Streit um Baumfällungen auf den Eiderdeichen: Naturschützer fordern Gesamtplanung
Mit einem offenen Brief protestieren Naturschutzverbände gegen die geplante Rodung von Bäumen auf einer Länge von 50 Kilometern entlang der Eider. Sie befürchten schwere Schäden für die Tierwelt, während die Behörden auf den Hochwasserschutz verweisen.
Deich ohne Bäume ist wie Küste ohne Wind – büschen nackt, aber hält trocken.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Eine Gruppe von Naturschützern protestiert mit einem offenen Brief gegen die geplante Fällung sämtlicher Bäume auf den Eiderdeichen. Betroffen ist eine rund 50 Kilometer lange bewachsene Deichlinie von der Schleuse Nordfeld bei Friedrichstadt bis nach Lexfähre. Während die Umweltschützer den Verlust einzigartiger Lebensräume beklagen, verweisen die zuständigen Stellen auf die gesetzliche Pflicht zum Hochwasserschutz. In dem Schreiben äußern die Initiatoren große Sorge über die Pläne und warnen davor, dass eine großflächige Rodung „das vertraute und landschaftsprägende Bild tiefgreifend zerstören“ würde. Die Altbaumbestände seien einzigartige Habitate für Insekten, Fledermäuse und Vögel. „In einer Zeit des massiven Artensterbens kann es nicht im öffentlichen Interesse sein, unzählige Brut- und Rastplätze vieler Tierarten unwiederbringlich und ohne Ersatzmaßnahmen zu zerstören“, heißt es in dem Brief, über den die shz berichtet. Zudem befürchten die Verfasser, dass eine fehlende Verschattung der Uferzonen zu steigenden Wassertemperaturen und Sauerstoffmangel in der Eider führen könnte.
Forderung nach einer Gesamtplanung
Die Naturschützer betonen, dass der Hochwasserschutz unstrittig oberste Priorität genieße. Allerdings erklären sie: „Die Behauptung, es gäbe hierbei keinerlei rechtlichen Spielraum für den Erhalt von Naturstrukturen, verkennt die Pflicht zur qualifizierten Abwägung widerstreitender Rechtsgüter.“ Der offene Brief fordert daher eine „interdisziplinäre Gesamtplanung“ ein. Dabei müsse der lokale Frieden mit der Bevölkerung gewahrt und eine abschnittsbezogene, aktuelle Gefährdungsanalyse vorgelegt werden, „statt unreflektiert vollendete Tatsachen mittels Kahlschlags schaffen zu wollen“.
Verband verweist auf Rechtslage
Dass die Arbeiten unüberlegt durchgeführt würden, wies Geschäftsführer des Eider-Treene-Verbands Martin Matzdorf bereits in der Vergangenheit zurück. Der für die Deichunterhaltung zuständige Verband verweist auf die geltende Rechtslage. Laut Landeswassergesetz ist es „verboten, auf oder in dem Deich (…) Bäume oder Sträucher zu pflanzen“. Zudem sei derjenige, der für die Unterhaltung des Deiches zuständig ist, verpflichtet, „für den Deich schädliche Tiere und Pflanzen zu bekämpfen“.
Auch Leiter der unteren Naturschutzbehörde und Vertreter der Aufsichtsbehörde des Verbands beim Kreis Schleswig-Flensburg Thorsten Roos äußerte sich ähnlich. „Der Deich ist ein technisches Bauwerk. Da gehören Bäume nicht hin“, erklärte er mit Verweis auf den Hochwasserschutz. „Wir haben eine Verantwortung für die Menschen dort.“ Dennoch habe er den Natur- und Artenschutz im Blick. Der Kreis hatte im Frühjahr eine Kartierung des Baumbestands per Drohne veranlasst. Die Rodungen selbst sollen sich über einen Zeitraum von einem Jahrzehnt hinziehen.
Unterzeichnet wurde der offene Brief von Vorsitzender des BUND Flensburg-Schleswig Rainer Borcherding. Zu den Mitzeichnern gehören die BUND-Gruppen aus Nordfriesland und Dithmarschen, der Naturschutzverein Süderstapel, der hiesige Kreisverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sowie verschiedene Einzelpersonen.
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