo auf jedes Detail. "Wir haben den Anspruch, dass die Hunde möglichst spät anschlagen, im besten Fall zwischen zehn und 30 Meter vor der Person oder wie heute dem Geruchsträger", sagt Meyer. Bis dies verstanden wird, kann es in der Ausbildung dauern. An Bord bleibt die Stimmung trotz der Ernsthaftigkeit konzentriert und entspannt. Leiterin der Rettungshundestaffel Sonja Meyer stellt klar: "Wenn wir gerufen werden, geht es nicht mehr um Zeit."