Fischereidialog in Hannover: Land Niedersachsen prüft Gebietstausch für Wurster Küste
Nach dem Fischereidialog in Hannover prüft das Land Niedersachsen einen Gebietstausch, um die Existenz der Krabbenfischer an der Wurster Küste zu sichern. Die geplanten fischereifreien Zonen sorgen weiterhin für große Besorgnis in der Region.
Krabben gehören auf das Brötchen, nicht in bürokratische Verbotszonen.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Das Land Niedersachsen prüft im Rahmen der Ausweisung von fischereifreien Zonen im Küstenmeer einen kleineren Gebietstausch vor der Wurster Küste. Dies ist das Ergebnis eines jüngsten Fischereidialogs in Hannover, bei dem Vertreter der Fischerei und der Kommunen ihre Bedenken gegen die geplanten Schutzgebiete äußerten. Während die Fischer um ihre Existenz bangen, signalisierte das Ministerium Bereitschaft, den Alternativvorschlag zu prüfen. Nach den Plänen des Landes sollen zehn Prozent des Küstenmeeres als streng geschützte, fischereifreie Zone ausgewiesen werden. Für die Wurster Küste würde dies erhebliche Einschnitte bedeuten, da die Fischer in ihrem Fanggebiet auf 19 Hektar verzichten müssten. Krabbenfischer Stephan Hellberg aus Dorum, der als Vorstand des Landesfischereiverbandes an dem Dialog in Hannover teilnahm, bewertet die Lage nach dem Treffen als ernst, aber nicht hoffnungslos. Das Land „hat uns mit ins Boot geholt und nicht über unsere Köpfe hinweg entschieden“, betont Hellberg, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Dennoch habe es einen „wirklich konstruktiven Dialog“ gegeben, obwohl sich das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium in einem Spannungsfeld zwischen Fischereiinteressen und den Forderungen der Umweltverbände bewegen. Dass das Land am Zehn-Prozent-Ziel festhalten und nicht über die Vorgaben der EU-Biodiversitätsstrategie hinausgehen wolle, rechnet Hellberg Meyer und Staudte hoch an.
Vorschlag für einen Gebietstausch
Bürgermeister Jörg-Andreas Sagemühl würdigt insbesondere einen Vorschlag von Hellberg, der einen kleineren Gebietstausch für die Fanggebiete vor der Wurster Küste vorsieht. Dieser Ansatz würde die Fischer zwar weiterhin einschränken, könnte jedoch den künftigen Betrieb der Fischerei in der Region sichern. Das Ministerium habe klar signalisiert, diesen Vorschlag prüfen zu wollen. Laut Sagemühl wird der Ansatz zudem von anderen Verbänden unterstützt und von der Nationalparkverwaltung positiv begleitet. „Wenn das das Dialogergebnis ist, dass das geprüft und positiv begleitet wird, wäre ich sehr zufrieden, dann haben sich alle Diskussionen gelohnt“, erklärt der Bürgermeister.
Kleine Kutter und existenzielle Sorgen
Hellberg kritisiert jedoch weiterhin die konkrete Verteilung der geplanten Ruhezonen. Rund 30 Prozent der fangfreien Flächen an der niedersächsischen Küste sollen auf die Wurster Küste entfallen, obwohl dort die kleinsten Kutter stationiert sind. Diese Boote können nicht weit auf die Nordsee hinausfahren und sind auf küstennahe Gebiete angewiesen. Betroffen sind elf Berufsfischer aus Spieka, Dorum und Wremen. Drei Fischer aus Wursten haben bereits Anträge auf die sogenannte Abwrackprämie gestellt. Auch Hellberg plant, einen solchen Antrag einzureichen. Der 59-Jährige betont, dass er für die Zukunft der jüngeren Fischer kämpfe, besonders in Spieka-Neufeld, wo die Lage am kritischsten sei. Zudem hängen an der Krabbenfischerei weitere Berufsgruppen wie Schlosser, Elektriker, Werften, Fischhändler und die Gastronomie.
Bedeutung für den Tourismus
Kurdirektorin Sandra Langheim warnt vor den Auswirkungen auf den Tourismus. Die aktive Kutterfischerei sei zentral für die Attraktivität der Küste. „Die Menschen wollen kein Showprogramm, die wollen einen regulären authentischen Betrieb erleben“, sagt Langheim. Ein Hafen ohne aktive Fischerei verliere sein typisches Flair. Langheim zieht einen Vergleich: „Den Küstenorten ihre Kutterfischerei zu nehmen, ist, wie wenn man den Inseln ihre Dünen und Sandstränden wegnehmen würde.“ Gemeinsam mit anderen Küstenorten stellt sich die Gemeinde an die Seite der Fischer. Hellberg hält Nachbesserungen an der Karte für möglich und betont, dies gelinge „am besten in Absprache mit Naturschutzverbänden“.
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