Finanzierungslücke bei der Rader Hochbrücke gefährdet zweiten Bauabschnitt
Obwohl das erste Teilstück der neuen Rader Hochbrücke bald befahrbar ist, fehlt für das zweite Bauwerk noch das Geld vom Bund. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister warnt vor einem jahrelangen Nadelöhr auf der A7.
Eine halbe Brücke hilft uns auch nicht über den Kanal. Her mit den Kohlen!
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Der Ersatzneubau der Rader Hochbrücke auf der Autobahn 7 bei Rendsburg steht vor finanziellen Problemen, da für das zweite Teilbauwerk derzeit das Geld fehlt. Während das erste Teilstück Ende des Jahres für den Verkehr freigegeben werden soll, ist die Anschlussfinanzierung durch den Bund noch ungesichert. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister warnt vor erheblichen Verzögerungen und steigenden Kosten. Erst vor rund einer Woche wurde das verbindende Mittelstück für das erste Bauwerk der neuen Rader Hochbrücke eingehoben. Ab Ende des Jahres soll der Verkehr der A7 über diese neue Brücke fließen, damit im kommenden Jahr der Abriss des benachbarten alten Brückenbauwerks und anschließend 2028 der Bau der zweiten Brückenhälfte starten kann. Doch genau für diesen Neubau steht die Finanzierung aktuell noch nicht, wie das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Auch laufende Projekte seien mit den aktuellen Mitteln "noch nicht vollumfänglich durchfinanziert", heißt es in einem Antwortschreiben des Ministeriums, über das auch die Tagesschau berichtet. Der Bund verweist darin auf die angespannte Haushaltslage und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig sei der Baupreisindex für den Bundesfernstraßenbau seit 2021 um rund 40 Prozent gestiegen. Dieser Mehrbedarf stelle den Bund vor erhebliche Herausforderungen, so das Ministerium.
Bedeutung des Projekts und Kritik aus Kiel
Das Bundesverkehrsministerium messe dem Projekt dennoch eine "hohe Bedeutung" bei, heißt es weiter. Gemeinsam mit der Autobahn GmbH des Bundes wolle man sich auch weiter für die Realisierung des Neubaus der Rader Hochbrücke und somit für den sechsstreifigen Ausbau der Autobahn 7 bei Rendsburg im Kreis Rendsburg-Eckernförde einsetzen. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) drängt jedoch auf eine schnelle Bereitstellung der Mittel. "Eine halbfertige Rader Brücke wäre ein Offenbarungseid", sagte Madsen der dpa. Er mahnt, das Geld bereitzustellen. Ihm zufolge sollen künftig über 60.000 Fahrzeuge über den Autobahnabschnitt rollen, und er spricht in diesem Zusammenhang von einem "Straßen-Hochleistungskorridor Richtung Skandinavien". Der Neubau der Rader Hochbrücke sei ein durchgeplantes und bisher im Zeitplan befindliches "Vorzeige-Projekt", betonte der Minister weiter.
Sorgen um Kosten und Zeitplan
Sollte sich die Finanzierung für das zweite Brückenbauwerk verschieben, könnte nach Madsens Ansichten das Rendsburger Kreuz über Jahre zum Nadelöhr werden. Außerdem befürchtet er, dass durch die stetigen Preissteigerungen in wenigen Jahren der Kostenrahmen und vermutlich auch der Zeitplan nicht mehr eingehalten werden könnten. In einem Brief an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) drängt er darauf, das Bauwerk vollständig fertigzustellen. Der Bund will der Autobahn GmbH nun ermöglichen, Kredite aufzunehmen, und hat einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt. So sollen zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur ab 2027 möglich sein, teilte das Bundesverkehrsministerium mit.
Hintergrund und Kosten des Großprojekts
Die neue Rader Hochbrücke zwischen dem Kreuz Rendsburg und dem Anschluss Büdelsdorf soll bisherigen Angaben zufolge insgesamt rund 900 Millionen Euro kosten. Etwa 300 Millionen Euro kostete das erste, jetzt fertiggestellte Teilstück. Bis 2031 soll auch das zweite Bauwerk fertiggestellt sein. Die in den Jahren 1969 bis 1972 erbaute Rader Hochbrücke muss einem Neubau weichen, nachdem 2013 bei einer Routineprüfung starker Verschleiß am Beton festgestellt wurde. Sachverständige bescheinigten eine Restnutzungsdauer bis Ende 2026. Aktuell rollen laut DEGES rund 54.000 Fahrzeuge pro Tag über das 1.500 Meter lange Bauwerk, welches den Verkehr der A7 über den Nord-Ostsee-Kanal führt.
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