Sechstägige Frachtschiffreise: Berliner berichtet über sein Abenteuer auf der „Ida Rambow“
Der Berliner Hauke Rudolph reiste als zahlender Passagier auf dem Frachtschiff „Ida Rambow“ nach Norwegen. Bei einer Veranstaltung berichtete er gemeinsam mit einem echten Kapitän über den spannenden Alltag an Bord.
Hauke Rudolph wuchs an der Nordseeküste auf und hat Bezüge nach Bremerhaven und Langen. „Mein Onkel ist 15 Jahre zur See gefahren“, erzählte er dem Publikum über Onkel Hein Wilms. „Das fand ich als Kind immer beeindruckend.“ Er selbst habe eine „gewisse Affinität zum Meer und zur Seefahrt“: „Während meines Studiums habe ich eine Zeit lang im Hamburger Hafen gearbeitet.“ Für 750 Euro buchte er die Reise auf dem Frachter. Eine Kreuzfahrt kam nicht infrage, da ein Kreuzfahrtschiff laut Kapitän ein „Jahrmarkt auf See“ sei. „Da bekommt man von der Seefahrt nicht viel mit“, ist Rudolph überzeugt, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. „Eine Kreuzfahrt ist Urlaub. Was ich gemacht habe, war kein Urlaub, das war ein Abenteuer. Und genau das hat mich gereizt“, erklärte er im Gespräch mit Moderatorin Maike Wessolowski.
Alltag auf der Brücke und raue See
Rudolph verbrachte viel Zeit auf der Brücke, um den Alltag des Kapitäns und der Offiziere zu beobachten. „Für mich war das natürlich alles wahnsinnig aufregend“, schwärmte er. Eine Leserin fragte: „Was ist denn so faszinierend, wenn Sie da stehen und gucken, wie die anderen arbeiten?“ Rudolph antwortete: „Ich war ganz nah am Geschehen. Sich die Vielzahl von Instrumenten erklären zu lassen, war faszinierend. Und die Arbeitsschritte zu verfolgen und mitzuerleben, wie alle miteinander kommunizieren und wie alles abläuft...“ Er lernte die Abläufe beim An- und Ablegen kennen: „Das zu beobachten, ist unglaublich spannend. Man hat andauernd etwas Neues gelernt. Ich habe aber auch wahnsinnig viele Fragen gestellt...“ Dafür stellte er sich nachts den Wecker: „Ich bin um 3 Uhr aufgestanden und habe mir angesehen, wie das Schiff ablegt, wie der Lotse an Bord kommt.“ Zudem genoss er nachts den Sternenhimmel auf der offenen Nordsee: „Das war wirklich schön.“ Bei Windstärke neun wurde ihm schwindelig: „Die See war im Oktober ziemlich rau. Wenn ich eine solche Fahrt nochmal machen würde, dann eher im Sommer“.
Ein überraschender Gast aus der Praxis
Überraschungsgast Kapitän Colja Cordes, der auf der „Ida Rambow“ fährt, bestätigte, dass neugierige Passagiere willkommen seien, solange sie „Fingerspitzengefühl“ wahren. „Wir sind ein Ausbildungsschiff. Ich kann alles mit einfachen Worten erklären“, sagt er und lacht. Mit einem Schmunzeln verriet er, dass er Gästen einen „Willkommensbrief“ in die Kabine legt, um wichtigste Regeln zu klären. Auch das Essen lobte Rudolph: „Unser Koch war Meister seines Handwerks. Das Essen war sensationell gut.“ Er vermisste lediglich „etwas Süßes“: „Nach der Ankunft in Hamburg habe ich mir dann erst einmal eine Tüte Snickers geholt“. Cordes scherzte: „Ich hätte auf der Brücke sogar Snickers in der Schublade gehabt“. Cordes merkte an: „Der ein oder andere Kapitän hat mit zahlenden Passagieren, denen das Fingerspitzengefühl fehlte, aber auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Da dürfen Passagiere dann nur noch zu bestimmten Zeiten auf die Brücke.“
Erfahrungen und Fragen der Besucher
Die rund 40 Gäste nutzten die Gelegenheit für Nachfragen. Zuhörer Fritz Fründt, der auf einem Frachtschiff auf dem Atlantik unterwegs war, meinte: „Eine solche Reise ist nichts für Menschen, die ständige Unterhaltung erwarten.“ Er fügte hinzu: „Man kann aber nur jedem davon abraten, der sich nicht selbst beschäftigen kann.“ Auf die Frage, ob er sich einsam gefühlt habe, entgegnete Rudolph: „Nein! Ich hatte nie Langeweile und es gab immer etwas zu sehen. Und man kann ja auch einfach mal zwei Stunden aufs Meer schauen.“ Sein Buch las er kaum: „Aber von Moby Dick habe ich nur etwa 30 Seiten gelesen.“ Leserin Petra Neef äußerte Interesse: „Mich hätte auch interessiert, auf der Brücke zu stehen. Aber auf so einem Frachter: Das ist etwas völlig anderes. Da wäre ich auch nachts um drei Uhr aufgestanden, um zu sehen, was beim Ablegen alles passiert.“ Auch Zuschauer Horst Cordes, Vater des Kapitäns, fand den Talk spannend: „Unser Sohn erzählt uns ja auch einiges von seiner Arbeit auf dem Schiff. Aber es war sehr interessant, einmal die Sicht des Passagiers zu hören.“