Sylt als Filmkulisse: Von ZDF-Krimis bis zu Hollywood-Produktionen
Die Nordseeinsel Sylt dient seit Jahrzehnten als Kulisse für nationale und internationale Filmproduktionen. Neben bekannten deutschen Krimis lockt die raue Landschaft auch immer wieder Regisseure aus Hollywood an.
Seit 2011 ist die ZDF-Krimireihe „Nord Nord Mord“ eng mit Sylt verbunden, wie die shz berichtet. Nahezu jede Folge wird zu großen Teilen auf der Insel gedreht, wobei Orte wie Westerland, Kampen, Keitum, Hörnum, Morsum oder List regelmäßig zu sehen sind. Mittlerweile gehört die Insel so sehr zur Reihe, dass Schauspieler Oliver Wnuk sie liebevoll als „vierte Hauptdarstellerin“ bezeichnet. Dem ZDF widmete der Sender sogar eine eigene Backstage-Dokumentation über die Dreharbeiten zwischen Sturm, Regen und Sonnenschein.
Erfolgreiche deutsche Krimis und Hollywood-Glanz
Den wohl größten Glamour brachte Hollywood im Jahr 2009 auf die Insel. Regie-Legende Roman Polanski entschied sich für Sylt als einen der Drehorte seines Politthrillers „Der Ghostwriter“. Für den Film standen unter anderem Ewan McGregor, Pierce Brosnan und Kim Cattrall vor der Kamera. Gedreht wurde zwar auch in Babelsberg, Berlin und auf anderen Nordseeinseln – doch wichtige Szenen entstanden am Ellenbogen in List, am Fähranleger sowie rund um das Munkmarscher Fährhaus. Dass ausgerechnet Sylt ausgewählt wurde, hatte einen besonderen Grund: Im Film soll die Landschaft eigentlich die US-Insel Martha‘s Vineyard darstellen. Weil Dreharbeiten in den USA für Polanski damals nicht infrage kamen, suchte die Produktion nach einer ähnlich rauen Küstenlandschaft – und wurde auf Sylt fündig. Wind, dunkle Wolken und das wechselhafte Nordseewetter lieferten genau die Atmosphäre, die der Thriller brauchte.
Internationale Dramen und historische Kulissen
Auch der Science-Fiction-Film „Womb“ nutzte Sylt als Drehort. Für das düstere Drama mit Eva Green und Matt Smith entstanden 2010 unter anderem Aufnahmen in List sowie am Roten Kliff bei Kampen. Die raue Küstenlandschaft der Insel unterstreicht im Film die melancholische Stimmung der Geschichte um eine Frau, die nach dem Tod ihres Partners zu einem verbotenen Klon-Experiment greift.
Im Herbst 2024 wurde Sylt zudem für den Kinofilm „Der Heimatlose“ zur Kulisse. Am Lister Ellenbogen entstanden Szenen für das Historiendrama von Regisseur Kai Stänicke. Hauptdarstellerin Margarita Broich kennt die Insel dabei nicht nur als Drehort, sondern lebt seit 2020 mit ihrem Ehemann in List. Für den Film verwandelte sich der Ellenbogen in eine Inselwelt des 19. Jahrhunderts. „Alles, was mit Wasser zu tun hat, wird auf Sylt gedreht“, erklärte Regisseur Kai Stänicke damals am Set. Weitere Szenen entstanden auf Norderney.
Die Vielseitigkeit der Insel
In jüngster Zeit bekam Sylt wieder Besuch aus Hollywood. Im Frühjahr 2024 wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen am Ellenbogen und in List für den Action-Thriller „Control“ gedreht. Neugierige Insulaner rätselten zunächst sogar, ob Hugh Jackman auf der Insel sei. Tatsächlich stand jedoch James McAvoy, bekannt aus den „X-Men“-Filmen, „Split“ oder „Abbitte“, vor der Kamera. Welche Rolle Sylt im fertigen Film genau spielt, wurde während der Dreharbeiten geheim gehalten.
Für den Kinofilm „Gut gegen Nordwind“ mit Nora Tschirner und Alexander Fehling entstanden ebenfalls Szenen auf Sylt. Gedreht wurde 2018 an verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein, wobei Sylt einer der wichtigsten Schauplätze war.
Dass Sylt regelmäßig als Drehort ausgewählt wird, ist kein Zufall. Die Insel vereint auf engem Raum Kulissen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: endlose Sandstrände, hohe Dünen, schroffe Steilküsten, Wattlandschaften, Leuchttürme, exklusive Villen, kleine Reetdachdörfer und moderne Promenaden. Hinzu kommt das besondere Nordseelicht. Innerhalb weniger Minuten kann die Stimmung von strahlendem Sonnenschein zu dramatischen Gewitterwolken wechseln – ein Effekt, für den Filmproduktionen andernorts oft aufwendige Technik benötigen. Genau deshalb funktioniert Sylt in Filmen mal als mondäne Ferieninsel, mal als einsame Küstenlandschaft oder – wie im Hollywood-Thriller „Der Ghostwriter“ – sogar als amerikanische Atlantikinsel.