Erfolgreiche Bergung von Geisternetzen in der Ostsee
Ein zweijähriges Pilotprojekt von Schleswig-Holstein und dem WWF zur Bergung von herrenlosen Fischernetzen zieht eine positive Bilanz. Insgesamt konnten vier Kilometer Netzteile aus der Ostsee entfernt werden.
Das Land Schleswig-Holstein und die Naturschutzorganisation WWF haben nach einem zweijährigen Pilotprojekt zur Bergung von herrenlosen Fischernetzen in der Ostsee eine positive Bilanz gezogen. Bei dem Projekt arbeiteten Fischer, Taucher, Meeresschutzexperten und Verwaltungsfachleute eng zusammen, um die sogenannten Geisternetze zu bergen. Insgesamt konnten dabei rund vier Kilometer Stellnetzteile sowie weitere Fischereigeräte aus dem Meer entfernt werden. Geisternetze sind verloren gegangene Fischernetze aus Kunststoff, die herrenlos im Wasser treiben und sich an Schiffswracks, Steinen oder anderem Meeresmüll verfangen. Wie die Tagesschau berichtet, zersetzen sie sich langfristig zu Mikroplastik, das die Gesundheit von Menschen und Meerestieren gefährdet. Die Netze reißen meist durch Stürme oder Unfälle, werden möglicherweise aber auch vorsätzlich im Meer entsorgt.
Gezielte Suche und Bergung durch Tauchteams
Fischereibetriebe gaben den Tauchteams Hinweise auf verlorene oder entdeckte Netze. Die Taucherinnen und Taucher spürten die Plastikreste auf, befestigten Hebeleinen daran und lösten die Netze vorsichtig vom Meeresboden, um sie an Bord zu heben. Bei der Suche erwies sich eine Kombination aus Sonarkartierung, Taucheinsätzen und gezielter Bergung als besonders erfolgreich. Da sich alte Netze oft an Wracks und Riffen verfangen, bietet sich dort die Suche an. Zudem hat sich die Zusammenarbeit zwischen Tauchern und Fischereibetrieben bewährt.Insgesamt überprüften die Taucherinnen und Taucher in der Ostsee 185 Verdachtspunkte auf einer Fläche von 38 Quadratkilometern. Dabei stellten sie 51 verloren gegangene Fischereigeräte fest, darunter elf Aalröhren-Leinen, eine Reuse sowie 39 Teile von Stellnetzen mit einer Gesamtlänge von rund vier Kilometern. Davon konnten 41 Teile geborgen werden. Häufig erwies sich ein Verdacht auch als Metallschrott, Holz-, Beton- oder Munitionsreste sowie als natürliche Strukturen auf dem Meeresgrund.
Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) bezeichnete das Pilotprojekt als Erfolg, weil alle an einem Strang gezogen hätten. Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) strebt nun eine Vereinbarung zur Ostseefischerei an, um die erfolgreiche Netzbergung gemeinsam mit den Fischereiverbänden weiterzuentwickeln. Das Entfernen von Geisternetzen aus der Ostsee ist eine staatliche Aufgabe. Auch Finn Viehberg, Leiter des WWF-Ostseebüros, sieht in der Zusammenarbeit den Schlüssel zum Erfolg. Die Kooperation von Sonarexperten und Küstenfischerei solle verstetigt werden, wobei die Landesbehörden die Koordination übernehmen sollten.
Gefahren für die Meeresumwelt
Die herrenlosen Netze stellen eine tückische Gefahr für alle Lebewesen im Meer dar. Seevögel und Meeresfische verfangen sich darin, Tiere fressen Teile davon und verenden infolgedessen. Auch für Wale und Delfine sind die Netze oft tödlich. Seevögel nutzen die Reste von Plastiknetzen zum Nestbau, wodurch sich die Jungtiere strangulieren können. Zudem können Geisternetze die Schifffahrt und Freizeitsportler gefährden, beispielsweise durch das Blockieren von Schiffsschrauben.Nach Schätzungen des Nabu gehen allein in der Ostsee pro Jahr bis zu 10.000 Netzteile durch Stürme, Unfälle oder Vandalismus verloren. Eine Studie der Welternährungsorganisation besagt, dass allein im Jahr 2016 in europäischen Gewässern 25.000 Netze verlorengegangen sind. Weltweit machen Geisternetze bis zu zehn Prozent der Abfälle in den Ozeanen aus, was nach Schätzungen des WWF etwa einer Million Tonnen Kunststoff entspricht.
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