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Bohrmuschel verursacht Millionenschäden an Bremerhavener Hafenanlagen

Der holzfressende Schiffsbohrwurm beschädigt kilometerweise historische Holzkonstruktionen in Bremerhaven. Forscher suchen nun nach resistenten Holzarten und Schutzmöglichkeiten.

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Muscheln gehören auf den Teller, nicht ins Fundament. Wat 'n Schiet. — Rocky, Chefkolumnist
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In Bremerhaven sorgt die Bohrmuschel Teredo navalis für erhebliche Schäden an historischen Hafenanlagen und Ufereinfassungen, deren Behebung Millionen kosten wird. Betroffen sind unter anderem die Nordmole, der Verbindungskanal zum Neuen Hafen sowie Fähranleger, was zu Sperrungen und Einschränkungen im Fährbetrieb führt. Experten erforschen nun widerstandsfähige Holzarten und genetische Methoden, um dem unsichtbaren Zerstörer entgegenzuwirken.
Der sogenannte Schiffsbohrwurm ist trotz seines Namens keine Wurmart, sondern eine Muschel. Wie Holzwirt Johann Müller, der zur Muschel forscht, erklärt, gehört Teredo navalis zur Familie der holzfressenden Teredinidae und kann bis zu 45 Zentimeter lang werden. An der deutschen Nordseeküste erreicht die heimische Art meist eine Länge von 10 bis 20 Zentimetern. Sie gilt als der gefährlichste tierische Holzschädling im Meerwasser nord- und mitteleuropäischer Gewässer. "An der deutschen Nordseeküste werden hölzerne Hafen- und Küstenschutzanlagen seit Jahrhunderten von Bohrmuscheln befallen", sagt Müller. Die Larven verankern sich auf einer Holzoberfläche und fressen sich dann ins Holz. Die Kanäle werden an der Außenseite häufig wieder verschlossen, weshalb der Befall lange unsichtbar bleibt, bis der tragende Holzquerschnitt erheblich reduziert ist.

Fatale Folgen für die Hafenstruktur

Vor rund 100 Jahren war die Bohrmuschel in Bremerhaven noch ein seltener Gast, da der Salzgehalt im Brackwasser der Weser laut Thünen-Institut zu gering war. Durch verbesserte Wasserqualität und steigende Wassertemperaturen infolge des Klimawandels breitet sich der Schädling nun jedoch zunehmend in den hölzernen Pfeilern aus. Die Folgen in Bremerhaven sind massiv: Die Nordmole sackte ein, die Kaje am Neuen Hafen ist marode, Klappbrücken zu den Havenwelten wurden gesperrt und der Verbindungskanal droht einzustürzen. Auch der Betrieb der Weserfähre musste zeitweise eingestellt werden, wie die Tagesschau berichtet. Inzwischen weicht der Betreiber auf die Seebäderkaje aus, damit Fußgänger und Radfahrer pendeln können. Nach Angaben des Bremer Umweltressorts ist der Befall flächendeckend und betrifft seit den 2010er-Jahren rund acht Kilometer Ufereinfassung im Übersee- und Fischereihafen. Die Häfen in der Stadt Bremen bleiben hingegen verschont, da dort der notwendige Mindestsalzgehalt von 0,9 Prozent nicht dauerhaft erreicht wird. Allein die Wiederherstellung des Verbindungskanals und der Mole in Bremerhaven wird über 60 Millionen Euro kosten.

Forschung an resistenten Hölzern

Um betroffene Bauwerke künftig besser zu schützen, testet Christian Brischke vom Thünen-Institut derzeit sechs verschiedene Holzarten im Fischereihafen. "Kiefernholz durchbohren die Muscheln sofort", erklärt Brischke bei buten un binnen. "Nur noch ein weiteres Jahr, dann ist kaum noch Holzsubstanz übrig. Die Standfestigkeit eines Bauteils, das so stark befallen ist, wäre aber jetzt schon nicht mehr gegeben", stellt der Forscher fest. Tropenhölzer wie Itaúba und Iroko sowie mit Essigsäureanhydrid behandeltes Holz weisen hingegen eine höhere Widerstandsfähigkeit auf. Um die Ausbreitung der weltweit rund 80 Bohrmuschelarten genauer zu überwachen, plant das Thünen-Institut zudem genetische Analysen. Leiter des Thünen-Instituts für Seefischerei Gerd Kraus erklärt dazu: "Anhand kleinster genetischer Spuren im Wasser können wir heute herausfinden, welche Bohrmuschelarten sich in Europa angesiedelt haben und wie sie sich dort ausbreiten".

Schutzmaßnahmen und Herausforderungen

Eine einfache Lösung gegen den Schädling gibt es nicht. "Ein direktes 'Hausmittel' gegen die Bohrmuschel gibt es nicht", teilte Sprecherin des Bremer Umweltressorts mit. Ein wirksamer Schutz besteht vor allem darin, das Holz zu schützen: durch Versiegelung mit Kunststoff, widerstandsfähige Holzarten oder chemische Modifikation. Eine direkte Bekämpfung im offenen Wattenmeer ist laut Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer nicht möglich und naturschutzfachlich nicht vorgesehen. Bei Neubauten wird daher fast ausschließlich auf Stahl und Stahlbeton gesetzt. Ist eine Ufereinfassung bereits beschädigt, bleibt meist nur Sperrung und Neubau.

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