Starkregen überlastet Kanalisation in Elmshorn nach Unwetter
Ein extremes Unwetter am 13. Juli führte in Elmshorn zu massiven Überschwemmungen aller Unterführungen. Die Stadtverwaltung analysierte nun die Daten und betont, dass solche Jahrhundert-Ereignisse physikalisch nicht beherrschbar sind.
Wie die shz berichtet, ist das Kanalnetz der Stadt laut den ausgewerteten Daten weder zu klein dimensioniert noch defekt. Allerdings sei ein solches Jahrhundertereignis in dieser Intensität auch in Zukunft nicht beherrschbar. „Aus rein physikalischer Sicht ist kaum noch ein intensiveres Ereignis im Bereich Elmshorn möglich“, sagt Thomas Beiersdorf von der Stadtentwässerung, der absolute Experte für das Elmshorner Kanalnetz.
Vergleich mit früheren Unwettern
Ein extremes Starkregenereignis beginnt nach Definition des Deutschen Wetterdienstes ab 40 Millimeter Niederschlag pro Stunde. Am 13. Juli fielen in Elmshorn rund 50 Millimeter pro Stunde, was einem sogenannten hundertjährigen Ereignis für die Region entspricht. Das letzte vergleichbare Ereignis im Sommer 2002 brachte zwar 150 Millimeter in 24 Stunden beziehungsweise 75 Millimeter in drei Stunden, doch die stündliche Intensität war diesmal extremer. „Dieses Mal lag die Intensität höher“, betont Beiersdorf mit Blick auf die Niederschlagsmenge pro Stunde. Dies belegen auch die Einsatzzahlen der Feuerwehr, die von 38 Einsätzen im Jahr 2002 auf rund 130 Einsätze an diesem Montagabend anstiegen.
Lokale Gewitterzelle und überlastete Pumpwerke
Die Gewitterzelle bildete sich ab etwa 17.30 Uhr direkt und lokal begrenzt über der Stadt. Schnell aufsteigende warme Luft kühlte sich in den oberen Schichten stark ab, was zur Bildung von Hagel führte. Dieser verursachte im Nordwesten bis auf Höhe Hasenbusch sowie in den umliegenden Gemeinden Horst, Kiebitzreihe und Sparrieshoop erhebliche Schäden. „Ein Ereignis dieser Intensität gehört zu den nicht beherrschbaren Starkniederschlägen“, betont Beiersdorf. „Neben der Überlastung der Regen- und Mischwasserkanalisation kommt es dabei auch zu Ein- und Überstau im Schmutzwassernetz.“
Besonders betroffen waren Tiefpunkte wie die Bahnunterführungen. „Es handelt sich hier um das erste dokumentierte Ereignis, bei dem alle Unterführungen der Stadt Elmshorn überflutet wurden“, sagt der Experte. Aufgrund des überlasteten Kanalnetzes sammelte sich dort auch das Wasser aus den umliegenden Straßen, sodass die Entwässerungspumpwerke den Zulauf nicht mehr bewältigen konnten.
Schutzmaßnahmen für private Eigentümer
Private Eigentümer können sich mit vorbeugenden Maßnahmen gegen Schäden durch vergleichbare Ereignisse wappnen. Dazu gehört die laut DIN 1986 vorgeschriebene Rückstausicherung beim Hausanschluss sowie Abdichtungen an Kellerfenstern. Für Grundstücke an Tiefpunkten, die die größten Probleme haben, gibt es laut Beiersdorf kaum andere Optionen: „Hier können Eigentümer wahrscheinlich nur zu Dammbalken-Lösungen greifen“, sagt der Experte.