Wohnungskauf belistet Haushalte in Nordfriesland bundesweit am stärksten
Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Immobilienkauf in Nordfriesland extrem teuer ist. Käufer müssen dort fast die Hälfte ihres Einkommens für die Kreditfinanzierung aufbringen.
Bundesweit sinkt die finanzielle Hürde für den Wohnungskauf derzeit leicht. Im Schnitt mussten Käufer im vergangenen Jahr laut dem „Postbank Wohnatlas 2026“ rund 17,2 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die laufende Kreditfinanzierung einer 70-Quadratmeter-Bestandswohnung aufbringen, wie die shz berichtet. Im Jahr davor waren es noch 18,4 Prozent. In vielen ländlichen Regionen, vor allem in Ostdeutschland, ist Kaufen mittlerweile sogar günstiger als Mieten.
In Nordfriesland schlägt das Pendel jedoch massiv in die entgegengesetzte Richtung aus. Wer sich hier den Traum einer 70-Quadratmeter-Wohnung erfüllen will, muss im Durchschnitt 45,7 Prozent des regional verfügbaren Haushaltseinkommens für den Kredit aufbringen. Das ist der unangefochtene Spitzenplatz in ganz Deutschland – noch vor München mit 41,0 Prozent und der Bundeshauptstadt Berlin mit 39,5 Prozent.
Inseln treiben die Preise in die Höhe
Für den Wohnatlas hat das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) im Auftrag der Postbank die Immobilienpreisentwicklung in allen 400 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten analysiert. Um die finanzielle Belastung von Mietern und Käufern vergleichbar zu machen, stützt sich die Berechnung auf standardisierte Annahmen. Der Hauptgrund für die enorme Belastung in Nordfriesland liegt auf der Hand: Die begehrten und extrem hochpreisigen Nordseeinseln Sylt, Amrum und Föhr treiben den Preisdurchschnitt in der Region massiv in die Höhe.Experten raten Immobilieninteressenten generell zu einer wichtigen Faustregel: Private Haushalte sollten nicht mehr als 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen inklusive Nebenkosten ausgeben. Für die reine Kreditfinanzierung oder die Nettokaltmiete gilt eine Orientierungsmarke von 25 Prozent. Mit 45,7 Prozent sprengt ein durchschnittlicher Wohnungskauf in Nordfriesland diese Grenze bei Weitem.
Große Kluft zwischen Kaufen und Mieten
Dies führt zu einer weiteren Erkenntnis des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts: Nirgendwo in Deutschland ist die finanzielle Kluft zwischen Kaufen und Mieten so groß wie in Nordfriesland. Die Finanzierung einer Eigentumswohnung beansprucht hier 31,6 Prozentpunkte mehr vom Haushaltseinkommen als die bloße Zahlung der Nettokaltmiete für eine vergleichbare Wohnung. Zum Vergleich: Im thüringischen Saale-Orla-Kreis, der bundesweit am günstigsten abschneidet, zahlen Käufer 3,3 Prozentpunkte weniger für ihren Kauf, als sie für Miete ausgeben müssten.Für Durchschnittsverdiener in Nordfriesland bedeutet das unterm Strich: Wer nicht gerade über erhebliches Eigenkapital verfügt, für den bleibt Wohneigentum, insbesondere in den Insel- und Küstenlagen, oft ein unerschwinglicher Luxus. Mieten ist in Nordfriesland im Verhältnis zum Einkommen die finanziell vernünftigere Alternative – auch wenn der Wohnraum hier ebenfalls seinen Preis hat.