Meldung ✓

Tausende freie Lehrstellen zum Ausbildungsstart in Schleswig-Holstein

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres in Schleswig-Holstein bleiben zahlreiche Stellen unbesetzt. Neben dem demografischen Wandel und der G9-Rückkehr beeinflussen auch veränderte Ansprüche der Jugendlichen den Bewerbermarkt.

KI-generierter Inhalt · wie wir arbeiten →

Früher gab's Arbeit, heute suchen die Chefs. Zeiten ändern sich, moin moin. — Rocky, Chefkolumnist
Illustration zu: Tausende freie Lehrstellen zum Ausbildungsstart in Schleswig-Holstein
Illustration: KI-generiert
In Schleswig-Holstein beginnt in wenigen Tagen für tausende Jugendliche die Berufsausbildung, doch viele Stellen in den Betrieben bleiben unbesetzt. Trotz intensiver Bemühungen der Wirtschaft übersteigt das Angebot an Ausbildungsplätzen landesweit die Zahl der Bewerber. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist neben dem demografischen Wandel auch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9).
Bislang wurden nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK) und den Handwerkskammern im Land rund 10.500 Ausbildungsverträge abgeschlossen, wie die Tagesschau berichtet. Während die Handwerkskammern von einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr sprechen, verzeichnet die IHK dagegen einen Rückgang von gut 6 Prozent. „Heute suchen viele Unternehmen Bewerberinnen und Bewerber und nicht umgekehrt“, so beschreibt Bereichsleiter für Aus- und Weiterbildung bei der IHK zu Lübeck Sebastian Grothkopp die aktuelle Entwicklung. Landesweit gebe es weiterhin mehr gemeldete Ausbildungsplätze als Bewerber, was auch von den Handwerksbetrieben so eingeschätzt wird.

Gründe für den Bewerbermangel

Neben dem demografischen Wandel trägt die Rückkehr von G8 zu G9 maßgeblich zur schwierigen Bewerberlage bei. Durch die Umstellung verlassen in diesem Jahr deutlich weniger Schülerinnen und Schüler mit dem Abitur die Schulen. Bereits im Frühjahr hatte die IHK darauf hingewiesen, dass dadurch landesweit rund 5.500 Abiturientinnen und Abiturienten fehlen. Hinzu kommt laut IHK ein weiterer Trend: Viele junge Menschen entscheiden sich heute deutlich später für eine Ausbildung als noch vor einigen Jahren. Verträge werden häufig erst wenige Wochen oder sogar Tage vor Ausbildungsbeginn unterschrieben.

Beliebte Berufe und der Einfluss von KI

Bei der Berufswahl zeigt sich ein bekanntes Bild. Nach Angaben der IHK gehören kaufmännische Berufe weiterhin zu den Favoriten der Jugendlichen: Kaufleute für Büromanagement, Industriekaufleute sowie Kaufleute im Groß- und Außenhandelsmanagement. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Berufe in der Logistik sowie IT-Ausbildungen, etwa zum Fachinformatiker. Demgegenüber stehen viele offene Ausbildungsplätze im Gastgewerbe, Einzelhandel, der Logistik und in vielen gewerblich-technischen Berufen. Im Handwerk führen nach Angaben der Handwerkskammern im Land weiterhin klassische Ausbildungsberufe die Statistik an. Die meisten neuen Ausbildungsverträge wurden zuletzt für Kfz-Mechatroniker, Elektroniker sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik abgeschlossen.Während einige Berufe traditionell sehr gefragt sind, beobachten die Handwerkskammern, dass die rasante Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz Einfluss auf die Jobwahl hat. „KI löst bei vielen jungen Menschen Unsicherheiten aus, was die Entwicklung in einigen Berufen betrifft. Das Handwerk kann hier sichere Zukunftsaussichten bieten“, erklärt Vertreterin der Handwerkskammer Lübeck Manuela Steimle. Gleichzeitig würden Berufsbilder an Bedeutung gewinnen, die als sinnstiftend empfunden werden, beispielsweise für die Klima- und Energiewende.

Bewerber werden anspruchsvoller bei Betriebsauswahl

Auch die Wünsche der Jugendlichen verändern sich offenbar. Laut IHK spielen inzwischen Arbeitszeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und ein gutes Betriebsklima eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Homeoffice sei dagegen nur in wenigen Ausbildungsberufen ein entscheidendes Kriterium. Im Handwerk sei Homeoffice ohnehin kaum möglich, so die Handwerkskammer. Viele Auszubildende würden vielmehr das gute Gefühl schätzen, am Ende des Tages sehen zu können, was sie mit ihren eigenen Händen geschafft haben.Jugendliche, die trotz der aktuellen Ausgangslage noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, können nach Einschätzung der Kammern ihre Chancen deutlich erhöhen, wenn sie bei der Berufswahl und beim Ausbildungsort flexibel bleiben. Gerade in ländlichen Regionen wie Ostholstein, Herzogtum Lauenburg, Nordfriesland oder Dithmarschen seien längere Fahrwege häufig aber unvermeidbar. Umgekehrt profitieren Unternehmen dort, wenn sie ihre Auszubildenden etwa mit Jobtickets, Fahrtkostenzuschüssen oder flexiblen Arbeitszeiten unterstützen. Sowohl IHK als auch Handwerkskammer raten ausdrücklich dazu, sich auch jetzt noch zu bewerben. Darauf seien die Betriebe eingestellt.

← alle Meldungen aus Norden

Weitere Meldungen aus Norden

Norden ✓

Tödliche Schüsse auf St. Pauli: Ermittler vermuten mehr Beteiligte

Nach den Schüssen mit zwei Toten im Hamburger Stadtteil St. Pauli gerät eine Gruppe vermummter Männer in den Fokus der Ermittler. Neben der Mordkommission befasst sich nun auch das Landeskriminalamt für Organisierte Kriminalität mit dem Fall.

05.09., 04:12 Uhr