Historisches Börteboot „Angelika“ wird in Bremerhaven getauft
Nach jahrelanger, aufwendiger Restaurierung feiert das älteste bekannte Helgoländer Börteboot seine Taufe im Neuen Hafen. Der Eigner Christian Schwan rettete das geschichtsträchtige Schiff vor dem Verfall.
Wat mutt, dat mutt – Hauptsache, der Kahn schwimmt am Ende wieder.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Das älteste bekannte Helgoländer Börteboot „Angelika“ steht vor seiner Taufe im Neuen Hafen in Bremerhaven. Der Eigner Christian Schwan hat das im Jahr 1949 gebaute historische Schiff gemeinsam mit Helfern in jahrelanger Arbeit aufwendig restauriert. Nach der Fertigstellung soll das ehemalige Passagierboot nun privat genutzt werden. Wie die Nordsee-Zeitung berichtet, war der Sieverner Christian Schwan im Frühjahr 2025 noch zuversichtlich, zur Sail 2025 mit „Angelika“ durch den Neuen Hafen schippern zu können. Diese Hoffnung zerschlug sich jedoch, da der Schiffsführer viel arbeiten musste und nur schleppend vorankam. Das Boot, das jahrelang als ausgemustertes Hafenrundfahrt-Schiff in Büsum an Land lag, erwarb er dank eines Insidertipps. Bereits beim Kauf half ihm Rainer Löwenstrom, der selbst schon ein Börteboot gebaut hat. Der Erwerb des Schiffes stellte die Rettung des ältesten bekannten Börteboots dar. Es wurde 1949 auf der Hatecke-Werft gebaut, lief ursprünglich als Fischkutter „Steingrund“ vom Stapel und kam ab 1956 unter dem Namen „HEL 9 Angelika“ als Passagierboot zum Einsatz, um Urlauber von den Seebäderschiffen an Land zu bringen. Schwan war entschlossen: „Man muss die Tradition bewahren, schließlich sind Börteboote seit Dezember 2018 immaterielles Kulturerbe der UNESCO.“
Umfangreiche Arbeiten in der Werft
Die praktischen Arbeiten begannen nach dem Kauf in der Werft von Jochen Crome in Bederkesa, der ein Herz für Börteboote hat. Dort zeigte sich, dass die Schäden am Schiff weitaus schlimmer waren als gedacht. Gemeinsam mit seinem Vater verbrachte Schwan unzählige Stunden damit, die alte Farbe abzubrennen, marode Holzteile zu ersetzen und das Boot von Grund auf zu erneuern. Fast die Hälfte der Spantenköpfe – die „Rippen“ des Schiffsrumpfes – musste aufgebaut, Planken erneuert und eine 200 Kilogramm schwere Ducht zur Stabilisierung eingesetzt werden. Zudem wurde ein defekter Motor durch eine neue 180-PS-Maschine ersetzt. Angesichts der vielen Baustellen überkam den Eigner phasenweise eine „Bootsdepression“.
Unterstützung durch Freunde
In dieser schwierigen Phase konnte sich der „Geestemünde“-Fahrer auf die Hilfe von Freunden verlassen, zumal er eine schwere Zeit mit persönlichen Schicksalsschlägen und Krankheit durchleben musste. Rainer Löwenstrom, der als „Bauleiter“ des Projekts fungierte, beschreibt den Zusammenhalt: „Wir sind ja alle Verrückte, die wir so viel Geld und Zeit in diese Börteboote investieren.“ Neben Löwenstrom engagierte sich auch Elektromeister Tim von Münster aus Nordenham, der mit einer Helgoländerin verheiratet ist und sich um den Motor sowie die Elektrik kümmerte. Schwan erklärt dazu: „Tim hat mir zum Geburtstag einen Gutschein über handwerkliche Leistungen geschenkt, das hat er davon“.
Zukunftspläne und Taufe
Die Mühe der Beteiligten hat sich gelohnt: Aus der vernachlässigten „Hein Mück“ ist die stolz strahlende „Angelika“ geworden. Sie ist das älteste und zugleich größte der vier in Bremerhaven liegenden Börteboote. Ihren Liegeplatz hat sie in der Lloyd-Marina vom Hotel- und Boardinghouse „Im Jaich“ erhalten. Schwan möchte das Boot privat nutzen. Eine geplante Fahrt soll nach Büsum führen: „Ich will zeigen, was daraus geworden ist“, sagt der Bootsbesitzer. Sein Wunsch ist es, am 10. August an der Helgoländer Börteboot-Regatta teilzunehmen und mit einem Pokal heimzukommen. Die Kutterregatta in Büsum folgt vielleicht im nächsten Jahr. Am Sonntag findet im Neuen Hafen die Taufe mit geladenen Gästen statt, die besondere Helgoländer Überraschungen bereithalten wird. Schwan ist zudem Gründungsmitglied des Vereins zum Erhalt Helgoländer Börteboote.
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