Rekord bei Jungstörchen im Altkreis Bremervörde
Mit 138 aufgezogenen Jungstörchen verzeichnet der Altkreis Bremervörde ein neues Rekordjahr. Die veränderten Zuggewohnheiten der Vögel begünstigen die positive Entwicklung.
„Nach dem hervorragenden Storchenjahr 2025 konnte erneut ein sehr erfolgreiches Brutjahr verzeichnet werden. Mit 138 aufgezogenen Jungstörchen wurde sogar ein neuer Rekord erreicht“, berichtet ehrenamtlicher Storchenbetreuer des NABU Bremervörde-Zeven Jens Bardenhagen aus Alfstedt. Er betreut den Storchenbestand seit Jahren mit großem Engagement. „Er wird in diesem Jahr erstmals von Frau Bammann unterstützt, nachdem Hans-Heinrich Gerken seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen beendet hat“, freut Walter Lemmermann, Vorsitzender des NABU Bremervörde-Zeven.
Veränderte Zugwege und neue Nester
Bereits Mitte Februar kehrten die ersten Weißstörche aus ihren Winterquartieren zurück, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Noch vor wenigen Jahrzehnten trafen sie überwiegend erst Mitte März oder Anfang April in Norddeutschland ein. Die frühere Rückkehr hängt mit den veränderten Zuggewohnheiten zusammen. Die meisten Weißstörche der Elbe-Weser-Region nutzen heute die westliche Zugroute und überwintern zunehmend in Spanien statt in Afrika. Grund dafür sind das reichhaltige Nahrungsangebot sowie die milderen Winter infolge des Klimawandels. Dadurch verkürzt sich der Rückweg erheblich, sodass „Meister Adebar“ inzwischen häufig schon mitten im Winter in den Dörfern im Altkreis zu beobachten ist.Etwa 20 Prozent der heimkehrenden Störche gehören dagegen zu den sogenannten Ostziehern. Sie verbringen den Winter in Ost- oder Südafrika und erreichen ihre Brutgebiete erst im April über die Türkei.
Nach Einschätzung von Jens Bardenhagen dürfte die im Winter stark verbreitete Vogelgrippe dazu beigetragen haben, dass einige Storchennester in diesem Jahr unbesetzt blieben. Gleichzeitig siedelten sich jedoch auch mehrere neue Storchenpaare im Altkreis Bremervörde an. Insgesamt zählten die beiden NABU-Storchenbetreuer 62 besetzte Horste, darunter sechs neue Standorte. Von diesen zogen 51 Brutpaare insgesamt 138 Jungstörche erfolgreich groß – so viele wie noch nie zuvor.
Erfolgreiche Brutzeit und das storchenreichste Dorf
Nach der Rückkehr benötigten die Storchenpaare im Frühjahr rund 30 Tage, um ihre Eier auszubrüten. Anschließend dauerte die Aufzucht der Jungvögel im Horst etwa zwei Monate. „Gut, dass wir ein gutes Mäusejahr hatten. Auch deshalb konnten die fleißigen Storchenpaare ihre Jungstörche ausreichend mit Nahrung versorgen“, freut sich Jens Bardenhagen.Das storchenreichste Dorf im Altkreis Bremervörde bleibt Elm. Dort befinden sich inzwischen 13 Horste. Elf davon waren in diesem Jahr besetzt. In sechs Nestern wurden dort 14 Jungstörche großgezogen. Zugleich zeigt sich dort aber auch, dass die Natur ihren eigenen Gesetzen folgt. „Auf dem Grundstück Wölbern holte ein Uhu nachts vier Küken aus dem Nest“, berichtet Bardenhagen.
Besondere Geschichten und Vorbereitungen auf den Herbstzug
Auch aus Badenstedt gibt es eine besondere Geschichte: Auf dem Horst der Familie Meyer brütete nach 46 Jahren erstmals kein Storchenpaar. Ursache waren Schäden am Nest, die gemeinsam mit dem Naturschutzbeauftragten des Landkreises und mithilfe eines Steigers beseitigt wurden. Tatsächlich nahm anschließend wieder ein Storchenpaar den Horst an. Die Brut musste allerdings nach vier Wochen aufgegeben werden. Gemeinsam mit der Familie Meyer hoffen die Storchenbeauftragten nun auf eine erfolgreiche Brut im kommenden Jahr.Im August beginnt für die Störche bereits die Vorbereitung auf den Herbstzug. Die Jungvögel unternehmen zunächst immer weitere Ausflüge in die Umgebung, bevor sie sich – unabhängig von ihren Eltern – auf den Weg in ihre Winterquartiere nach Spanien oder Afrika machen. Gleichzeitig steigt seit Jahren die Zahl der sogenannten Winterstörche, die dauerhaft in Westeuropa bleiben. Auch im Altkreis Bremervörde sind immer häufiger Weißstörche zu beobachten, die wegen der milden Winter und des guten Nahrungsangebots auf Maisfeldern und in Feuchtgebieten auf den weiten Zug verzichten.
Für ihre ehrenamtliche Arbeit legten die beiden Storchenbetreuer in diesem Jahr fast 1.000 Kilometer zurück. Dabei profitieren sie von der engen Zusammenarbeit mit zahlreichen Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern, die die Horste auf ihren Flächen pflegen und sich mit großem Engagement für den Schutz der Weißstörche einsetzen.
Walter Lemmermann bedankt sich im Namen des Vorstandes des NABU Bremervörde-Zeven ausdrücklich bei Hans-Heinrich Gerken für dessen langjährigen Einsatz als Storchenbetreuer. Gleichzeitig freut er sich über die personelle Verstärkung: „Wir sind sehr froh, dass Jens Bardenhagen seine erfolgreiche Arbeit mit unverändert großem Engagement fortsetzt und mit Frau Bammann bereits tatkräftige Unterstützung gefunden hat. Die vielen positiven Rückmeldungen aus der Region zeigen, dass aktiver Naturschutz vor Ort wahrgenommen und wertgeschätzt wird.“