Herausforderungen für Reinigungsfirmen in Nordfriesland
Verändertes Reiseverhalten und mangelnde Sauberkeit der Gäste belasten Reinigungsbetriebe in Nordfriesland. Kürzere Aufenthalte und spontane Buchungen erschweren zudem die Personalplanung.
In der aktuellen Hochsaison sind die Ferienquartiere in Nordfriesland voll belegt, was die Reinigungsfirmen stark fordert. Die Arbeitsbedingungen werden dabei zunehmend schwieriger. Wie die shz berichtet, bringen viele Urlauber Haustiere mit, zudem sei die Wertschätzung für die Ferienobjekte insgesamt gesunken. Da sich Feriengäste heute kurzfristiger entscheiden und kürzere Aufenthalte buchen, gestaltet sich auch die Einsatzplanung komplizierter.
Verschmutzungen und Haustiere erhöhen den Aufwand
Manche Gäste „hausten“ laut Berichten der Firmen regelrecht in den Wohnungen. Einrichtungsgegenstände seien teilweise so stark verschmutzt, dass der Einsatz weit über eine normale Reinigung hinausgehe, erklärt Andreea Barbut von der Reinigungsfirma Nordfrische aus Mildstedt. Sie berichtet von klebrigen Handabdrücken auf Sofas, Fenstern und Türen, dreckigem und kaputtem Geschirr, das im Schrank versteckt wurde, sowie vergammelten Lebensmitteln. „Wenn man gute Arbeit leisten will, muss man alles nachprüfen, was einen erheblichen Mehraufwand für die Reinigungskräfte bedeutet“, sagt Barbut. Kevin Hoberg von der Gebäudereinigung Hoberg in Leck vermutet, dass Feriengäste sich oft keine Gedanken darüber machten, dass der Vermieter kaputte Gegenstände ersetzen muss, was die Kosten langfristig erhöhe.
Zudem hat die Anzahl der mitgebrachten Haustiere in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Viele Gäste lassen ihre Tiere im Bett schlafen oder auf Sofas und Sesseln Platz nehmen. „Wenn wir viele Tierhaare entfernen müssen, reicht ein Staubsaugerbeutel nicht mehr aus“, sagt Andreea Barbut. Dies sei besonders problematisch, wenn im Anschluss Tierhaarallergiker die Wohnung gebucht haben. „Dann wird der Reinigungsaufwand für uns wesentlich höher und intensiver“, bestätigt auch Kevin Hoberg. Manche Feriengäste verschweigen die Mitnahme eines Hundes komplett, um Geld zu sparen, oder bringen mehr Tiere mit als angemeldet. Auch die stärkere Belegung der Immobilien erhöht den Aufwand. „Manche Urlauber organisieren Treffen mit der ganzen Familie an einem langen Wochenende“, so Kevin Hoberg. Dadurch lassen sich Kosten teilen, doch der Reinigungsaufwand steigt, auch weil immer mehr Paare getrennte Schlafzimmer und Bäder nutzen möchten.
Erschwerte Personalplanung durch Kurzfristigkeit
Kurzfristige Buchungen und Stornierungen erschweren die Personalplanung der Reinigungsfirmen zusätzlich. Früher sei der Sommerurlaub lange im Voraus gebucht worden und die Gäste blieben zwei Wochen, erklärt Valentin Godt vom Blitz&Blank Reinigungsservice in Husum und Tönning. „Wir wussten schon im Februar, für welchen Zeitraum wir wie viele Arbeitskräfte einplanen müssen“, sagt Godt. „Heute überlegen die Menschen, wie und wo sie sich einen Urlaub leisten können“, vermutet Kevin Hoberg. Dies führe zu spontaneren Buchungen mit kürzeren Aufenthalten.
Online-Buchungen können bis fünf Tage vor der Anreise kostenfrei storniert werden, gibt Andreea Barbut zu bedenken. „Unser Zeitplan kann sich dadurch komplett ändern.“ Um ihr Personal vernünftig einzuplanen, stellt Barbut nun immer frühmorgens ihren Plan für den Tag auf. „Trotzdem muss man immer spontan umplanen, manchmal auch noch nachts“, sagt sie. „Wenn man zehn Wohnungen betreut, mag das noch gehen, aber bei 400 Wohnungen im gesamten Raum Nordfriesland, die weit auseinanderliegen, wird es schwierig“, gibt sie zu verstehen. „Was uns tatsächlich an Reinigungsaufwand erwartet, sehen wir erst, wenn wir die Tür aufmachen“, sagt Kevin Hoberg.