Unterschätzte Strömungen und Gezeiten: DLRG warnt vor Gefahren in der Nordsee
In der Grimmershörnbucht und im Watt bei Cuxhaven bringen sich Schwimmer und Wattwanderer immer wieder in Lebensgefahr. Die DLRG warnt vor tückischen Strömungen, Prielen und schwindender Schwimmkompetenz bei Kindern.
Gefahren durch Strömung und Schiffsverkehr
Immer wieder verlassen Schwimmer die gesicherten Bereiche der Grimmershörnbucht. Sie ignorieren Lautsprecherdurchsagen und schwimmen Richtung Elbfahrwasser bis zur grünen Tonne. Bei Strömungen von bis zu fünf Kilometern pro Stunde und dichtem Schiffsverkehr entsteht dort akute Lebensgefahr. Auch bei der Rettungsstation Altenbruch kommt es wegen der Fahrwassernähe häufig zu kritischen Situationen.„Bei Strömungsgeschwindigkeiten bis zu 5 km/h und dem Schiffsverkehr besteht dann akute Lebensgefahr“, sagt Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Cuxhaven Dieter Sandforth, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Besonders tückisch ist der Leitdamm. Der verzögerte Wellenschlag vorbeifahrender Schiffe kann Menschen unvermittelt ins Fahrwasser reißen.
Risiken im Watt und Gezeitenkenntnis
Auch die Priele im Watt bergen Risiken. Sie können binnen kurzer Zeit tief werden und starke Strömungen entwickeln. Ausschlaggebend sind Tidenhub, Mondphase und Wind. Sandforth rät deshalb dringend zu Wattwanderungen nur mit Gezeitenkenntnis oder in Begleitung eines Wattführers.Nicht jede Gefahr ist auf den ersten Blick erkennbar. Schlickfelder bergen Einsinkgefahr, Muschelfelder drohen mit Schnittwunden, algenbewachsene Buhnen werden schnell zur Rutschbahn. Sandforth empfiehlt Urlaubern, Hinweistafeln, Warnschilder und das Personal der Rettungsstationen ernst zu nehmen.
Auch Einheimische sind vor Fehlern nicht gefeit. Vermeintliche Routine bei häufigen Wattwanderungen nach Neuwerk führt mitunter zu falscher Sicherheit. Einen typischen Touristenfehler gebe es dagegen nicht, so der DLRG-Vorsitzende im Gespräch mit dem Medienhaus.
Eingespieltes Rettungssystem und Schwimmkompetenz
Bei einem Notruf greift in Cuxhaven binnen kürzester Zeit ein eingespieltes System. Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehren, die Seenotretter der DGzRS, die Wasserschutzpolizei, die NHC und die Schnell-Einsatz-Gruppe der DLRG arbeiten Hand in Hand. Im Ernstfall kommen auch SAR-Hubschrauber der Marine aus Nordholz zum Einsatz. Sandforth spricht von einer „Blaulichtfamilie“, die auf gegenseitigem Vertrauen basiere.Sorge bereitet ihm dagegen das sinkende Schwimmvermögen der Kinder. Positiv wirke das Kooperationsprojekt „Seepferdchen“: Aus acht Nichtschwimmern wurden dort binnen fünf Tagen begeisterte Schwimmer. Ein Projekt, das Wiederholung verdiene, so Sandforth abschließend.