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Sylter Stadtbücherei stellt sich digital und gesellschaftlich neu auf

Unter der Leitung von Jan-Christian Sangkuhl verbindet die Bibliothek auf Sylt digitale Angebote mit sozialem Austausch. Trotz veränderten Leseverhaltens bleibt die Nachfrage hoch.

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Bücher leihen statt kaufen – spart Geld für ein ordentliches Fischbrötchen auf Sylt. — Rocky, Chefkolumnist
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Die Stadtbücherei auf Sylt stellt sich unter der Leitung von Jan-Christian Sangkuhl auf die digitale Zukunft ein. Neben dem Ausbau digitaler Medien soll die traditionsreiche Institution verstärkt als gesellschaftlicher Treffpunkt etabliert werden. Trotz veränderten Konsumverhaltens verzeichnet die Bibliothek weiterhin eine vielfältige und treue Nutzerschaft.
Bibliotheksleiter Jan-Christian Sangkuhl, erster Akademiker seiner Familie, ehemaliger Marinesoldat und leidenschaftlicher Bodyboarder, leitet die Bibliothek auf Sylt seit über zehn Jahren. Er bringt eine Art entspannten „Aloha-Spirit“ von weltweiten Surf-Hotspots direkt in die Regalgänge in der Stephanstraße 6b in Westerland. Seine Mission ist es, die traditionsreiche Insel-Institution fit für die Zukunft zu machen.

Aufgewachsen in Süderbrarup als Sohn eines Schiffbauers, fand Sangkuhl über Umwege zum Bibliothekswesen. Nach seiner Zeit bei der Marine in Flensburg studierte er in Hamburg an der Fachhochschule für Bibliothekswesen und leitet seit 2013 die Stadtbücherei auf Sylt, die durch ihre Lage einzigartig ist. „Unsere Klientel ist extrem heterogen. Vom Geflüchteten bis zum Millionär kommen die Leute zu uns – und das aus ganz Europa“, erklärt Sangkuhl, wie die shz berichtet.

Ein breites Angebot für ein vielseitiges Publikum

Die Besucher nutzen den starken Medienbestand von rund 15.000 Einheiten. Die Jahreskarte kostet gerade einmal 25 Euro – ein Preis, „den manche vermögende Gäste anfangs irrtümlich für die Monatsgebühr hielten“, sagt Sangkuhl. Sein langfristiger Traum wäre sogar eine komplett kostenfreie Nutzung nach skandinavischem Vorbild: „Es geht uns in einer Non-Profit-Einrichtung nicht ums Geld, sondern darum, den Menschen Bildung und Hilfe zu bieten.“

Ein Trend aus der Corona-Zeit, der sich weiter fortgesetzt hat, ist die Nutzung digitaler Medien. Diese machen aktuell ein Drittel der Nutzer aus, darunter E-Books, Hörbücher, Kinder-Tonieboxen oder andere Medien. „Gleichzeitig kommen viele Gäste direkt vom Bahnhof und machen sich erst mal den Bollerwagen voll für ihren vier- oder sechswöchigen Aufenthalt“, erzählt Sangkuhl schmunzelnd. „Es ist einfach en vogue zu sagen: Wir kaufen es nicht, wir leihen das.“

Veränderte Nachfrage und neue Ziele

Neben Psychologie und Medizin ist vor allem Regionales absolut gefragt. „Alles, was historisch ist, unser Sonderbestand ‚Altes Sylt‘, Bücher über die Inselbahn oder die NS-Zeit – danach fragen die Leute intensiv“, so Sangkuhl. Am Ende geht es vielen Urlaubseltern aber auch um ein ganz pragmatisches Ziel: „Hauptsache, man hat genug Lesestoff, um die Kinder nach dem Strandtag gut ins Bett zu kriegen.“

Das Interesse am klassischen Sachbuch hat insgesamt stark nachgelassen. „Die könnten wir im Grunde fast komplett aus dem Angebot streichen“, so Sangkuhl. Ein Ende der Bibliothek als besonderer Raum auf Sylt und in der Gesellschaft sei das noch lange nicht. Sangkuhl sieht dieses veränderte Konsumverhalten als Auftrag. Sein Ziel ist es, die Bibliothek neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz noch viel stärker als einen weiteren Raum zum Verweilen und Netzwerken zu verwandeln. Büchereien werden heute an ihrer echten Aufenthaltsqualität gemessen, statt nur an Ausleihzahlen. „Bibliotheken rechnen sich vielleicht nicht immer betriebswirtschaftlich, aber sie zahlen sich gesellschaftlich immer aus“, sagt Sangkuhl.

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