Folgen der Elbvertiefung: Zunehmende Verschlickung belastet Häfen und Fährverkehr an der Unterelbe
Nach der Elbvertiefung kämpfen Sportboothäfen und die Elbfähre Glückstadt–Wischhafen mit massiven Sedimentablagerungen. Die Kosten für Wartung und Baggerarbeiten steigen drastisch.
Viel Schlick, wenig Elbe. Da hilft wohl nur noch kräftig Gegenpusten.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die im Jahr 2022 abgeschlossene Elbvertiefung führt entlang der Unterelbe zu einer unerwartet starken Verschlickung von Sportboot- und Freizeithäfen sowie Fährverbindungen. Durch die höhere Fließgeschwindigkeit der vertieften Fahrrinne werden vermehrt Sedimente aus der Nordsee in den Fluss gespült. Betroffene Akteure klagen über erhebliche wirtschaftliche Schäden und unzureichende Baggerkapazitäten. Die Elbvertiefung sollte eigentlich die Zukunft des Hamburger Hafens sichern, indem sie größeren Containerfrachtern die Zufahrt erleichtert. Doch für die Anrainer auf der schleswig-holsteinischen Seite der Unterelbe wird die Maßnahme zunehmend zum Problem, wie die shz berichtet. Viele Sportboot- und Freizeithäfen zwischen Wedel und der Elbmündung sehen sich durch die stark zunehmenden Sedimentablagerungen in ihrer Existenz bedroht.
Massive Probleme für die Elbfähre Glückstadt – Wischhafen
Zu den am stärksten betroffenen Betrieben gehört die Elbfähre Glückstadt – Wischhafen. Geschäftsführer Tim Kunstmann erklärt: „Unsere Fährverbindung ist massiv von den Folgen der Elbvertiefung betroffen.“ Die wirtschaftlichen Auswirkungen seien immens. Weil sich die Autofähren durch den schlickigen Grund bewegen müssen, entstehen Schäden an Propellern, Filtern und dem Anstrich. „Die Wartungskosten haben sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt“, so Kunstmann. Besonders die Passage durch die Wischhafener Süderelbe zum niedersächsischen Anleger bereitet Probleme, da sich dort extrem viele Sedimente absetzen. Dies führt bei Niedrigwasser zu einer Verdopplung der Fahrzeit für die rund eine Million jährlichen Passagiere und zu Wartezeiten von oft zwei Stunden oder mehr an den Anlegern.Obwohl die Wasser- und Schifffahrtsbehörden kontinuierlich baggern, reichen die Kapazitäten laut Kunstmann nicht aus. Sein Urteil knapp fünf Jahre nach dem Ausbau lautet: „Es war absehbar, dass es schlimmer wird – aber es ist noch schlimmer geworden als befürchtet.“
Existenzsorgen in den Sportboothäfen
Auch in den Sporthäfen ist die Lage angespannt. Vorsitzender Oliver Kosanke bestätigt: „Nach unseren Eindrücken hat sich die Problematik verschärft.“ Von den rund 20 Häfen am nördlichen Elbufer und den Zuflüssen Pinnau, Krückau und Stör seien eigentlich alle betroffen. Die Segler hatten vor den Folgen gewarnt, wurden jedoch laut Kosanke nicht gehört: „Aber wir sind nicht gehört worden.“ Nun müssten die Häfen selbst baggern und die Kosten tragen. Kosanke zieht das Fazit: „So macht man ein früher sehr attraktives Revier kaputt.“Finanzielle Unterstützung aus Hamburg über die Stiftung Elbefonds und den Ausgleichstopf reicht laut Kosanke nicht aus. Die Vergabe sei sehr formal, weshalb beispielsweise der größte Freizeithafen in Wedel aufgrund gewerblicher Anlieger leer ausgehe: „Die Vergabe der Mittel ist sehr formal. So bekomme ausgerechnet Wedel – der größte der betroffenen Freizeithäfen – kein Geld, weil es gewerbliche Anlieger gibt, die nicht gefördert werden können.“Laut Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) haben sich die jährlichen Baggermengen auf der Unterelbe seit dem Ende der Vertiefung von 10,4 Millionen Tonnen im Jahr 2019 auf durchschnittlich rund 20 Millionen Tonnen seit 2021 verdoppelt. WSV-Sprecher sagt zugleich: „Die tatsächlich eingetretene Verschlickung fällt geringer aus als im Vorfeld prognostiziert.“
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