Zahl der Wohnmobil-Diebstähle in Schleswig-Holstein steigt
In Schleswig-Holstein werden wieder vermehrt Wohnmobile gestohlen. Experten von LKA und ADAC raten Besitzern zu einer Kombination aus mechanischen und elektronischen Sicherungssystemen.
In Schleswig-Holstein verzeichnet das Landeskriminalamt einen Anstieg bei den Diebstählen von Wohnmobilen. Im vergangenen Jahr wurden im nördlichsten Bundesland 27 Camping-Fahrzeuge entwendet, was einen Gesamtschaden von 1,15 Millionen Euro verursachte. Experten raten Besitzern dringend zu verbesserten Sicherungsmaßnahmen, um das Diebstahlrisiko zu minimieren. Schleswig-Holstein weist bundesweit die höchste Dichte an Camping-Fahrzeugen auf. Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) sind aktuell knapp 3,7 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge im Land Wohnmobile, was mehr als 64.000 Fahrzeugen entspricht. Bundesweit liegt diese Quote bei lediglich 2,1 Prozent. Doch die rollenden Ferienhäuser sind auch bei Dieben begehrt, wie die Tagesschau berichtet. Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) stieg die Zahl der Diebstähle im vergangenen Jahr auf 27 Fahrzeuge an – der höchste Wert seit 2022. Einen klaren regionalen Schwerpunkt gibt es laut LKA nicht, allerdings waren Kiel und Lübeck im Jahr 2025 stärker betroffen. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls bei Camping-Kraftfahrzeugen generell mehr als dreimal so hoch wie bei normalen Pkw. Bundesweit entsteht dadurch jedes Jahr ein Gesamtschaden von rund 24 Millionen Euro.
Vorgehen der Täter und geringe Aufklärungsquote
Hinter den Taten stecken nach Einschätzung des LKA fast immer Täter, die Aufträge ausführen und es gezielt auf neue, hochwertige Wohnmobile abgesehen haben. „Fahrzeuge werden vermutlich häufig im Vorfeld durch die Täter ausgespäht, sodass notwendige Tatwerkzeuge gezielt mitgeführt werden“, erklärt LKA-Sprecherin Katharina Philipsen. Trotz ihres hohen Wertes seien Wohnmobile vergleichsweise leichte Beute und einfacher zu knacken als moderne Pkw. Meist wird das Türschloss manipuliert, die Abdeckung des Sicherungskastens entfernt und das Fahrzeug mit einem falschen Schlüssel im Zündschloss kurzgeschlossen. Da viele Besitzer den Diebstahl erst am nächsten Morgen bemerken, haben die Täter einen großen Vorsprung. Die Aufklärungsquote lag im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein bei knapp 15 Prozent. Alle georteten Fahrzeuge wurden in Polen oder auf dem Weg dorthin sichergestellt.
Mechanische und elektronische Sicherungen im Vergleich
Sowohl das LKA als auch der ADAC in Schleswig-Holstein raten dazu, Camper möglichst schwer zugänglich abzustellen. ADAC-Sprecher Rainer Pregla empfiehlt einen Mix aus mechanischen Barrieren und elektronischer Überwachung. Alarmanlagen oder andere elektronische Sicherungen sollten möglichst von Fachbetrieben eingebaut werden, meint Pregla mit Blick auf die seit Juli 2026 geltende europäische Sicherheitsverordnung GSR II, die Nachrüstungen durch eine höhere elektronische Komplexität erschwert. Mechanische Sicherungen wie Rad- und Lenkradkrallen oder Pedalsperren bieten laut Pregla eine zusätzliche, sichtbare Hürde mit abschreckender Wirkung. Zusatzschlösser und Sicherheitsriegel für Türen und Fenster, die laut GDV gerne aufgehebelt werden, sind ebenfalls nützlich.
Technische Ortung und Absicherung durch Versicherungen
Als wirksamste technische Maßnahme empfiehlt das LKA versteckt eingebaute GPS-Tracker. Diese verhindern den Diebstahl zwar nicht, erhöhen aber die Chance auf eine Ortung. GPS-Tracker ermöglichen weltweites Tracking in Echtzeit, erfordern jedoch eine SIM-Karte und verursachen neben Anschaffungskosten von 150 bis 200 Euro meist monatliche Abo-Gebühren. Günstigere Bluetooth-Tracker (ca. 20 Euro) eignen sich wegen herstellerseitiger Anti-Stalking-Maßnahmen nur bedingt. Alarmanlagen können nachgerüstet werden, wobei der Einbau laut ADAC durch einen Fachbetrieb erfolgen sollte. Der Caravanpark in Osterrönfeld verlangt für den Einbau eines Komplettsystems nach eigenen Angaben etwa 3.350 Euro. Der schleswig-holsteinische Anbieter Thitronik in Eckernförde vertreibt Systeme für knapp 500 Euro ohne Einbau sowie ein Modell für Selbstausbauer für 300 Euro. Bei einem Diebstahl greift die Teilkasko-Versicherung. Laut GDV deckt diese auch Schäden durch Feuer, Naturgewalten, Wild und Glasbruch ab. Bei einem Einbruch übernimmt die Teil- oder Vollkasko jedoch nur Schäden an fest verbauten Teilen wie Kühlschränken oder Bordcomputern. Loses Inventar wie Laptops oder E-Bikes muss separat über eine spezielle Inhaltsversicherung für Wohnmobile abgesichert werden.
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