Röntgenbilder von Muscheln im Wremer Museum ausgestellt
Der Radiologe Thomas Magin zeigt im Kuriosen Muschelmuseum Wremen außergewöhnliche Röntgenaufnahmen von Muscheln. Die Ausstellung gewährt einen tiefen Blick in die verborgenen Strukturen der Meeresbewohner.
Thomas Magin lebt in Essen, stammt ursprünglich aus der Pfalz und arbeitet seit rund 30 Jahren im Ruhrgebiet als Radiologe. Bereits vor mehr als einem Vierteljahrhundert begann er, sich für Röntgentechnik abseits des medizinischen Einsatzes zu interessieren. „Ich habe damals schon die eine oder andere Blume geröntgt, um zu gucken, wie das aussieht“, erzählt der 60-Jährige. Nach einer längeren Pause, in der Beruf und Alltag den künstlerischen Impuls verdrängten, fand er vor gut zwei Jahren zurück zu seinen künstlerischen Experimenten.
Vom medizinischen Alltag zur Kunst
Auf der Suche nach einer systematischeren Arbeitsweise lernte er Fotograf Sacha Goerke kennen. Aus Gesprächen über Bilder, Formen und Perspektiven entstand schließlich die Idee, Muscheln im Röntgenbild festzuhalten. Für Magin haben Fotografieren und Röntgen viele Gemeinsamkeiten, da beide Techniken mit Strahlen arbeiten und Dinge sichtbar machen. „Allerdings macht die Radiografie genau das Gegenteil von Fotografie“, sagt er, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Während die Kamera die Oberfläche zeigt, dringt die Radiografie hindurch und legt frei, was sonst verborgen bleibt. Gerade Muscheln eignen sich dafür besonders, da ihr Inneres verborgen bleibt. „Man weiß einfach nicht, was drin steckt, bevor man es nicht gesehen hat – durch das Röntgen.“Charakterstarke Muscheln im Röntgenlicht
Der Kontakt zum Wremer Muschelmuseum kam über Goerke zustande, der mit Leiter des Verkehrsvereins des Nordseebades Wremen Jan-Hinrik Dircksen bereits mehrere Fotoseminare organisiert hatte. So entstand die Idee, einzelne Objekte der mehr als 3.000 Objekte umfassenden Sammlung des Kuriosen Muschelmuseums auszuleihen. Magin suchte zusammen mit Goerke 24 Muscheln aus. „Nicht nach Größe, sondern nach Charakter“, erzählt der Radiologe. Dabei seien oft die kleinsten am spannendsten gewesen, da sie vergrößert ein erstaunliches Innenleben offenbarten.Geröntgt wurden die Muscheln später im Ruhrgebiet, außerhalb der Arbeitszeiten, in einer befreundeten Praxis. Sorgen, die Objekte zu beschädigen, musste niemand haben, da die Vorsicht bei Röntgenstrahlung dem Menschen gilt und nicht der toten Muschel. Am Ende entstanden Bilder, die selbst Magin überrascht haben. Jedes Stück ist ein Unikat. Sein Favorit ist die Nautilus. „Sie hat einen inneren Rhythmus, wird nach innen immer kleiner, aber immer in derselben Gestalt.“ Bei der Nautilus handelt es sich eigentlich um den einzigen heute lebenden Tintenfisch, der eine vollständige, feste äußere Schale besitzt.
Dass die Arbeiten schwarz-weiß geblieben sind, ist Absicht, da Farbe laut Magin nur ablenken würde. So treten Formen und Strukturen umso deutlicher hervor. Für Magin ist das alles kein zweiter Beruf, sondern ein Hobby. „Für mich ist das ein Hobby“, sagt er.
Die Ausstellung „Verborgene Strukturen. Die radiografische Schönheit der Muscheln.“ wird am Sonntag, 26. Juli, um 17 Uhr im Kuriosen Muschelmuseum in der Straße Zur alten Schule 3 in Wremen eröffnet. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet.