Strukturwandel im Fischereihafen Bremerhaven: Kleine Betriebe unter Druck
Der Fischereihafen in Bremerhaven blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück. Während die verarbeitete Fischmenge stabil bleibt, müssen sich kleinere Betriebe heute in einem globalisierten Markt behaupten.
Die Geschichte des Standorts reicht weit zurück. Im Jahr 1931 beschrieb der Historiker Harry Gabcke in seinem Buch „Bremerhaven in zwei Jahrhunderten“ das rege Treiben: „Tempo, Tempo überall am Fischereihafen. Nach der Auktion am frühen Morgen wurde der weitaus größte Teil dieser Ernte des Meeres bei den über 200 Fischverarbeitungs- und Großhandelsfirmen filiert und in Pergamentpapier verpackt. Oder der Fisch wurde mit ,Kopf und Schwanz‘ auf Eis in Weidenkörbe gepackt – mit Bastmatten gegen Wärme geschützt – und bis Mittag zum Versand gebracht. Ein anderer Teil kam in die Räuchereien und Marinieranstalten zur weiteren Verarbeitung“. In den 1930er Jahren führte die nationalsozialistische Planwirtschaft zu einem Boom, der den damaligen Ort Wesermünde zum größten Fischereihafen des europäischen Festlands machte. Nahezu jeder zweite Einwohner lebte direkt oder indirekt von der Fischwirtschaft. Mit dem Zweiten Weltkrieg brach dieser staatlich gelenkte Aufschwung jedoch ab, da viele Trawler von der Kriegsmarine als Hilfsschiffe eingezogen wurden.
Aufschwung in der Nachkriegszeit
Nach dem Kriegsende erlebte der Fischereihafen eine zweite Blütezeit, da Fisch eine der wichtigsten Eiweißquellen für die Bevölkerung darstellte. In den 1950er Jahren warb der Seefischmarkt mit dem Slogan „Bremerhaven – der führende Fischereihafen des Kontinents“. Ab 1953 wurde regelmäßig der „Tag des Hochseefischers“ gefeiert. Der erste deutsche Hochseefischertag war „eine Auszeichnung nicht nur für die Hochseefischer, sondern auch für die Fischindustrie und die Bevölkerung unserer durch den Krieg stark betroffenen Hafenstadt, die ohne Fisch sehr schwer daniederliegen würde“, berichtete damals die Nordsee-Zeitung. Im Jahr 1950 boten die Betriebe im Fischereihafen über 9.000 Menschen Arbeit, davon knapp 4.000 in der Fischindustrie. Eine Zählung aus diesem Jahr erfasste 226 Seefischgroßhandlungen, 188 Heringssalzereien, 89 Marinieranstalten, 73 Bratereien und 58 Räuchereien. Ab den 1970er Jahren setzte schließlich ein tiefgreifender Strukturwandel ein.Kleine Unternehmen müssen sich Nischen suchen
Seit Ende 2025 gab es im Bereich der fischverarbeitenden Betriebe mehrere Insolvenzverfahren. Laut FBG-Marketingchef Sebastian Gregorius haben diese jedoch nichts mit dem Standort selbst zu tun. „Es ist wie in allen anderen Bereichen auch“, meint Gregorius. „Die Verarbeitung und der Handel konzentrieren sich auf die Großen, und die kleinen Unternehmen müssen sich zum Überleben Nischen suchen.“ Diese Entwicklung habe sich in den 1990er Jahren verstärkt. „Mitte der 90er Jahre kam noch viel Fisch über den Seeweg nach Bremerhaven“, so Gregorius. „Und der Fisch musste auch über die Auktion gehen. Da war der Zugang für die kleinen Händler einfacher. Sie konnten auch nur 2, 3 oder auch 10 Kisten pro Tag kaufen und verarbeiten. Heute müssen sie sich an den Zwischenhandel wenden. Dadurch wird es wieder teurer.“Obwohl die Zahl der Fischverarbeiter auf rund 30 gesunken ist, bleibt das jährliche Verarbeitungsvolumen mit etwa 200.000 Tonnen konstant. Davon entfällt die Hälfte auf Tiefkühl-Ware, während der Rest aus Marinaden, Räucher- und Frischfisch besteht. Der Übergang zum globalen Geschäft hat den Marktdruck erhöht, und auch das Kaufverhalten hat sich verändert. Gregorius erklärt: „Früher galt Fisch als ,Arme-Leute-Essen‘, heute ist es ein hochpreisiges Gericht.“ Trotz der Insolvenzen der vergangenen Monate betont er, „gibt es auch positive Nachrichten“. So hat Thomas Wuth kürzlich in der Halle XIII (Freiladestraße 11) das Geschäft „Wurth’s Meeresdelikatessen“ für den Groß- und Einzelhandel eröffnet. Wuth verfügt über langjährige Erfahrung im Fischgeschäft und bietet das komplette Sortiment an.