Traditionelles Reisgericht „Jan im Sack“ begeistert Gäste im Melkhus Seeverns
Annemarie Cornelius, Betreiberin des Melkhus in Seeverns, teilt das historische Rezept „Jan im Sack“. Die traditionelle Speise aus dem 16. Jahrhundert erfreut sich bei ihren Gästen großer Beliebtheit.
„Ich habe dabei an etwas Traditionelles gedacht“, sagt Annemarie Cornelius über das Rezept, das sie mit der Kreiszeitung Wesermarsch teilen möchte: „Jan im Sack“. Woher der Name stammt, weiß Betreiberin des Melkhus in Seeverns Annemarie Cornelius zwar nicht, doch bei den Teilnehmern der 3K-Tour kommt das Gericht besonders gut an, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Die 3K-Tour verbindet Kirche, Kunst und Küche. Nach einem Besuch der Langwarder Kirche und einer Klanginstallation endet die Tour bei Annemarie Cornelius in der Scheune, die ihren Gästen ein Abendessen nach Rezepten aus der Zeit von Martin Luther serviert.
Traditionelles Reisgericht aus dem 16. Jahrhundert
„Jan im Sack“ ist ein traditionelles Reisgericht, erklärt Cornelius. Reis war bereits im 16. Jahrhundert als Importware erhältlich und fand so seinen Weg in die Küche. Für die Zubereitung wird der Reis zusammen mit Backpflaumen und Rosinen in ein Tuch eingeschlagen und anschließend gekocht. Serviert wird das Gericht mit einer Mischung aus Zimt und Zucker sowie einer Buttersoße.Wenn Gäste bei ihr einkehren, sorgt „Jan im Sack“ regelmäßig für Begeisterung. Besonders das feierliche Auspacken des in ein Tuch gehüllten Gerichts sei jedes Mal ein Höhepunkt. „Das Rezept lässt sich hervorragend vorbereiten“, sagt Annemarie Cornelius. Gerade an heißen Sommertagen sei das ein großer Vorteil, da dann nicht lange in der Küche gestanden werden müsse. „Die Pflaumen hatte man damals im Garten und die Rosinen waren auch importiert“, sagt sie im Bezug auf das Essen im 16. Jahrhundert.
Kocherfahrung und das Melkhus in Seeverns
Kochen gehört schon immer zu Annemarie Cornelius Leben dazu: „Ich habe immer für einen großen Haushalt gekocht“. Gemeinsam mit dem Förderkreis Museum Butjadingen hat sie sogar mit weiteren Mitgliedern 1988 das „Butjenter Kokbook“ herausgebracht. Es ist schön, alte Rezepte bewahren zu können und macht auch Spaß. „Für den Alltag brauche ich kein Kochbuch“, sagt sie. Da werden die Rezepte einfach aus dem Ärmel geschüttelt. „Es gibt ja Grundrezepte, die kann man immer kochen und kennt sie ja sowieso“, sagt sie.Auch die Kleinigkeiten, die es in ihrem Melkhus gibt, kennt sie in- und auswendig. Dort können Gäste in dem liebevoll angelehnten Garten, der an eine Szene aus einem verwunschenen Wald eines Märchenbuchs erinnert, Buttermilch in jeglicher Form genießen. „Bei gutem Wetter mit netten Leuten zu kontaktieren und das Gefühl zu entwickeln, dass sie hinterher glücklich nach Hause fahren“, so beschreibt sie, wie ein perfekter Tag in ihrem Melkhus aussieht. Seit 2003 gehört das Melkhus zu ihrem Alltag. Fünf Jahre später, im Jahr 2008, wurde das Angebot erweitert: Seitdem können Paare auch in der angrenzenden Scheune heiraten.
Melkhüs befinden sich grundsätzlich auf landwirtschaftlichen Betrieben, werden jedoch ganz unterschiedlich geführt. Während einige ausschließlich auf Selbstbedienung setzen, bedienen andere ihre Gäste persönlich. Im Melkhus von Annemarie Cornelius stehen neben klassischen Milchgetränken auch ausgefallene Eigenkreationen auf der Speisekarte – etwa das Getränk „Soforthilfe“, das aus Eiskaffee, Sahne und Eierlikör besteht. Oder ein Glas „Frische Brise“, Buttermilch mit Limettensirup und Sahne. „Manches habe ich gemeinsam mit den Gästen entwickelt“, erzählt sie.
Eine besondere Tradition für Stammgäste
„In diesem Jahr war wieder eine Familie hier, die inzwischen ihren 16. Hochzeitstag bei uns feiert“, erzählt Annemarie Cornelius mit einem Lächeln. Kennengelernt hat sie die Familie an ihrem Hochzeitstag – denn geheiratet wurde damals ebenfalls in Seeverns. „Wenn sie kommen, setzen sie sich gleich dort hinten auf die Bank und ich stelle schon mal das Teewasser an“, sagt Cornelius. Die Familie kennt den Garten rund um das Melkhus inzwischen bestens. Die Kinder hat sie über die Jahre hinweg aufwachsen sehen.Zum Abschied gehört eine kleine Tradition dazu: Jedes Jahr macht Annemarie Cornelius ein Familienfoto – immer am selben Ort, vor der grünen Tür mit den rautenförmigen Fenstern im idyllischen Garten. Dort finden auch regelmäßig Trauungen statt. So entsteht Jahr für Jahr eine ganz besondere Erinnerung.