Landkreis führt Biotonne ein: Restmüll wird ab 2028 seltener abgeholt
Ab 2028 wird im Landkreis die Biotonne flächendeckend eingeführt. Dies bringt erhebliche Änderungen für die Bürger mit sich, da der Restmüll künftig nur noch alle vier Wochen geleert wird.
Vier Wochen Restmüll? Das riecht nach Ärger – oder im Sommer einfach streng.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die flächendeckende Einführung der Biotonne im Landkreis für das Jahr 2028 ist beschlossene Sache. Mit der neuen Entsorgungsmöglichkeit ändert sich auch der Rhythmus der Restmüllabfuhr, die künftig nur noch alle vier Wochen stattfindet. Dies erfordert eine umfassende Digitalisierung des Abfallwirtschaftsbetriebs und bringt organisatorische sowie finanzielle Anpassungen für die Bürger mit sich. Die Einführung der vierten Tonne nach Hausmüll, Grünem Punkt und Altpapier erfolgt auf Druck des Landes. Sobald die Biotonnen im Frühjahr oder Sommer 2028 im zweiwöchigen Rhythmus geleert werden, verlängert sich das Intervall für die schwarzen Restmülltonnen auf vier Wochen. Diese Umstellung dürfte zu zahlreichen Ummeldungen bei den Restmülltonnen führen, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Damit der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises dabei nicht kollabiert, betonte Erster Kreisrat Torsten Lühring anlässlich der jüngsten Sitzung des Fachausschusses, dass der Betrieb vor der Einführung vollständig digitalisiert sein muss.
Neue Tonnen und Abschaffung der 50-Liter-Größe
Jedes Grundstück erhält flächendeckend eine Biotonne, wobei der Landkreis derzeit prüft, ob Behältergrößen von 40, 80 oder 120 Litern angemessen sind. Über ein neues Online-Kundenportal können Grundstückseigentümer ihre Daten eingeben und Änderungen an der zugeteilten Tonnengröße vornehmen oder die Biotonne abbestellen, sofern sie Küchenabfälle selbst kompostieren. Da die Hausmüllabfuhr auf einen Vier-Wochen-Rhythmus umgestellt wird, müssen die Bürger kalkulieren, ob ihr bisheriger Restmüllbehälter ausreicht. Dabei ist zu beachten, dass die 50-Liter-Tonne abgeschafft wird. Wer bereits eine besitzt, darf diese behalten, doch ab dem 1. Januar 2027 können keine neuen Tonnen dieses Volumens mehr angemeldet werden. Zur Auswahl stehen dann Behälter mit 40, 60, 80, 120 und 240 Litern sowie Großbehälter. Ab dem 1. Januar 2027 stellt der Landkreis zudem alle Restmüll-, Altpapier- und ab 2028 auch Biotonnen selbst zur Verfügung. Für gechippte Zwei-Rad-Tonnen werden 33,53 Euro und für Vier-Rad-Behälter 178,44 Euro in Rechnung gestellt. Wer seine bisherige Tonne ohne zusätzliches Volumen behält, für den ändert sich nichts.
Gebührenanpassung und KI-Pilotprojekt
Während die Abfallgebühren im kommenden Jahr unverändert bleiben, werden sie mit der Einführung der Biotonne im Jahr 2028 neu kalkuliert. Durch den Vier-Wochen-Rhythmus beim Restmüll sinken zwar diese Kosten, jedoch nicht um die Hälfte, während für die Bioabfuhr eine zusätzliche Gebühr fällig wird. Unterm Strich wird die Müllabfuhr für die meisten Bürger voraussichtlich teurer. Um Fehlwürfe aufzuspüren, hat der Landkreis ein Pilotprojekt gestartet. Von August bis Oktober wird ein französisches Unternehmen beim Leeren der Tonnen Aufnahmen machen. Leiterin des Abfallwirtschaftsbetriebes Ellen Scherer teilte den Ausschussmitgliedern mit, man wolle sehen, „ob es verwertbare Fotos vom Tonneninhalt gibt“. Die Auswertung der Bilder erfolgt durch Künstliche Intelligenz, um zu prüfen, ob diese Technik dauerhaft für den Landkreis infrage kommt.
Zukunft der Bioabfallverwertung
Bislang ist ungeklärt, wie der Bioabfall verwertet wird. Da der Landkreis keine eigene Vergärungsanlage betreiben will und die Anlage in Helvesiek nur für Grünabfälle zugelassen ist, muss zwischen Kompostierung und der ökologisch vorteilhafteren Vergärung zu Biomethan entschieden werden. Ein Transport per Diesel-Lkw in Nachbarlandkreise wie Osterholz, Verden oder Cuxhaven wird in Erwägung gezogen. Im Ausschuss plädierte Ausschussmitglied Harald Hauschild (CDU) für die Vergärung: „Wir können es uns nicht mehr leisten, nur zu kompostieren.“ Dagegen forderte Kreistagsabgeordneter Jürgen Blanken (CDU), die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund zu stellen: „Wenn man für den halben Preis Windstrom erzeugen kann, sollte man kompostieren“. Die Kreisverwaltung wird nun beide Verwertungswege ausschreiben.
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