Sinkende Grundwasserpegel verschärfen Verteilungskämpfe im Norden
Trockenheit und steigender Bedarf führen in Niedersachsen zu zunehmenden Konflikten um die knappe Ressource Wasser. Betroffen sind die Schifffahrt, die Industrie und der Naturschutz.
Sinkende Grundwasserstände, niedrige Pegel in Flüssen und Talsperren sowie ein steigender Bedarf verschärfen die Konflikte um die Ressource Wasser in Niedersachsen. Während die Industrie, die Landwirtschaft und die Bevölkerung auf das Wasser angewiesen sind, leidet auch die Natur unter der anhaltenden Trockenheit. Das Land versucht nun, mit gesetzlichen Neuregelungen und Sparappellen gegenzusteuern. In Niedersachsen und Hessen zeigt sich der Interessenkonflikt diesen Sommer besonders deutlich an der Edertalsperre. Um die Schifffahrt auf der Oberweser aufrechtzuerhalten, muss immer früher im Jahr Wasser abgegeben werden. Hessische Tourismusbetriebe am Edersee, der aktuell nur zu rund 18 Prozent gefüllt ist, fordern hingegen geringere Mindestabgaben. Niedersächsische Reeder und Kies-Abbau-Unternehmer bestehen jedoch auf einem Mindestpegel von 1,20 Meter. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt prüft nun per Studie eine Verbesserung des Abgabe-Managements.
Streit um das Grundwasser in der Nordheide und Lüneburg
Ein langjähriger Konflikt betrifft den Landkreis Harburg, wo das Unternehmen Hamburg Wasser Tiefengrundwasser zur Versorgung der Hansestadt fördert. Erlaubt ist eine Entnahme von jährlich 16,1 Millionen Kubikmetern im langjährigen Mittel. Dagegen gibt es Klagen von beiden Seiten: Dem Versorger ist die Menge zu gering, da sie die Versorgungssicherheit Hamburgs "unverhältnismäßig stark" einschränke. Die Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN) hält die Menge für zu hoch und befürchtet Schäden an Ökosystemen. Nachdem das Landgericht Lüneburg die Klagen 2021 abwies, liegt das Verfahren nun beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg, wie ein Sprecher NDR Niedersachsen bestätigte. Termine für die Verhandlungen stehen noch nicht fest.
Auch im Landkreis Lüneburg gab es jahrelange Diskussionen um Pläne des Unternehmens Coca-Cola, das bei Reppenstedt jährlich bis zu 350 Millionen Liter Wasser aus einem neuen Brunnen fördern wollte. Nach Protesten von Anwohnenden und einem Pump-Versuch teilte das Unternehmen im Januar 2022 mit, keinen Antrag zu stellen, und verwies auf eine sinkende Nachfrage nach Mineralwasser. Im November 2023 entschied der Landkreis Lüneburg, dass der Brunnen zurückgebaut werden muss. Dies ist laut einem Landkreissprecher gegenüber NDR Niedersachsen vollständig erfolgt.
Kommunale Sparmaßnahmen und Forderungen des NABU
Wegen der knappen Wasserstände haben Kommunen wie Braunschweig, die Region Hannover und der Landkreis Lüneburg Entnahmeverbote für heiße Tage erlassen, wie die Tagesschau berichtet. Bei Verstößen gegen die zeitlichen Vorgaben beim Gießen drohen Bußgelder. Andere Landkreise wie Emsland, Nienburg/Weser und Verden setzen auf freiwillige Sparappelle im Haushalt und Garten.
Der Naturschutzbund NABU in Niedersachsen sieht in der Situation ein Warnsignal der Klimakrise. Der Verband fordert eine schnellere Renaturierung von Mooren, Flüssen und Auen sowie den Rückbau versiegelter Flächen. "Wiedervernässte Moore, lebendige Auen und naturnahe Gewässer speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und stabilisieren den natürlichen Wasserhaushalt", sagte Pressesprecher Lamin Neffati in einer Mitteilung.
Neues Wassergesetz und Masterplan des Landes
Zur Regulierung hat das Land Niedersachsen Ende Juni ein modernisiertes Wassergesetz vorgestellt. Dieses sieht strengere Überprüfungen in stark belasteten Regionen, erleichterte Zulassungsverfahren für Renaturierungen und verbrauchsgestaffelte Gebühren für Wasserversorger vor. Ergänzend stellte das Umweltministerium im Juli den "Masterplan Wasser" mit 66 Maßnahmen vor, die vom Wassersparen über den Hochwasserschutz bis zur Schonung des Grundwassers reichen.
In Neustadt in Holstein wurde die erste Meerwasser-Wärmepumpe Deutschlands offiziell vorgestellt. Das System nutzt die Wärme der Ostsee zur Versorgung von mehr als 200 Haushalten.
Das Deutsche Rote Kreuz hat seinen neuen Verwaltungssitz in der Bremer Überseestadt bezogen. Bislang verstreute Standorte werden nun an einem Ort zusammengeführt.
Nach Kürzungen bei den Schulbegleitungen lockern einige Hamburger Sonderschulen die Kontrolle der Schulpflicht. Die Schulbehörde mahnt die Einhaltung an, während Opposition und Eltern scharfe Kritik üben.
Wegen eines kapitalen Motorschadens startet die neue Elbfähre erst im kommenden Jahr. Der Fährbetrieb mit dem bisherigen Schiff bleibt bestehen, ist derzeit aber wegen Niedrigwassers eingeschränkt.
Nach dem Großbrand auf einem Schrottplatz in Leer hat die Feuerwehr ihren Einsatz nach dem Löschen der letzten Glutnester beendet. Zeitweise waren rund 250 Einsatzkräfte vor Ort.
Nach den Schüssen mit zwei Toten im Hamburger Stadtteil St. Pauli gerät eine Gruppe vermummter Männer in den Fokus der Ermittler. Neben der Mordkommission befasst sich nun auch das Landeskriminalamt für Organisierte Kriminalität mit dem Fall.