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Ehrenamtliche Stadtführungen: Wie die Hamburger Greeter ihre Stadt zeigen

Seit 2012 bieten die Hamburger Greeter kostenlose, persönliche Rundgänge für Besucher an. Ehemalige Lehrerinnen und andere Einheimische zeigen Gästen dabei ihre ganz persönlichen Ecken der Hansestadt.

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Kostenlose Führung durch Hamburg? Da sagt ein echter Norddeutscher natürlich nicht Nein. Hauptsache winddicht! — Rocky, Chefkolumnist
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Seit dem Frühjahr 2012 bieten die Hamburger Greeter ehrenamtliche Stadtführungen an, um Besuchern die Hansestadt aus Sicht von Einheimischen zu zeigen. Das Konzept, das ursprünglich aus New York stammt, erfreut sich auch in Hamburg großer Beliebtheit. Mittlerweile führen rund 140 aktive Greeter kleine Gruppen durch die verschiedenen Stadtteile.
Die Idee für die Hamburger Greeter brachten Klaus Borstelmann sowie seine Freunde und Nachbarn in die Hansestadt. Seit der Gründung im Frühjahr 2012 ist die Gemeinschaft stetig gewachsen, berichtet die Nordsee-Zeitung. Eine der Aktiven ist die ehemalige Lehrerin Doris Leifermann, die seit 2019 regelmäßig Spaziergänge mit Gästen unternimmt. Die gebürtige Hamburgerin hat an einem Hamburger Gymnasium Politik, Gesellschaft und Wirtschaft unterrichtet sowie Soziologie studiert. „Auf einer Ehrenamtsmesse habe ich kurz vor meiner Pension von den Greetern erfahren“, erzählt die heute 74-Jährige. Ihr Interesse war sofort geweckt: „Ich wollte im Ruhestand etwas Sinnvolles machen“, ergänzt sie. Durch die regelmäßigen Touren müsse sie sich selbst weiterbilden. „Ich weiß jetzt noch viel mehr über Hamburg als vorher“, sagt die Hamburgerin. Die Großstadt verändere sich ständig, was sie spannend findet. „Die Großstadt hat viele Facetten, die es täglich zu entdecken gibt“, sagt Leifermann.
Für ihren aktuellen Rundgang musste sich die Rentnerin gut vorbereiten. Ihre drei Gäste, die Freundinnen Astrid Specht, Petra Rößner und Ursula Wobbe, interessieren sich für Architektur, die Natur in der Stadt und historische Orte. „Das alles unter einen Hut zu kriegen, war schon eine Herausforderung“, erzählt Doris Leifermann.

Vom Schauspielhaus zu den Deichtorhallen

Der Rundgang beginnt am Deutschen Schauspielhaus am Hauptbahnhof. Das Gebäude wurde von 1899 bis 1900 nach dem Entwurf des Wiener Theaterspezialisten „Fellner & Helmer“ erbaut. Vorbilder für das Lichtspielhaus waren Theater in Prag, Zürich, Wiesbaden und Wien. Unweit davon in St. Georg steht auch das Ohnsorg-Theater, das sich zu Zeiten der Hamburger Volksschauspielerin Heidi Kabel jedoch an einem anderen Ort befand. Von dort führt der Weg weiter zu den Deichtorhallen, die heute als Veranstaltungsort dienen, früher jedoch als Großmarkt für Obst und Gemüse genutzt wurden. „Vielen ist das nicht bekannt“, sagt Leifermann und verweist auf die weit auseinanderliegenden Tore, die so angelegt wurden, damit Pferdekutschen in die Halle hineinfahren konnten.

Rundgänge in kleinen Gruppen

Die sogenannten „Greets“ werden für Gruppen von maximal sechs Personen angeboten, die sich bereits untereinander kennen. „Wir wollen nicht, dass sich die Leute erst untereinander kennenlernen müssen“, erklärt Gründungsmitglied Gerlinde Suling. Meist werden die Touren von Familien oder Gruppen gebucht, aber auch Einzelreisende sind willkommen. In Hamburg gibt es derzeit 140 aktive Greeter, die jährlich rund 1.000 Anfragen erhalten. „Das passt im Moment gut“, sagt Suling. Aktuell gibt es einen Aufnahmestopp für neue Greeter.
Die Themen der Rundgänge bestimmen meist die Gäste selbst. Bei Familien mit Kindern sind oft Touren zu den Drehorten der ARD-Serie „Die Pfefferkörner“ gefragt. Wer zum ersten Mal in Hamburg ist, interessiert sich meist für Orte am Wasser. Für Unentschlossene empfiehlt Greeter Jan eine Tour durch seinen Stadtteil Fuhlsbüttel. „Die Leute sind überrascht, was es so alles in dem unscheinbaren Stadtteil zu sehen gibt“, sagt Gerlinde Suling.

Ein Konzept mit Ursprung in New York

Das Konzept der Greeter existiert mittlerweile in rund 180 Destinationen weltweit. Ihren Ursprung hat die Idee im Jahr 1992 in New York. Gründerin Lynn Brooks rief das Angebot unter dem Motto „Komm als Gast und geht als Freund“ ins Leben, um Vorurteile über ein gefährliches New York abzubauen. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie die ersten Gäste durch ihr Viertel.
Den drei Freundinnen gefällt der Rundgang mit Doris Leifermann sehr gut. „Doris macht es super. Der Greet ist toll, authentisch und eine gute Mischung aus Wissen und Kultur“, sagt Ursula Wobbe. Sie hatte die Greeter über eine Suche nach alternativen Stadtführungen mit ChatGPT entdeckt. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Website www.hamburg-greeter.de.

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