Sperrung in Schönwalde: 40 Stufen trennen Einwohner vom Versorgungszentrum
Eine Baustelle in Schönwalde erzwingt einen mühsamen Umweg über eine Treppe mit 40 Stufen. Besonders für ältere und gehbehinderte Menschen wird der tägliche Einkauf dadurch zur Belastung.
Direkt gegenüber der Tankstelle in der Oldenburger Straße haben sich rund zehn Einwohner versammelt und blicken frustriert in Richtung der Baustelle, die ihnen zurzeit den direkten Weg zum Versorgungszentrum mit Supermarkt, Apotheke, Arzt und Sparkasse versperrt. Einer von ihnen ist Jürgen Witt, dessen Blick in Richtung des rot-weißen Absperrgitters zwischen Wut und Fassungslosigkeit schwankt. „Es ist eine Zumutung“, schimpft er.
Seit dem 6. Juli ist die Kreuzung der Landesstraßen L57 und L216 in Richtung Lensahn und Neustadt voll gesperrt. Der Landesbetrieb Straßenbau saniert dort die Fahrbahn, während die Gemeinde zeitgleich Kanäle und Gehwege erneuert, wie die shz berichtet. Der einzige Ausweichweg führt für Fußgänger und Radfahrer zurzeit über den Schönberg. Das Problem: Sie müssen dabei eine Erhöhung mit rund 40 Stufen hinauf- oder hinabsteigen. Für viele ältere Einwohner und Gehbehinderte wird der Alltag dadurch zur Zerreißprobe.
Kritik an der Wegführung und fehlenden Genehmigungen
„Man hätte auch einfach einen Weg seitlich der Baustelle einrichten können“, ist Jürgen Witt überzeugt. Die Aussage von Bürgermeister Olaf Schöning (CDU), dass es dafür keine Baugenehmigung gebe, hält Witt für „Ausflüchte“. Auch die mangelhafte Ausschilderung bringt ihn auf. Lediglich ein kleines Schild mit zwei Fußgängern und einem Pfeil weist den Pfad aus. „Auch oben auf dem Berg müsste eigentlich ein Schild sein, sonst läuft man zum Sportplatz“, kritisiert Witt.Wer wegen der Sperrung in Schönwalde Hilfe beim Einkaufen oder beim Arztbesuch braucht, kann sich telefonisch unter 0177 4139864 an das Kommunikationsbüro des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) wenden. Dort wird nachbarschaftliche Hilfe koordiniert.
Herausforderungen für Gehbehinderte und pragmatische Lösungen
Alle paar Minuten mühen sich Passanten ab. „Das ist eine Katastrophe“, klagt eine Frau. „Laufen Sie erst mal hier hoch, wenn es regnet, das ist das Schlimmste.“ Auch für Sebastian Linger (51) ist der Weg ein großes Ärgernis. Er ist dauerhaft auf Krücken angewiesen: „Ich kriege es hin, aber es ist schwierig, den Einkauf so zu bewältigen. Bei Getränken kaufe ich jetzt nur noch eine Flasche.“Die jüngeren Anwohner nehmen es gelassener. „Mich stört es nicht“, sagt Dennis Mikkat, der gerade mit seiner Tochter unterwegs ist. Er zeigt Verständnis für die Sanierung. Ein weiterer Mann schiebt sein Fahrrad den Abhang hinunter und nimmt die Schikane mit Humor: „Adventure Trail“, scherzt er.
Jan Sandersen schiebt sogar seinen Motorroller den Abhang hinauf. „Ich fahre nur zum Tanken auf die andere Seite“, erklärt er. Die derzeitige Lage sorgt laut ihm auch für Zusammenhalt in Schönwalde. „Ich habe schon vielen geholfen, mit ihren Fahrrädern und Anhängern hier durchzukommen“, sagt der 37-Jährige. „Hier gibt es viele, bei denen man schon von Weitem sieht, dass sie Hilfe brauchen.“
Dennoch kocht der Groll gegen Olaf Schöning weiter. „Der Bürgermeister versteckt sich nur dahinter, dass er auf die Genehmigung wartet“, findet Holger Hahn. „Das ist doch Tünkram, so viel Macht muss er doch haben“, flucht er.
Bürgermeister stellt sich der Diskussion
Schönwalde ist klein, die Wege sind kurz – und manchmal führt das Schicksal die Beteiligten schneller zusammen als gedacht. Wie der Zufall es will, biegt genau in diesem Augenblick ein bekannter Wagen in die Straße ein. Am Steuer: Bürgermeister Olaf Schöning persönlich.Die Situation wird augenblicklich emotional. Die Gruppe zögert nicht lange und fängt ihn direkt an der Fahrertür ab. „Was sind das denn für Ausreden“, wird Jürgen Witt lauter. Schöning erklärt sich: „Das Ministerium hat uns keine Genehmigung erteilt. Bleib doch bitte sachlich.“ Natürlich höre er sich die Kritik an, sagt er. „Aber ich lasse mir nicht vorwerfen, dass die Gemeinde nichts getan hat.“ Bei den Schildern will er nun für Besserung sorgen, und auch das Geländer soll vom Bauhof noch befestigt werden, verspricht Schöning.
Viel mehr als diese Zusage bleibt den Schönwaldern vorerst allerdings nicht. Bis zur geplanten Freigabe der Baustelle am 14. August müssen sich alle wohl oder übel weiter in Geduld üben – und den mühsamen Weg über die 40 Stufen meistern.