Streit um fischereifreie Zonen im niedersächsischen Wattenmeer
In Hannover beraten das Land, Fischer und Umweltverbände über geplante Fangverbote im Wattenmeer. Während Umweltschützer die Pläne als unzureichend kritisieren, fürchten Fischer um ihre Existenz.
Wie die Tagesschau berichtet, sieht ein Vorschlag des Umwelt- und des Landwirtschaftsministeriums vor, zehn Prozent des niedersächsischen Küstenmeeres als strenge Schutzgebiete auszuweisen. Demnach soll das Fischen unter anderem in Gebieten nördlich von Borkum, südöstlich von Wangerooge, im östlichen Jadebusen sowie vor Teilen der Wurster Nordseeküste künftig untersagt werden. Diese Vorschläge werden nun im Rahmen des sogenannten „Fischereidialogs“ mit den beteiligten Verbänden und Organisationen erörtert.
Kritik von Umweltverbänden
Dem Umweltverband WWF gehen die vorgeschlagenen Flächen nicht weit genug, da das Küstenmeer dadurch nicht ausreichend geschützt werde. „Die jetzt von den Behörden angekündigten Flächen können nur ein erster Schritt sein“, so Meeresschutzexpertin Catherine Zucco, die den WWF im Fischereidialog vertritt. Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) äußert Kritik an den Plänen. DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner fordert: „Grundschleppnetze müssen raus aus dem Wattenmeer“. Die negativen und langfristigen Auswirkungen der Krabbenfischerei seien wissenschaftlich belegt, und gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz müsse in einem Nationalpark eine ungestörte Entwicklung der Natur im überwiegenden Teil möglich sein.
Widerstand der Fischer
Auf der anderen Seite stoßen die Pläne bei den Fischern auf Widerstand. Laut Gerold Conradi vom Landesfischereiverband Weser-Ems handelt es sich bei den ausgewählten Gebieten oft um die „Hotspots“, in denen viele Küstenfischer hauptsächlich fischen und ihr Geld verdienen. „Wir sehen andere Gebiete, die wir abgeben könnten“, so Conradi. Es bestehe noch sehr viel Gesprächsbedarf. Die Fischer beabsichtigen daher, beim Fischereidialog eigene Gebietsvorschläge einzubringen.