Digitaler Tourismus auf Föhr und Amrum: Gästekarten liefern Daten ohne Überwachung
Die Nordseeinseln Föhr und Amrum digitalisieren ihr Gästemanagement mit elektronischen Gästekarten und Meldescheinen. Die erhobenen Daten dienen der Verwaltung und Statistik, eine aktive Besucherlenkung findet jedoch nicht statt.
Digitale Gästekarte? Hauptsache, das Smartphone ist wasserdicht bei Schietwetter.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die Nordseeinseln Föhr und Amrum setzen bei der Organisation des Tourismus verstärkt auf digitale Lösungen wie elektronische Gästekarten und Meldesysteme. Die erhobenen Daten dienen der Verwaltung, Statistik und dem Service, während eine aktive Besucherlenkung per Handytracking oder Sensoren bislang nicht stattfindet. Trotz der Digitalisierung bleibt der Datenschutz für die Verantwortlichen ein zentrales Thema.
Auf beiden Inseln spielt derselbe technische Dienstleister eine zentrale Rolle: die Abrechnungs- und Verwaltungssysteme GmbH (AVS). „Wir nutzen für die Abwicklung der Kurabgabe im Auftrag des Amtes Föhr-Amrum die Meldescheinsysteme der AVS“, erklärt Anna-Katharina Preißler von der Föhr Tourismus GmbH. Dies betreffe die Gästekarte, den Meldeschein, die Kurabgabe sowie die touristische Statistik. Auch Amrum arbeitet mit dem Dienstleister zusammen und nutzt das Meldescheinsystem für Übernachtungsgäste sowie das AVS-Card-System und einen Online-Webshop für Jahreskurkarten und Tagesgästekarten, wie die shz berichtet.
Unterschiedliche Datenerhebung je nach Insel
Was genau über die Besucher erfasst wird, unterscheidet sich je nach Insel und Kartenart. Auf Föhr wird zwischen Tages- und Übernachtungsgästen getrennt. „Beim Kauf einer Tagesgästekarte werden keine Daten erhoben“, teilt Preißler auf Anfrage mit. Bei Übernachtungsgästen richtet sich die Datenerhebung nach den Kurabgabesatzungen der elf Inselgemeinden und der Stadt Wyk. Die Auswertung der Gästeankünfte und Übernachtungen erfolgt jährlich rückblickend auf Basis der Online- und Papiermeldescheine für die gesamte Insel, nach Ort und Monat. Daraus wird auch die Aufenthaltsdauer abgeleitet, während die Zahl der Tagesgäste im Folgejahr anhand der verkauften Tagesgästekarten erfasst wird.
Keine Besucherlenkung und Überwachung
Auf Amrum sind die digitalen Gästekarten hingegen personalisiert. Nach Angaben von Geschäftsführer der Amrum Touristik Frank Timpe werden der vollständige Name, der Status als Erwachsener oder Kind sowie die Reisedaten ausgewiesen. Kinder unter 18 Jahren sind von der Zahlung befreit. Für statistische Zwecke wird zusätzlich nach der Adresse gefragt, die jedoch nicht auf der Gästekarte selbst erscheint. „Die Daten können ausgewertet werden – und sie werden es auch“, sagt Timpe. Dies gelte beispielsweise für die Herkunftsländer der Gäste. Die Auswertungen werden intern und im Rahmen eines landesweiten Modellprojekts mit einigen ausgewählten Regionen genutzt.
Digitales Gästemanagement bedeutet auf den Inseln vor allem Verwaltung, Statistik und Service, nicht jedoch Überwachung. Eine Verfolgung der Gäste per Handy, Sensor oder QR-Code über Promenaden, Parkplätze oder Strandzugänge findet nicht statt. Föhr nutzt digitale Daten nicht zur Besucherlenkung an Promenaden, Häfen, Strandzugängen, Parkplätzen, Veranstaltungsorten oder sensiblen Naturräumen. „Dafür fehlt uns auch die nötige Infrastruktur“, so Preißler. Auch Sensoren, Parkplatzdaten, Mobilfunkdaten oder Daten aus landesweiten Projekten zum digitalen Besuchermanagement kommen auf Föhr nicht zum Einsatz. Amrum verneint den Einsatz solcher Technologien ebenfalls.
Auf Amrum zeigt sich jedoch, welche Möglichkeiten diese Systeme bieten. An die Gästekarte ist eine mobile Web-App angebunden, die im Browser unter „auf.amrum.de“ funktioniert und ohne klassischen Download genutzt werden kann. Gäste finden dort aktuelle Tagesthemen und Hinweise, zudem wird die laufende Gästebefragung beworben. Außerhalb der Öffnungszeiten ermöglicht der QR-Code der Gäste- oder Einwohnerkarte zudem den digitalen Zugang zum Lesezimmer in Norddorf. Die Gästekarte dient somit auch als digitaler Schlüssel für Information, Service und Angebote.
Bedeutung des Datenschutzes
Da auch ohne Bewegungsprofile personenbezogene Daten entstehen, bleibt der Datenschutz ein zentrales Thema. Föhr verweist hierbei auf die Kurabgabesatzungen der Inselgemeinden und der Stadt Wyk als rechtliche Grundlage. Amrum stellt über verschiedene Medien Links zu den Datenschutzinformationen bereit. Zudem verfügt AVS über eine eigene Datenschutzabteilung, wie Timpe erklärt. Datenschutz sei „ein sehr wichtiges Themenfeld“, in das auch Vorgaben zum Speichern der Daten und zu Speicherfristen „akribisch“ einfließen müssten.
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