Umbau in Bremerhaven beendet: Expeditionskreuzfahrtschiff „Discoverer“ nimmt Kurs auf Island
Nach einer Insolvenz und einem umfangreichen Werftaufenthalt verlässt das Schiff Bremerhaven. Künftig soll es für ein neuseeländisches Unternehmen fahren.
Blauer Rumpf, neuer Name – hoffentlich hält der Lack diesmal länger als die Reedereien.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Das Expeditionskreuzfahrtschiff „Discoverer“ hat nach einem mehrwöchigen Umbau das Schwimmdock der Werft Bredo Dry Docks in Bremerhaven verlassen. Das Schiff, das im Winter nach einer Insolvenz des Vorbesitzers versteigert wurde, startet nun zu einer neuen Charter nach Island. Künftig soll das Schiff unter neuem Namen für ein neuseeländisches Unternehmen eingesetzt werden. Das Schiff präsentiert sich nach dem Werftaufenthalt im Kaiserhafen in einem dunkelblauen Rumpfanstrich. Die Hamburger Nordic Gruppe hatte die ehemalige „Exploris One“ im Winter im Rahmen einer Versteigerung für 4,5 Millionen Euro erworben. Der bisherige Eigentümer, die französische Reederei Exploris Expeditions, musste im Herbst 2025 Insolvenz anmelden. Während der Liegezeit im Schwimmdock 6 erfolgten sowohl technische Wartungs- und Umbauarbeiten als auch Arbeiten in den öffentlichen Bereichen des Schiffes.
Neuer Einsatz in Island und Neuseeland
Wie ein Unternehmenssprecher der Nordic Gruppe erklärte, wird die „Discoverer“ an diesem Freitag, 31. Juli, den Liegeplatz im Verbindungshafen bei Heuer Port Logistics mit Kurs auf Island verlassen, um dort eine kurzfristige Charter zu beginnen. Ab dem nächsten Jahr wird das 1989 in Finnland erbaute Kreuzfahrtschiff langfristig als „Heritage Discoverer“ für das neuseeländische Unternehmen Heritage Voyages verchartert, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Die Hamburger Nordic-Gruppe hatte Ende 2025 zudem die Expeditionskreuzfahrtgesellschaften Albatros Expeditions und Polar Latitudes erworben und diese unter der neuen Marke Polar Latitudes Expeditions zusammengefasst. Zur Flotte gehören unter anderem die „Ocean Albatros“ und die „Ocean Victory“, die vor kurzem ebenfalls von Bredo Dry Docks am Standort im Fischereihafen überholt wurden.
Eine wechselvolle Geschichte unter vielen Namen
Das 108 Meter lange Expeditionskreuzfahrtschiff bietet Platz für 132 Passagiere und wurde 1989 als „Delfin Clipper“ auf der Werft Rauma-Repola Oy in Finnland gebaut. Seitdem erlebte das Schiff zahlreiche Umbauten, Eignerwechsel und Namensänderungen. Bereits im Januar 1990 wurde es als „Sally Clipper“ an Sally Line Oy verchartert. Im Juni 1992 folgte eine kurze Charter an Baltic Link AB in Norrköping unter dem Namen „Baltic Clipper“, bevor es im Dezember 1992 als „Delfin Star“ erneut verchartert wurde. Nach weiteren Kurzzeit-Chartern kaufte die Discoverer Reederei das Schiff am 30. Oktober 2001 und benannte es in „World Discoverer“ um. Der Bremer Expeditions-Kreuzfahrtenveranstalter Society Expeditions, ein Tochterunternehmen der Bremer Reederei Discoverer, betrieb das Schiff nach dem Verlust seines ersten Schiffes gleichen Namens. Es wurde zuvor in Singapur umgebaut und im April 2002 in Dienst gestellt.
Insolvenzen und Zwangsmaßnahmen
Aufgrund einer niedrigen Auslastung geriet das Unternehmen jedoch in finanzielle Schieflage. Am 18. Juni 2004 wurde das Schiff durch die Sembawang-Werft im Hafen von Nome in Alaska beschlagnahmt, woraufhin das Betreiberunternehmen Insolvenz anmelden musste. Nach einer Aufliegezeit in Singapur übernahm die französische Reederei Exploris Expeditions das Schiff im Jahr 2023 von Silversea Cruises, die es seit 2007 betrieben hatten. Die erste Reise unter französischer Flagge begann am 23. Dezember 2023 im chilenischen Valparaiso. Nach der Insolvenz von Exploris Expeditions im Herbst 2025 und der Einstellung des Betriebs zum 7. November 2025 lag das Schiff zuletzt mit einer Minimalbesatzung im französischen Caen auf, bevor es am 22. Mai bereits unter dem Namen „Discoverer“ in Bremerhaven eintraf.
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