Schleswig-Holstein stellt neue Strategie zur Klimaanpassung vor
Mit verstärkten Deichen, mehr Hitzeschutz und begrünten Städten will sich das Land gegen extreme Wetterereignisse wappnen. Während Umweltverbände die Pläne loben, kritisiert die Opposition die unklare Finanzierung.
Schleswig-Holstein hat eine umfassende Klima-Anpassungsstrategie vorgelegt, um sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen. Die Pläne sehen unter anderem stärkere Deiche, eine verbesserte Starkregenvorsorge, Gebäudebegrünungen sowie einen verstärkten Hitzeschutz vor. Klimaminister Tobias Goldschmidt (Grüne) stellte das Konzept gemeinsam mit dem Kieler Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) in Kiel vor. Klimaminister Tobias Goldschmidt (Grüne) und Kieler Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) wählten für die Präsentation den Kieler Schützenpark. Hier zeige sich, wie wichtig grüne Oasen in der Stadt seien, da der Park eine der "wichtigsten Frischluftschneisen für die Innenstadt Kiels" darstelle, wie die Tagesschau berichtet. Goldschmidt verwies auf die Hitze der vergangenen Wochen und auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts, welches die Zahl der Hitzetoten in diesem Jahr mit etwa 10.000 angibt. Der Juni sei fast vier Grad wärmer gewesen als die durchschnittliche Temperatur in diesem Monat. "Die Menschen leiden unter Hitze... Das heißt, wir haben hier Klimakrise und das sind katastrophale Zustände", erklärte Goldschmidt. In Kiel investiere man gezielt in eine Stadt, die Hitze besser verkraftet und Regenwasser besser speichern kann. Oberbürgermeister Yilmaz betonte: "Jeder entsiegelte Quadratmeter, jede neue Grünfläche und jeder klimaangepasste Park machen Kiel lebenswerter."
Kritik an der Bundesregierung und Details zur Strategie
Der Klimaminister sparte nicht mit Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Er werfe ihm vor, zu wenig gegen die Folgen des Klimawandels zu tun: "Das Achselzucken des Bundeskanzlers - angesichts von 10.000 Toten - das ist empörend, und es ist aus meiner Sicht fast ein Rücktrittsgrund, sich mit diesem Thema nicht zu befassen", so Goldschmidt. In Schleswig-Holstein soll es hingegen besser laufen. An der nun vorgelegten Gesamtstrategie wurde jahrelang unter Beteiligung mehrerer Ministerien gearbeitet. Auch Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen, Zivilgesellschaft und Jugendliche wurden eingebunden.
Die Strategie beschreibt die Folgen des Klimawandels für 16 Handlungsfelder, darunter Küsten- und Hochwasserschutz, Land- und Forstwirtschaft, Gesundheit, Verkehr, Industrie, Bevölkerungsschutz und Raumplanung. Da viele Maßnahmen vor Ort umgesetzt werden müssen, kommt den Kommunen eine Schlüsselrolle zu. Konkrete finanzielle Zusagen gibt es jedoch nicht, ein Förderprogramm des Landes wird noch geprüft. Goldschmidt betonte: "Jede einzelne Maßnahme wird nochmal speziell angeschaut, was sie kostet und dann wird darüber entschieden, ob dafür öffentliche Mittel zur Verfügung stehen."
Maßnahmen in Städten und an den Küsten
In den Kommunen sollen Dach- und Fassadenbegrünungen sowie ein verbesserter sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden umgesetzt werden. Zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser sollen Entwässerungsanlagen leistungsfähiger werden, unterstützt durch Starkregenkarten und eine Beratungsstelle für Wassergefahren. Auch Bushaltestellen sollen künftig besseren Schutz vor Regen und starker Sonneneinstrahlung bieten. An den Küsten setzt das Land auf bestehende Planungen zum Küstenschutz. Landesschutzdeiche und Warften auf den Halligen sollen verstärkt und Klimadeiche gebaut werden. Zudem sollen Steilufer an der Ostsee als natürliche Sedimentquellen erhalten bleiben. Für den Umgang mit hohen Temperaturen sind mehr Informationen für die Bevölkerung sowie eine neue Präventionsstrategie geplant. Auch der Katastrophenschutz und das Ehrenamt, etwa bei den freiwilligen Feuerwehren, sollen gestärkt werden. Goldschmidt forderte zudem eine Grundgesetzänderung, da die Klimaanpassung eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen sei.
Geteilte Reaktionen von Opposition und Umweltverbänden
Kritik an der Strategie äußerte SPD-Politikerin Sandra Redmann. Sie vermisst eine klare Priorisierung sowie eine Zeitleiste für die Umsetzung der Maßnahmen. "Der Punkt ist aber, die Analyse hatten wir ja schon. Diese sollte jetzt eine Strategie sein mit konkreten Handlungsfeldern und die vermisse ich total", sagte Redmann. Auch die Frage der Finanzierung bleibe unbeantwortet. Sie fordert eine Beratung im Umwelt- und Agrarausschuss sowie Gespräche mit den Kommunen. Positiv reagierte hingegen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND SH). Carl-Heinz Christiansen vom Landesverband Schleswig-Holstein lobte insbesondere den Fokus auf die Biodiversität: "Naturnahe Gewässer, Moore, Wälder und Knicks sind die beste Klimaanpassung, die es gibt", erklärte er. Die geplante Stadtbegrünung sei wichtig, allerdings sei in den Gemeinden noch viel Überzeugungsarbeit nötig, da es werde immer noch viel zu dicht gebaut.
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