Einzelhändler im Schleswiger Friedrichsberg kämpfen gegen Leerstand und für mehr Unterstützung
Während sich die Stadt Schleswig stark auf die Innenstadt konzentriert, fühlen sich die Händler im Stadtteil Friedrichsberg vernachlässigt. Trotz Leerständen glauben viele Betriebe an das Potenzial der historischen Einkaufsstraße.
In der Friedrichstraße sind die Veränderungen im Konsumverhalten deutlich spürbar. Wie die shz berichtet, erlebt Inhaber des Geschäfts Naturbauhaus Arne Bauer die Veränderungen fast täglich. „Der Leerstand ist ein Problem“, sagt er. Denn wie viele Einzelhandelsgeschäfte bleiben auch die Geschäfte am Friedrichsberg nicht von der wirtschaftlichen Weltlage verschont. „Es wird anders konsumiert, die Leute gehen achtsamer mit ihrem Geld um und legen mehr Wert auf hochwertige Produkte“, sagt Bauer.
Ungleiche Unterstützung im Vergleich zur Innenstadt
Nach Ansicht von Bauer liegt die Ursache für den Leerstand jedoch nicht nur am veränderten Konsumverhalten, sondern auch an einer ungleichen Unterstützung durch die Stadt. Denn sie konzentriere sich vor allem auf die Schleswiger Innenstadt – der Friedrichberg werde dabei übersehen. „Die Innenstadt steht im Fokus aller Unterstützungsaktionen, das fühlt sich manchmal ungerecht an. Jede Stadt braucht einen gesunden Kern, aber der Kern braucht auch ein gesundes Umfeld.“ Dabei habe die Friedrichstraße nach Ansicht von Bauer durchaus Charakter und vor allem einen Vorteil: Parkplätze. „Kunden können hier direkt vor der Tür parken und schwere Sachen ins Auto einladen“, sagt er. Dazu komme der besondere Charme der historischen Gebäude. „Man erkennt die traditionelle Struktur: Vorne der Laden, hinten Lager und oben Wohnraum“, erklärt Bauer. Zudem seien die Gewerbeimmobilien vergleichsweise erschwinglich.Auch Christiane Schmidt, die bei Simon Elektrotechnik arbeitet, kritisiert die fehlende Unterstützung der Stadt. „Viele Läden sind unvermietet und die Gebäude verwahrlosen“, sagt sie. Doch die Aufmerksamkeit richte sich vor allem auf das Stadtzentrum – obwohl auch der Friedrichsberg noch eine Einkaufsstraße besitzt.
Dass die Gewerbetreibenden am Friedrichsberg Unterschiede bei den Fördermöglichkeiten wahrnehmen, ist nachvollziehbar, erklärt Pressesprecherin der Stadt Schleswig Manuela Brodersen. „Die Schleswiger Innenstadt wird seit 2015 als Sanierungsgebiet im Rahmen der Städtebauförderung von Bund und Land unterstützt – dabei sind die Förderungen zweckgebunden und können nicht an andere Stadtteile übertragen werden.“ Ein direktes Förderprogramm gegen Leerstände gebe es allerdings nicht – weder für die Innenstadt noch den Friedrichsberg.
Eigeninitiative und neue Impulse für das Viertel
Geschäftsführerin von Stoffwechsel Lisa Gerbitz erlebt die Lage in der Friedrichstraße aus nächster Nähe. Sie sieht die Entwicklungen in der Friedrichstraße durchaus positiv, hinterfragt allerdings auch die zurückhaltende Unterstützung. „Man fühlt sich hier manchmal wie ein fünftes Rad am Wagen“, sagt sie. „Aber wir sind auch selbst in der Verantwortung und sollten uns nicht abhängig machen.“ Dennoch würde sich Gerbitz einen besseren Austausch zwischen den Ladenbetreibern und dem Stadtmarketing wünschen.Stadtmanager Helge Schütze ist überrascht über diese Kritik. „Ich bin mit allen in Kontakt und befinde mich natürlich mit den Ladenbetreibern im Austausch. Wir unterstützen auch den Friedrichsberg – zum Beispiel ist das Quartier Teil des Wikingertalers.“ Aus seiner Sicht müssten die Vorstellungen der Ladenbetreiber stärker kommuniziert werden.
Trotz ihres Wunsches nach engerer Zusammenarbeit sieht Gerbitz die Aufgabe jedoch nicht allein bei Politik und Stadtmarketing. „Wir sollten die Verantwortung nicht auf andere Schultern abwälzen“, sagt sie. Denn gerade im Einzelhandel sei es heute besonders wichtig, selbst aktiv zu werden. „Man kann nicht mehr einfach die Türen öffnen und erwarten, dass es von alleine läuft. Wir müssen kreativ werden und zeigen, warum es einen Unterschied macht, vor Ort zu kaufen.“ Die Konkurrenz des Internets ist längst im Alltag des Einzelhandels angekommen – für Ladenbetreiber bedeute das vor allem eines: sich weiterentwickeln und neue Chancen ergreifen. „Man muss mit dem Instrument gehen, die Welle reiten und sich nicht davor verstecken“, sagt Gerbitz. So blickt sie trotz Leerständen und begrenzter Unterstützung zuversichtlich in die Zukunft des Friedrichsbergs. Denn zuletzt gab es in der Nachbarschaft immer wieder auch Neueröffnungen zu feiern. „Besonders die Wiedereröffnung von Gosch‘s Gasthof hat neuen Schwung gebracht. Es entwickelt sich gerade einiges“, sagt sie.