Krankenhausreform gefährdet Notaufnahme der Inselklinik Föhr-Amrum
Wegen neuer gesetzlicher Vorgaben steht die Notaufnahme auf Föhr vor dem Aus. Lokale Politiker diskutieren nun über neue Konzepte zur Sicherung der medizinischen Versorgung.
Das Krankenhaus läuft bereits seit längerer Zeit mit einem Sicherstellungszuschlag, also mit zusätzlichem Geld, „um wirtschaftlich ansatzweise tragfähig zu sein“, berichtet die shz. Dies erklärte Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland Stephan Unger in einer Pressemitteilung. Die Inselklinik Föhr-Amrum gehört zum Klinikum Nordfriesland, weshalb Unger auch hier zuständig ist. Mit der Umsetzung der Krankenhausreform und der Neuaufstellung des Krankenhausplans zum Jahresende durch das Land Schleswig-Holstein verschärft sich die Situation für die Klinik weiter. Da Krankenhäuser bestimmte personelle und strukturelle Voraussetzungen erfüllen müssen, um bestimmte Leistungen erbringen zu dürfen, glaubt Unger nicht, dass die Zentrale Notaufnahme (ZNA) der Inselklinik diese Vorgaben künftig erfüllen kann. Dies würde das Ende der ZNA bedeuten, die bislang Notfallpatienten rund um die Uhr aufnimmt und erstversorgt.
Sektorenübergreifende Versorgung als Lösungsansatz
Als Lösungsmodell steht eine sogenannte „sektorenübergreifende Versorgung“, kurz SÜV, im Raum. Dabei sollen Inselklinik, niedergelassene Ärzte und Rettungsdienste so miteinander verzahnt werden, dass eine 24/7-Notfallversorgung gewährleistet ist, auch wenn der Rettungshubschrauber mal nicht fliegen kann. Stadtvertreter in Wyk und Mitglied im Gesundheitsausschuss des Kreises Nordfriesland Peter Schaper (SPD) sieht die Entwicklung mit einer gewissen Gelassenheit. „Wir haben schon so viele Irrungen und Wirrungen erlebt mit der Klinik“, sagt Schaper und spielt damit unter anderem auf die Hauruckschließung der Geburtsstation der Inselklinik im Herbst 2015 an. Allerdings scheine es klar zu sein, dass es so nicht weitergeht. Im Beisein von Landrat des Kreises Nordfriesland Florian Lorenzen hatte Unger Mitte Juli vor den Föhrer Mitgliedern des Amtsausschusses Föhr-Amrum über die aus seiner Sicht schwierige Lage berichtet.„Es geht um eine vernünftige Versorgung, allerdings mit Abstrichen“, sagt Schaper. Zudem fordert er ein Konstrukt, um die Ärzte auf der Insel zu halten. Bezüglich der Finanzierung zeigt sich der Sozialdemokrat optimistisch: „Der Landrat scheint positiv zu sein, dass ein solches Projekt zu finanzieren ist“. Auch Bürgermeister Wyks Uli Hess (CDU) ist fest von einem Krankenhaus auf Föhr überzeugt: „Meine Kernbotschaft in dieser Sache ist: Es wird ein Krankenhaus geben“, sagt Hess auf Nachfrage. Andererseits lobt er die Krankenhausreform, die Leistungen in bestimmten Krankenhäusern konzentriert – ein Grundgedanke des Gesetzes, das noch unter Karl Lauterbach entstand. „Natürlich wird der Patient bei einer komplexen Erkrankung lieber in die entsprechende Spezialklinik geflogen“, sagt Hess.
Perspektiven der Fraktionen auf Föhr
Fraktionsvorsitzende der Kommunalen Gemeinschaft (KG) Silke Ofterdinger-Daegel ist ebenfalls überzeugt, dass sich unter den neuen Vorzeichen etwas tun muss. „Das Klinikum ist einfach gezwungen, etwas zu machen“, sagt Ofterdinger-Daegel. Sie glaubt jedoch, dass sich bei den internistischen Betten im Krankenhaus wenig ändern wird. Viele Notfälle, die fälschlicherweise im Krankenhaus landen, könnten durch den gut funktionierenden hausärztlichen Notdienst bereits jetzt abgedeckt werden. „Der Notdienst funktioniert nämlich super“, lobt die Insel-Apothekerin. Möglicherweise könne mit der Neuordnung auch der Fachärztemangel gemildert werden. „Das ist allerdings ein Problem mit der Kassenärztlichen Vereinigung“, sagt Ofterdinger-Daegel. Andererseits brauche man angesichts der vielen Gäste ein Krankenhaus: „Ein erster Anlaufpunkt muss definitiv da sein“.Grüner Fraktionssprecher in der Stadtvertretung Till Müller macht eine besorgniserregende Entwicklung aus. „Es hat immer wieder Vorstöße zur Herunterstufung der Inselklinik gegeben“, so Müller. Momentan sei aber noch wenig greifbar, wie es weitergehe. „Da, wo wir Einfluss haben, sollten wir ihn auch geltend machen“, sagt Müller. Allerdings bezweifelt er, wie sinnvoll eine neue Notfallregelung sein könnte: „Statt den Notarzt nachts aus der Schlafbereitschaft zu holen, kommt dann der Rettungshubschrauber öfter“. Ob man mit einem solchen System spare, sei fraglich, da die Kosten in andere Töpfe verschoben würden.
Fraktionsvorsitzender der FDP in der Stadtvertretung Klaus Pott spricht über die fehlende Wirtschaftlichkeit der jetzigen Struktur. „Das Krankenhaus ist zu teuer, um es so zu halten“, sagt Pott. Eine durchschnittliche Belegung von sechs Betten sei wirtschaftlich einfach nicht zielführend. Dennoch benötige man weiterhin ein Akutkrankenhaus, „Allein schon wegen der Touristen.“ Zudem habe Unger auch andere Probleme angesprochen: „Das Krankenhaus ist marode – auch energetisch“, erklärt Pott. Auf einem möglichen Gesundheitscampus könnten Klinik, Ärzte und Rettungsdienst zusammengefasst werden. „Und so etwas kann auch in der Mitte der Insel entstehen“, ist Pott sicher.