Neuer Stadtradeln-Rekord in Loxstedt trotz schwerer Rückschläge
Der 58-jährige Projektingenieur Thomas Götz legt beim diesjährigen Stadtradeln über 4500 Kilometer zurück. Seine außergewöhnliche Radsport-Leidenschaft entwickelte sich nach gesundheitlichen Krisen und einem extremen Berufsalltag.
Der 58-jährige Thomas Götz aus Loxstedt hat beim diesjährigen Stadtradeln mit einer Strecke von 4560,7 Kilometern einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt. Trotz gesundheitlicher Rückschläge in der Vergangenheit und eines schweren Sturzes lässt sich der leidenschaftliche Radfahrer nicht bremsen. Seine Leistung markiert die längste Distanz unter allen 618 Teilnehmenden der Gemeinde. Thomas Götz ist 2,04 Meter groß und nutzt diese Statur für eine enorme Hebelwirkung beim Radfahren. „Ich entwickle mit meinen 2,04 Meter eine enorme Hebelwirkung“, sagt der Loxstedter, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Durch diese Kraftübertragung habe er, wie er selbst formuliert, „schon viele Räder kaputtbekommen“. Das Fahrrad hat für den Projektingenieur eine besondere Bedeutung. „Das Fahrrad ist für mich Bewegungsmittel Nummer 1“, so Götz. Seine Leidenschaft entwickelte sich um die Jahrtausendwende als Ausgleich zu seinem früheren, extrem arbeitsintensiven Alltag. „Ich brauchte einfach einen Ausgleich zur Arbeit. Früher hatte ich manchmal 20-Stunden-Tage, rauchte dazu bis zu 75 Zigaretten am Tag.“ Nach einem Zusammenbruch aufgrund eines Workaholic-Syndroms begann er mit dem Radfahren und gab das Rauchen auf. „Am 15. Februar 2002 um 0 Uhr habe ich die letzte Zigarette angerührt.“ Dass er dies noch so genau weiß, führt der im Bereich „IT-Prozesse“ in der Offshore-Windenergie-Branche tätige Loxstedter auf sein Zahlengedächtnis zurück.
Gesundheitliche Krisen als Wendepunkt
Seine Lust auf das Radfahren intensivierte sich im Jahr 2010 nach zwei komplizierten Nasennebenhöhlen-Operationen. Nach dem Ziehen der Weisheitszähne war seine Kiefernhöhle offen, woraufhin eine schwere Entzündung folgte. „Ich bin nach der ersten OP fast gestorben“, erinnert sich der Loxstedter. Nach der zweiten Operation sagten die Ärzte: „Es war eine Minute vor zwölf“. Seit diesem Erlebnis fährt er in der gegenwärtigen Intensität und kommt pro Jahr auf bis zu 25.000 Kilometer auf dem Rad.
Rekordleistung und Nachweise per App
Seine jüngste Rekordfahrt von 4560,7 Kilometern absolvierte Götz für das Team „Landfrauen Landwürden“ im Rahmen des dreiwöchigen Stadtradelns im Mai und Juni. Damit legte er die weiteste Strecke der 618 Teilnehmenden in Loxstedt zurück, die insgesamt 136.442 Kilometer erreichten. Bereits im Jahr 2024 hatte er eine beeindruckende Leistung von 4.232,7 Kilometern erzielt, zu der ihm damalige Klimaschutzmanagerin Anne Böttjer und Bürgermeister Detlef Wellbrock gratulierten. Da die Organisation „Stadtradeln“ seine enormen Werte vor drei Jahren zunächst bezweifelte, weist Götz seine Fahrten heute lückenlos per App nach. „Eine App zeichnet alles auf. Meine Leistungsdaten werden geplottet“, beschreibt Götz die Erfassung von Kilometern, Tempo und Puls.
Sturz bremst den Loxstedter nicht aus
Auch ein schmerzhafter Unfall hielt ihn nicht auf. „Ich war auf der Rücktour von Cuxhaven und Otterndorf nach Hause, als ich an einer Eisenbahnschiene im Kaiserhafen hängengeblieben bin“, berichtet er von einem Sturz in Bremerhaven bei etwa 45 km/h. „Der Arm, das Bein. Alles war offen. Meine Schulter war geprellt und ich blutüberströmt.“ Trotz der Verletzungen lehnte er den von einem helfenden Autofahrer angebotenen Krankenwagen ab: „Ich habe für mich den Check gemacht, ob ich Einschränkungen merke. Im ersten Moment geht einem vieles durch den Kopf. Aber da dachte ich schon: ‚Hauptsache, es ist alles heile‘.“ Er fuhr langsamer nach Hause, um das Abendessen mit seiner Frau und seinem 14-jährigen Sohn nicht zu verpassen. „Ich bin dann etwas langsamer nach Hause gefahren“, sagt er rückblickend. „Der Helm ist kaputt, doch den Kopf hat er geschützt.“ Zwei Wochen später suchte er dennoch einen Arzt auf. „Am Ellenbogen hat es sich leicht entzündet. Da reichte dann eine Salbe.“ Im kommenden Jahr plant er, wieder beim Stadtradeln anzutreten, jedoch ohne festes Ziel: „Ich peile keinen Rekord an. Die Dinge kommen einfach so, wie sie kommen.“
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