Millionenprojekt für Salzwiesen: Geplante Deichöffnungen sorgen für Diskussionen
Die Nationalparkverwaltung möchte Sommerdeiche an der Wurster Küste öffnen, um die Entwicklung von Salzwiesen als CO2-Speicher zu fördern. Bei der jüngsten Deichschau äußerten Anwohner und Landwirte jedoch erhebliche Bedenken hinsichtlich der Entwässerung.
Nasse Füße mag ich höchstens in der Badewanne. Hauptsache, der Deich hält dicht.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
An der Wurster Küste stoßen Pläne zur Öffnung von Sommerdeichen für den Klimaschutz auf erhebliche Bedenken bei der lokalen Bevölkerung. Die Nationalparkverwaltung beabsichtigt, durch gezielte Deichöffnungen die Entwicklung von Salzwiesen als natürliche CO2-Speicher zu fördern. Für das Vorhaben in Spieka-Neufeld stellen Bund und Land rund 21,2 Millionen Euro zur Verfügung. Das Gebiet zwischen der Wasserkante und dem Hauptdeich erstreckt sich von Dorum-Neufeld bis Berensch-Arensch und ist so breit, dass es landwirtschaftlich bewirtschaftet wird. Ein kleiner, etwa 1,2 bis 2 Meter hoher Sommerdeich entlang der Küste schützt die vorwiegend mit Rindern beweideten Flächen vor kleineren Sommerfluten. Wie die Nordsee-Zeitung berichtet, kontrollieren Verantwortliche diese rund 15 Kilometer lange Linie regelmäßig im Rahmen der Sommerdeichschau auf Schäden wie Viehtrittstellen, Disteln, Mäuselöcher und Mängel an Deichbauwerken. Größere Probleme wurden bei der jüngsten Kontrolle nicht festgestellt, resümiert Sommerdeichverbandsvorsitzender Dieter Rosenhagen am Ende der Schau. Einzelne Flächen sollen noch gemäht und Schäden beseitigt werden, um die Bewirtschaftung und den ordnungsgemäßen Zustand der Linie sicherzustellen.
Interessenkonflikte an der Küstenlinie
Da dieser Streifen nicht nur als Schutzraum, sondern auch als Wirtschaftsfläche dient, birgt das Aufeinandertreffen von Küstenschutz, Naturschutz und Landwirtschaft Redebedarf. Dies zeigt sich aktuell besonders in Spieka-Neufeld. Hintergrund ist ein Forschungsansatz, wonach Salzwiesen am Wattenmeer das Treibhausgas Kohlendioxid effektiver speichern können als künstliche Technologien. Die Nationalparkverwaltung möchte daher die Kohlenstoffspeicherung durch natürliche Salzwiesenentwicklung im Bereich von Sommerpoldern stärken. Dafür sollen die Sommerdeiche an mehreren Stellen geöffnet werden, damit das Wasser auf die dahinterliegenden Weiden strömen kann. Zudem ist der Rückbau einzelner Sielbauwerke geplant, um die Flächen wieder stärker den natürlichen Gezeitenprozessen zu überlassen.
Bedenken der Einheimischen und geplante Maßnahmen
Bei der jüngsten Sommerdeichschau, bei der die Deichbeschauer per Planwagen unterwegs waren, wurden die großen Bedenken der Einheimischen deutlich. Mehrere Teilnehmer äußerten Zweifel an einer problemlosen Entwässerung aus dem Hinterland sowie Sorgen über mögliche Folgen für die Landwirtschaft und die Natur. Von den Plänen an den Sielhäfen sind insbesondere elf Kutterfischer der Krabbenfischerei betroffen.Seitens der Nationalparkverwaltung betonte Vertreterin Jennifer Sobiech-Wolf, dass das Genehmigungsverfahren noch nicht begonnen habe und derzeit die Planungen liefen. Zudem werde ein hydrologisches Gutachten erstellt. Sobiech-Wolf stellte klar, dass die Entwässerung auch nach den Öffnungen eng begleitet werde. Erfahrungsgemäß müsse man im ersten Jahr oder auch über mehrere Jahre hinweg nachsteuern, beispielsweise durch Baggerarbeiten, Vertiefungen oder Anpassungen an Böschungen, bis die Abläufe stabil funktionierten. „Wir wollen ja eine Salzwiese und keinen Riesenbrackwassersee“, so Sobiech-Wolf. Wenn das Wasser nicht ablaufe, widerspräche das dem Zweck des Projekts, dessen klares Ziel die Salzwiesenentwicklung sei.
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