Feuerwehren in Niedersachsen: Gut gerüstet gegen Waldbrände mit Raum für Verbesserungen
Niedersachsens Feuerwehren sind flächendeckend gut aufgestellt, doch Experten fordern leichtere Schutzkleidung und eine schnellere Verfügbarkeit von Löschhilfen aus der Luft.
"In Niedersachsen haben wir den großen Vorteil, dass wir sehr viele freiwillige Feuerwehren haben, die flächendeckend gut verteilt sind", sagt Jan Südmersen von der Katastrophenschutz-Organisation @fire. Überwiegend stimme auch die Ausrüstung, doch in einem Punkt sieht der Vorsitzende von @fire mit Sitz in Wallenhorst (Landkreis Osnabrück) ein klares Manko. Die Helferinnen und Helfer haben Südmersen zufolge in der Regel Schutzbekleidung, die für Gebäudebrände ausgelegt und stark isolierend ist. "Und bei 40 Grad im Schatten noch mit 'nem 'Pelzmantel' auszurücken, das bekommt keinem gut", sagt der @fire-Chef. Da gebe es dringend Nachholbedarf.
Neue Ausstattung mit Waldbrandlöschzügen und Pumpen
Bei der technischen Ausstattung hat Niedersachsen nachgerüstet. "Das Land hat in den vergangenen Jahren massiv in neue Technik investiert", sagt Präsident des Landesfeuerwehrverbands Niedersachsen Olaf Kapke. Es gebe vier Waldbrandlöschzüge, von denen einer derzeit, zumindest in Teilen, beim Kampf gegen die Waldbrände in Spanien unterstützt. Die anderen Löschzüge seien noch in der Ausbildung für ein entsprechendes Europa-Zertifikat. Zur neuen Ausstattung gehörten inzwischen auch sogenannte Abrollbehälter für Vegetationsbrände. "Da sind beispielsweise diese großen Wasserbassins drauf, damit die Hubschrauber das Wasser aufnehmen können", so Kapke. Zudem habe das Land Hochleistungspumpen beschafft. "Natürlich kann man immer alles noch besser machen", ergänzt @fire-Vorsitzender Südmersen. "In der Fläche sind die Tankfahrzeuge noch mal 'ne gute Idee."
Forderung nach schneller Luftunterstützung
Aus der Luft wurden die Brandbekämpfer lange durch zwei Löschflugzeuge mit Standort in Braunschweig unterstützt. Weil der Bund die Förderung dafür streicht, werden nun zwei Polizeihubschrauber eingesetzt. "Es ist jetzt nicht die Frage, ob es ein Löschflugzeug ist oder ein Löschhubschrauber ist", sagt Südmersen. "Was wir dringend brauchen, ist eine schnelle Verfügbarkeit von Einsatzmitteln aus der Luft. Wenn ich als Einsatzleiter in Portugal stehen würde und ich hab einen Waldbrand, dann mache ich einen Telefonanruf und ich hab einen Hubschrauber innerhalb von zehn Minuten vor Ort." In Niedersachsen könne das an einem schlechten Tag Stunden dauern. "Wir müssen sie schneller haben, um eine schnelle Erkundung von oben durchzuführen und vielleicht im weiteren Verlauf auch zu löschen."
Ausbildung auf einem guten Weg
Ein weiterer Punkt beim Kampf gegen die zunehmenden Brände sind Training und Ausbildung der Einsatzkräfte. "Da ist Niedersachsen auf einem guten Weg", sagt Feuerwehrverbandspräsident Kapke. Neben Online-Modulen gehen die Feuerwehrleute, gerade jetzt nach der Erntezeit, in die praktische Ausbildung auf den Stoppelfeldern, um diese Szenarien zu trainieren. Vor zwei Jahren habe es zudem eine große Waldbrandübung mit rund 1.000 Feuerwehrleuten aus Niedersachsen und Bayern gegeben.