Nach Evakuierung in Altona: Bewohner von einsturzgefährdetem Haus erheben schwere Vorwürfe
Nach der plötzlichen Evakuierung eines Altbaus an der Holstenstraße in Hamburg-Altona werfen die Bewohner dem Eigentümer Untätigkeit vor. Dieser weist die Vorwürfe zurück und muss nun ein Sanierungskonzept vorlegen.
Die Bewohner des fünfstöckigen Altbaus aus dem Jahr 1894 mussten ihre Wohnungen vor gut einer Woche innerhalb von nur drei Minuten verlassen. In einem gemeinsamen Schreiben wenden sich die Betroffenen nun an die Öffentlichkeit, wie die Tagesschau berichtet. Die aktuelle Lage mache sie wütend und fassungslos, zumal völlig unklar ist, wann sie in ihre Wohnungen zurückkehren können. Sie betonen, bereits seit Monaten auf Risse an den Wänden hingewiesen zu haben, ohne dass ausreichend reagiert worden sei.
Eigentümer weist Vorwürfe zurück
Über Anwalt Ben Irle lässt der Eigentümer ausrichten, er habe Verständnis für die belastende Situation. Den Vorwurf, die Einsturzgefahr habe sich längere Zeit angekündigt, weist er jedoch zurück. Gemeldete Mängel seien stets geprüft und wo nötig behoben worden – mit dem jetzigen Schaden hätten sie nichts zu tun. Das Haus solle saniert und nicht abgerissen werden, betont der Anwalt. Zudem werde die Frist eingehalten. Bis zum Ende des heutigen Tages muss der Eigentümer dem Bezirksamt Altona ein Konzept vorlegen, welche Maßnahmen er bis wann umsetzt. Wann die Bewohnerinnen und Bewohner zurückkehren können, ist offen.
Evakuierung nach Alarm durch Mieter
Ausgelöst hatte die Krise ein Alarm der Mieterinnen und Mieter selbst. Sie hatten vor gut einer Woche die Feuerwehr gerufen, weil sie Risse in den Wänden bemerkt hatten. Feuerwehr und Polizei evakuierten daraufhin 14 Bewohnerinnen und Bewohner aus dem fünfstöckigen Altbau sowie aus dem Nachbargebäude. Statiker und Bausachverständige stellten massive Risse an tragenden Wänden sowie ein deutliches Absacken der Holzbalkendecken fest. Die Holstenstraße wurde im betroffenen Bereich einseitig gesperrt.
Laserüberwachung am Gebäude
Auf dem Dach des Hauses installierten Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks ein sogenanntes ESS-System, das mit einem Laser millimetergenau kleinste Bewegungen am Gebäude erfasst und Alarm schlägt. Aus Feuerwehrkreisen hieß es kurz nach der Evakuierung, das Haus sei wohl nicht mehr zu retten und müsse abgerissen werden. Dies ist eine Einschätzung, die der Eigentümer offenbar nicht teilt.