Kein 24/7-Supermarkt für Stedesand: Pläne für automatisierten Dorfladen gescheitert
Die Gemeinde Stedesand muss weiterhin ohne eigenen Supermarkt auskommen. Die Pläne für einen automatisierten 24/7-Laden der „Hurtig“-GmbH sind wegen fehlender Immobilien und neuer Konkurrenz geplatzt.
Kein Laden im Dorf? Dann schnackt man eben beim Nachbarn um ein Ei an.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die Pläne für einen automatisierten 24/7-Dorfladen in der 890-Einwohner-Gemeinde Stedesand sind endgültig gescheitert. Nach 15 Jahren ohne eigene Einkaufsmöglichkeit sollte in diesem Jahr ein Markt der „Hurtig“-GmbH eröffnen. Da sich jedoch keine geeignete Immobilie fand und ein Konkurrenzprojekt im Nachbarort entsteht, wurde das Vorhaben nun eingestellt. Eigentlich schien alles für die Eröffnung des Dorfladens durch die „Hurtig“-GmbH aus Jagel bereit zu sein. Das Geschäft sollte in einem Gebäude unterkommen, das bis vor einigen Jahren als Museum für seltene Oldtimer-Bikes genutzt wurde. Da der Eigentümer der Immobilie jedoch einen Rückzieher machte, fehlt nun der Platz für den automatisierten Markt. Während Bürgermeister Stephan Koth (Aktive Wählergruppe) auf Anfrage keine Stellungnahme zu den Hintergründen abgeben wollte, bedauert Gemeindevertreter Erik Steensen (49) von der Kommunalen Wählervereinigung Störtewerkerkoog das Scheitern des Projekts. „Letztlich gab es keine geeignete Immobilie für den geplanten Dorfladen“, bringt es der Landwirt aus Trollebüll auf den Punkt. „Persönlich finde ich das sehr schade. Nicht nur wegen der weiterhin fehlenden Einkaufsmöglichkeit, sondern auch, weil ein funktionierender Dorfladen oft auch ein Treffpunkt und eine Anlaufstelle für die Einwohner werden kann.“
Hohe Pachtpreise und abgelehnte Übergangslösung
Enttäuscht über das Scheitern zeigt sich auch Mitgründer und Mitgeschäftsführer der „Hurtig“-GmbH in Jagel Fin Niklas Schmidt, wie die shz berichtet. Schmidt betont sein großes persönliches Engagement für den Standort, da er durch Familie im Nachbardorf die Einkaufssituation vor Ort kenne. „Ich habe mich mit großem persönlichem Engagement für einen 24/7-Markt in Stedesand starkgemacht“, so Schmidt. Das Unternehmen sei der Gemeinde daher besonders weit entgegengekommen: „Wir wollten auf eigenes unternehmerisches Risiko rund 70.000 Euro in diesen Laden investieren. Die Gemeinde hätte den Laden bekommen, ohne einen einzigen Euro locker machen zu müssen.“ Allerdings gestaltete sich die Suche nach Räumlichkeiten schwierig. „Uns wurden Gebäude zu teilweise absurd hohen Pachtpreisen angeboten“, erklärt Schmidt.
Kritik an den Gemeindevertretern
Als Übergangslösung schlug das Unternehmen vor, den Laden für zwei Jahre im Stedesander Dörpshus zu betreiben. „Und das, obwohl wir bei Neueröffnungen sonst 15 Jahre Mindestvertragszeit als Standard haben. Diese Zeit hätte man nutzen können, um einen geeigneten dauerhaften Standort zu finden“, findet Schmidt. Die Gemeindevertreter gingen auf diesen Vorschlag jedoch nicht ein. „Ich hatte den Eindruck, denen war ihr Dartverein wichtiger als eine innerörtliche Einkaufsmöglichkeit“, sagt der enttäuschte Schmidt.
Konkurrenz im Nachbarort
Erschwerend kam die Konkurrenz durch einen neuen Tante-Enso-Laden hinzu, der noch in diesem Jahr im rund zwei Kilometer entfernten Enge-Sande eröffnen soll. Dies war für die „Hurtig“-GmbH ein weiterer Grund, die Pläne aufzugeben. „Diese Entwicklung war bei Beginn unserer Planungen nicht absehbar“, so Schmidt. Für die Einwohner von Stedesand bedeutet das Scheitern des Projekts, dass sie für ihre Einkäufe auch in Zukunft fahren müssen.
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