Meldung ✓

Sensation in der Wesermarsch: Afrikanische Gleitaare brüten erstmals in Deutschland

Der seltene Greifvogel Gleitaar hat zum ersten Mal erfolgreich in Deutschland gebrütet. Ein Paar zog in der niedersächsischen Gemeinde Berne seinen Nachwuchs auf.

KI-generierter Inhalt · wie wir arbeiten →

Ein Vogel aus Afrika in Norddeutschland? Der hat bestimmt das gute Schmuddelwetter gesucht. — Rocky, Chefkolumnist
Illustration zu: Sensation in der Wesermarsch: Afrikanische Gleitaare brüten erstmals in Deutschland
Illustration: KI-generiert
Der afrikanische Greifvogel Gleitaar hat erstmals erfolgreich in Deutschland gebrütet. In der Gemeinde Berne in der Wesermarsch zog ein Paar im Spätsommer 2025 drei Jungvögel groß. Dies dokumentiert die erste erfolgreiche Brut dieser eigentlich in Afrika beheimateten Art auf deutschem Boden.
Gleitaare haben ihr Hauptverbreitungsgebiet in Afrika südlich der Sahara. Es sind kleine Greife, mit einer Spannweite von bis zu 90 Zentimetern etwa so groß wie ein Turmfalke. Mit ihrem schön abgesetzten weiß-schwarz-grauen Gefieder und den roten Augen sind sie sehr auffällig. Bereits in den 1940er Jahren siedelten sich die Vögel in Portugal an, 1973 folgte die erste Brut in Spanien und in den 1980er Jahren in Südfrankreich. Nun hat, wie die Nordsee-Zeitung berichtet, *Thorsten Krüger* von der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen die erste Brut eines Gleitaar-Paares in Deutschland ausführlich dokumentiert.

Massenvorkommen von Feldmäusen lockte die Greifvögel an

Der Brutort liegt in der Gemeinde Berne nahe des Dorfes Hekeln an einem Kanal. Seit einigen Jahren werden die Greifvögel immer wieder in Deutschland beobachtet, wobei die Zahl der Sichtungen zuletzt auf gut zwei Dutzend im Jahr anstieg. Der Brutstandort in der Wesermarsch liegt rund 900 Kilometer vom nächstgelegenen bekannten Nistort in Frankreich entfernt. Gleitaare sind Nomaden und ziehen umher, bis sie ein sehr gutes Nahrungsangebot finden. Im Spätsommer 2025 gab es in Teilen der südlichen Wesermarsch ein massenhaftes Aufkommen an Feldmäusen. Dem Paar reichte für die Jagd ein Revier von 20 Hektar, um drei Jungvögel großzuziehen, von denen einer jedoch Opfer eines anderen Beutegreifers wurde. Neben den Gleitaaren zog das Nahrungsangebot auch Sumpfohreulen und Rotfußfalken an.

Geheimhaltung zum Schutz der seltenen Brut

Die Beobachtungen über die Brut in Hekeln wurden erst in diesem Jahr in einem ornithologischen Journal veröffentlicht. Im Jahr 2025 wurde die Brut strikt geheimgehalten. „Wir wollten nicht, dass all die Birder und Vogelfotografen anrücken“, betont Krüger im Gespräch. Ein solcher Massenauflauf hätte die seltenen Greifvögel bei der Aufzucht stören und für Ärger bei den Landwirten sorgen können. Entdeckt wurden die Gleitaare von Vogelkundler *Jürgen Linnhoff* von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Oldenburg (OAO). Gemeinsam mit Krüger und *Henning Meinecke* aus Hude beobachtete er die Aufzucht. In diesem Sommer kehrten die Gleitaare nicht nach Berne zurück, da es dort kein massenhaftes Auftreten von Feldmäusen gab. Dennoch ist die Ansiedlung in Deutschland im Gange: In Niedersachsen wurden in diesem Sommer drei weitere Bruten bekannt, darunter ein Paar bei Bremervörde, sowie zwei Verdachtsfälle.

Klimawandel bringt neue Vogelarten nach Deutschland

„Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel passiert in der Vogelwelt“, sagt Krüger. „Das liegt am Klimawandel und an der Veränderung der Landschaft. Manche Arten kommen hinzu. Andere werden verschwinden.“ Der Klimawandel hat Mitteleuropa bereits etliche neue Arten beschert, darunter den Bienenfresser, Silberreiher, Kuhreiher, Stelzenläufer, die Zwergscharbe sowie Seidensänger und Zistensänger. Während viele Vogelarten unter Druck stehen, geht es den Greifvögeln in der Wesermarsch gut. Neben den neu angesiedelten Gleitaaren brüten hier Seeadler, Wanderfalken, Turmfalken, Mäusebussarde, Rohrweihen, Sperber und Habichte. Gelegentlich lassen sich auch Rotmilane, Schwarzmilane und Baumfalken beobachten.

← alle Meldungen aus Norden

Weitere Meldungen aus Norden

Norden ✓

Tödliche Schüsse auf St. Pauli: Ermittler vermuten mehr Beteiligte

Nach den Schüssen mit zwei Toten im Hamburger Stadtteil St. Pauli gerät eine Gruppe vermummter Männer in den Fokus der Ermittler. Neben der Mordkommission befasst sich nun auch das Landeskriminalamt für Organisierte Kriminalität mit dem Fall.

05.09., 04:12 Uhr