Flensburger Kajakfahrer wagt Segel-Experiment auf der Ostsee
Der 64-jährige Jörg Knorr reiste ohne Vorkenntnisse rund 1000 Seemeilen mit einer Segeljolle. Nach stürmischen Momenten und vielen Begegnungen zieht er ein positives Fazit.
Jörg Knorr ist leidenschaftlicher Kajakfahrer und berichtet mit strahlenden Augen von all den Fahrten, die er in den letzten 30 Jahren unternommen hat: von Flensburg nach Oslo oder Finnland, eine Tour um Vancouver Island und eine nach Norwegen. Seine letzte Reise war jedoch wegen des Bootes etwas ganz Besonderes. „Der Wunsch war, mal etwas Neues auszuprobieren“, berichtet Knorr, wie die shz meldet.
Statt im kleinen Kajak unterwegs zu sein, beschloss der 64-Jährige, sich einer neuen Herausforderung zu stellen: dem Segeln. Im Herbst 2025 entdeckte er auf einem Verkaufsportal einen Jollenkreuzer, der 6,5 Meter lang ist, in Knorrs Geburtsstadt Rostock erbaut und auf den Namen „Easy“ getauft wurde. „Ich dachte, wie schwer kann es schon sein, wenn das Boot Easy heißt“, erinnert sich der 64-Jährige grinsend. Mit dem Kauf des Bootes war es beschlossen: Für sein nächstes Abenteuer tauschte er die Paddel gegen ein Segel.
Eine Route entlang der Ostseeküste
Am 13. Mai 2026 begann seine Tour in Flensburg. In knapp acht Wochen legte Knorr etwa 1825 Kilometer – das sind rund 985 Seemeilen – zurück. Seine Route führte ihn vorbei an der Küste Dänemarks und Schwedens, durch das Smålandsfahrwasser bis zur Insel Usedom. Hier machte er kehrt und segelte an der deutschen Ostseeküste über Stralsund, Wismar, Grömitz und Fehmarn zurück in die Fördestadt.Auf seiner Strecke gerät Maschinenbauingenieur Jörg Knorr mangels Erfahrung hin und wieder auch in brenzlige Situationen. Auf der Etappe von Palmer Ort auf Rügen nach Usedom blies der Wind beispielsweise so viel kräftiger als gedacht in die Segel der „Easy“, dass das Boot mit 10,8 Knoten über die Ostsee raste. „Ich wurde immer schneller“, erinnert sich Jörg Knorr. Die Wellen waren so hoch, dass die „Easy“ irgendwann querschlug. „Da hat sich das Boot so stark geneigt, dass ich dachte, es ist vorbei.“ Erst als er in die Gewässer vor Peenemünde gelangte, wurden die Wellen kleiner und er konnte endlich anlegen.
Begegnungen in den Häfen
Das Erlebnis war ein echter Schock, von dem sich der Segel-Neuling aber nicht unterkriegen ließ: „Schlechte Erfahrungen, die man gut übersteht, sind die besten Lehrmeister“, findet er. Fortan blieb er bei höheren Windstärken im Hafen. Gerade hier, in den Häfen, die er auf seiner Tour besuchte, machte er viele Bekanntschaften. Der Flensburger lernte zum Beispiel einen Segler kennen, der selbst einmal auf genau so einem Jollenkreuzer unterwegs war. Mit ihm sprach Knorr bis tief in die Nacht hinein über Gott und die Welt.Neben den menschlichen Begegnungen schätzte er eines besonders am Segeln: „die Unabhängigkeit. Dass man irgendwo am Strand liegen und jeden Abend Sonnenuntergänge anschauen kann.“ Den Aufenthalt in der freien Natur könne kein 5-Sterne-Hotel der Welt jemals toppen, findet der 64-Jährige.