Bestürzung im Norden nach mutmaßlichem Anschlag auf Berliner CSD
Nach dem mutmaßlichen CSD-Anschlag in Berlin zeigen sich norddeutsche Politiker und Organisatoren tief betroffen. In Hamburg werden nun die Sicherheitsvorkehrungen für die anstehende Parade überprüft.
Der mutmaßliche Anschlag auf feiernde Menschen beim Berliner CSD schockiert auch viele Politiker und andere Menschen in Norddeutschland, wie die Tagesschau berichtet. Bei der Attacke am späten Samstagabend wurde eine Frau getötet, mehrere Menschen sind schwer verletzt.
Bestürzung in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zeigte sich von dem mutmaßlichen Anschlag bestürzt. Er sicherte der queeren Community seine Solidarität zu. Die schrecklichen Ereignisse in Berlin erschütterten ihn zutiefst, schrieb Günther auf Facebook: "Gerade als Schirmherr der Christopher Street Days in Schleswig-Holstein fühle ich mich der queeren Community sehr verbunden."
Der CSD stehe für einen langen und mutigen Kampf, "frei, gleichberechtigt und ohne Angst leben und lieben zu können". Die Ereignisse in Berlin machten auf schmerzliche Weise deutlich, wie verletzlich diese Freiheit inzwischen sei. Seine Gedanken und Gebete seien bei der Frau, die ihr Leben verloren habe, und bei denen, die noch um ihr Leben kämpfen, so Günther weiter. Zudem dankte er den Ersthelferinnen und -helfern und allen Rettungs- und Einsatzkräften, die sofort zur Stelle gewesen seien.
Sicherheitsvorkehrungen und Mahnwache in Hamburg
In Hamburg soll am kommenden Samstag der CSD gefeiert werden, zu dem 250.000 Menschen erwartet werden. Organisator Manuel Opitz vom Verein Hamburg Pride sagte zu NDR 90,3: "Wir stehen im Kontakt mit der Polizei und den Behörden in Hamburg, um zu schauen, welche zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden können, um für Sicherheit auf dem CSD in Hamburg zu sorgen."
Opitz betonte, dass es gerade wegen der Tat in Berlin gelte, zusammenzukommen: "Wir lassen uns nicht unsichtbar machen. Gerade jetzt rufen wir auch alle anderen Menschen in Hamburg auf, gemeinsam mit uns zusammenzustehen und zusammenzurücken für eine friedliche Gesellschaft." Hamburg Pride plant für den heutigen Nachmittag eine Mahnwache zum Gedenken an die Opfer in Berlin. Einzelheiten zu Ort und Uhrzeit stehen noch nicht fest.
Fahndung nach dem Tatverdächtigen
Nach dem Angriff im Umfeld des CSD in Berlin fahndet die Polizei nach dem Tatverdächtigen. Der Mann war nach bisherigen Erkenntnissen am späten Abend mit hoher Geschwindigkeit in die Parkanlage Tiergarten gefahren und hatte mehrere Menschen erfasst. Eine Frau starb, mindestens 16 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen lebensgefährlich.
Eine oder mehrere Personen sollen sich nach der Tat aus dem Fahrzeug entfernt haben. Zudem sollen mehrere Personen durch Stichwerkzeuge verletzt worden sein. Die Polizei hat jetzt das Foto eines 21 Jahre alten polizeibekannten Islamisten veröffentlicht. Er wurde offenbar erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen. Am Samstag hatten in Berlin Hunderttausende Menschen den Christopher Street Day gefeiert.