DLRG-Statistik: Mehr tödliche Badeunfälle in Deutschland und Schleswig-Holstein
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft verzeichnet für das Jahr 2026 einen Anstieg der tödlichen Badeunfälle in Deutschland. Während die Zahlen in den meisten norddeutschen Bundesländern sanken, stiegen sie in Schleswig-Holstein deutlich an.
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wird nicht müde, vor den Gefahren beim Abkühlen in Seen, Flüssen und Meeren zu warnen. In ihrer Zwischenstatistik zu tödlichen Badeunfällen in Deutschland verzeichnet die Organisation für das laufende Jahr mindestens 261 Ertrinkungsopfer, wie die Tagesschau berichtet. Dies sind 15 Todesfälle mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein im Juni starben mehr als 100 Menschen in Gewässern – so viele wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in diesem Monat.
Deutlicher Anstieg in Schleswig-Holstein
Im Norden Deutschlands entwickeln sich die Zahlen unterschiedlich. Schleswig-Holstein verzeichnet hier als einziges Bundesland einen deutlichen Anstieg. Bis Ende Juli ertranken dort 16 Menschen, während es im gleichen Zeitraum des Vorjahres neun waren. Allein im Juni kamen vier Menschen in Gewässern ums Leben, im Juli folgten sechs weitere. Die meisten tödlichen Unglücke ereigneten sich im Meer. Auffällig ist das vergleichsweise junge Alter vieler Opfer: Neun der 16 Verunglückten in Schleswig-Holstein waren zwischen 11 und 40 Jahre alt.Wachführer der DLRG in Grömitz (Kreis Ostholstein) Alexander Kolb beobachtet, dass viele Menschen unvorsichtig ins Wasser gehen. "Manche springen bei der Hitze direkt vom Boot ins Wasser, ohne sich vorher abzukühlen", so der ehrenamtliche Rettungsschwimmer. Das könne zu Kreislaufschwierigkeiten führen. "Auch die Ablenkung der Eltern durch Multimediageräte ist schlimm, wir müssen jeden Tag Kinder am Strand suchen", so Kolb.
Unterschiedliche Trends in Hamburg und Niedersachsen
In Hamburg registrierte die DLRG bis Ende Juli sechs tödliche Unglücke in Gewässern, im Vorjahreszeitraum waren es acht. Alle Todesopfer waren männlich. Mindestens drei der sechs Verstorbenen gehörten zur Altersgruppe der 11- bis 30-Jährigen. Zum Alter der übrigen Opfer liegen laut DLRG keine Angaben vor. Damit bestätigt sich in Hamburg der bundesweite Trend, dass insbesondere Männer überdurchschnittlich oft bei Badeunfällen ums Leben kommen.In Niedersachsen kamen bis Ende Juli 23 Menschen bei Badeunfällen ums Leben. Das ist ein Todesfall weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Besonders viele Unglücke ereigneten sich im Juni mit gleich neun Todesfällen, im Juli starben weitere vier Menschen in niedersächsischen Gewässern. Auffällig ist die Altersstruktur, da hier eher ältere Menschen betroffen waren: 16 der Verunglückten waren älter als 61 Jahre. Unter den Opfern befanden sich außerdem ein Kind im Alter bis zehn Jahre sowie zwei Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren. Auch in Niedersachsen waren die meisten Todesopfer männlich.
In Mecklenburg-Vorpommern zählten die Rettungsschwimmer der DLRG bis Ende Juli 16 Todesfälle nach Badeunglücken, im Vorjahreszeitraum waren es 18. Sechs Menschen ertranken im Juni, weitere fünf im Juli. Die meisten tödlichen Badeunfälle ereigneten sich in der Ostsee, wo sieben Menschen ums Leben kamen. Vier weitere starben in Flüssen, wo die DLRG im Vorjahreszeitraum keinen einzigen tödlichen Unfall registriert hatte. Auch in Mecklenburg-Vorpommern waren vor allem ältere Menschen betroffen. Neun der 16 Todesopfer waren älter als 61 Jahre, 14 davon waren männlich.
Hitzewelle und mangelnde Schwimmkenntnisse als Ursachen
Nach Einschätzung der DLRG trug die Hitzewelle Ende Juni maßgeblich zum starken Anstieg der Unfallzahlen bei. "Betrachten wir nur die bisherigen drei Bademonate, gab es über 30 Todesfälle mehr als vor einem Jahr", erklärte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. Rund 90 Prozent aller tödlichen Badeunfälle ereignen sich nach DLRG-Angaben an frei zugänglichen Gewässern im Binnenland, also in Seen, Flüssen oder Teichen. Die Zahlen zeigen wieder einmal, dass es besonders dort lebensbedrohlich wird, wo zumeist keine Rettungskräfte vor Ort sind.Besorgniserregend ist aus Sicht der DLRG der erneute Anstieg bei jungen Menschen. Bundesweit kamen bis Ende Juli 75 Menschen im Alter zwischen elf und 30 Jahren ums Leben, das sind 26 mehr als im Vorjahreszeitraum. Fast alle waren männlich. "Infolge von leichtsinnigem Verhalten - oft in Verbindung mit Alkohol und anderen Drogen - kommt es unter Jungen und jungen Männern immer wieder zu Badeunfällen", erklärte die DLRG-Präsidentin. "Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen, aber das Leben zu verlieren", so Vogt. Die DLRG fordert auch deshalb mehr Investitionen in Schwimmbäder und den schulischen Schwimmunterricht. Noch immer würden viele Kinder die Grundschule verlassen, ohne sicher schwimmen zu können.