Unbeachtete Kunstwerke prägen das Schleswiger Stadtbild
In Schleswig finden sich zahlreiche Skulpturen, die im Alltag oft übersehen werden. Hinter den Kunstwerken verbergen sich faszinierende Geschichten und namhafte Künstler.
Kunstwerke im Schattendasein? Da hilft nur: Augen auf beim Stadtspaziergang.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
In Schleswig prägen mehrere Kunstwerke das Stadtbild, deren Entstehungsgeschichten und Hintergründe den Passanten oft verborgen bleiben. Wer aufmerksam durch die Stadt geht, kann Skulpturen namhafter Künstler entdecken, die eine Art Schattendasein führen. Dazu gehören unter anderem eine historische Leihgabe aus Berlin sowie Darstellungen mit biblischen Motiven. Wer mit wachen Augen Schleswig erkundet, kann im Stadtbild auch Skulpturen entdecken, die weitgehend eine Art Schattendasein führen, aber eigentlich Beachtung verdienen. Oft geht man an diesen Kunstwerken vorbei, ohne sie wahrzunehmen und sich Gedanken über ihre Entstehung und die Botschaft zu machen, die von ihnen ausgehen soll. Wie die shz berichtet, handelt es sich dabei um den Fischer in der Plessenstraße am Schleswiger Dom, die Plastik der beiden Kinder vor dem Amtsgericht im Lollfuß, die „Liegende“ im Patio-Hof und „Der Jüngling“ in der kleinen Grünanlage in der Bellmannstraße.
Eine Leihgabe aus Berlin
Die mit deutlichem Abstand älteste Skulptur dieses künstlerischen Quartetts ist die Figur eines Jünglings, geschaffen aus Bronze Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts von Bildhauer und Medailleur August Kraus. Zu Füßen des jungen Mannes sind – eingraviert in die Bronzeplatte – die Jahreszahlen 1900 und 1913 zu lesen. Kraus beschickte Jahr um Jahr Ausstellungen der Berliner Sezession, deren Vizepräsident er in den 1910er-Jahren war. Unter den von der zeitgenössischen Kunstkritik hervorgehobenen Exponaten zählte auch „Der Jüngling“. Die Bronzefigur sei – so ein Kunstexperte – Ausdruck „wohl abgewogener Kunst“. Ein anderer Kritiker schrieb kurz und bündig: „Die Bronzegestalt eines Jünglings ist ausgezeichnet.“ Im Jahr 1916 kam die Statue als Dauerleihgabe der staatlichen Nationalgalerie in Berlin nach Schleswig. Sie fand ihren Platz zunächst vor dem damaligen Regierungsgebäude, dem heutigen Oberlandesgericht, und wurde später in die Bellmannstraße im sogenannten Beamtenviertel versetzt. Zeitweise musste die Stadtverwaltung jährlich gegenüber der Nationalgalerie Rechenschaft ablegen über den Zustand der Skulptur.
Biblisches Motiv und moderne Kunst
Eine völlig andere Körperhaltung als der aufrecht stehende Jüngling nimmt die Figur eines Fischers ein, der auf einer Backsteinmauer an der Plessenstraße vor dem St.-Petri-Dom hockt. Dabei handelt es sich um eine Bronzearbeit, die Potsdamer Bildhauer Carl Constantin Weber im Jahr 2015 schuf. Die Figur stellt den Apostel Petrus dar, in den Händen einen Fisch mit einer Münze im Maul haltend. Das Motiv bezieht sich auf das Matthäus-Evangelium, Kapitel 17, Verse 24 und 25. Darin geht es um die Entrichtung der Tempelsteuer in Kapernaum am See Genezareth. Jesus empfiehlt Petrus: „Geh an den See und wirf die Angel aus. Dem ersten Fisch, den du fängst, öffne das Maul. Du wirst darin genau die Münze finden, die du für deine und meine Abgabe brauchst. Bezahle damit die Tempelsteuer.“ Die religiös begründete Darstellung hat zudem einen starken Bezug zur alten Fischersiedlung am Holm.Aus dem Jahr 1986 stammt eine Bronzeskulptur, die der Passant nur dann entdeckt, wenn er sie gezielt sucht oder zufällig den Innenhof des Gebäudes Lollfuß 3 betritt. „Liegende“ heißt dieses Werk, geschaffen von Bildhauer Jörg Plickat, einem der renommiertesten zeitgenössischen Bildhauer in Deutschland. Skulpturen von ihm, meist großformatige Objekte, stehen im öffentlichen Raum in zahlreichen Ländern auf vier Kontinenten – wie hier in Schleswig. Die Plastik im Eingangsbereich des „Patio“-Hofes zeigt in stilisierter Form einen Frauenkörper, der in sogenannter „klassischer Pose“ auf einem steinernen Sockel ruht. Bildhauer Jörg Plickat lebt und arbeitet in Bredenbek bei Rendsburg.
Kinder im Regen
Wenige hundert Meter weiter im Lollfuß, im vorderen Bereich des Parks vor dem Amtsgericht, ist eine weitere bemerkenswerte Skulptur zu finden: Der Brunnen „Kinder unterm Regenschirm“ oder „Kinder im Regen“ zeigt eine in Bronze gegossene Plastik, die Künstler Frido Graziani in den 1980er-Jahren schuf. Er modellierte zwei Kinder – ein Mädchen und einen Jungen –, die unter einem Regenschirm eng zusammenstehen, während das Wasser von dem Schirm in das offene Wasserbecken rinnt. Diese possierliche Figurengruppe wurde in einer größeren Auflage erstellt und ist auch in anderen Städten zu finden, zum Beispiel in Binz auf Rügen und Neuenburg am Rhein.
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