Überleben durch Betteln: Ein Familienvater zwischen Bremerhaven und Rumänien
Um seine vier Kinder in Rumänien zu ernähren, bettelt der obdachlose Petru Pascu zweimal wöchentlich in Nordenham. Trotz gesundheitlicher Probleme und fehlendem Anspruch auf Bürgergeld verliert er nicht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Ein obdachloser Mann aus Rumänien lebt in einem Zelt in Bremerhaven und fährt zweimal pro Woche nach Nordenham, um dort in der Innenstadt zu betteln. Mit dem gesammelten Geld unterstützt er seine vier Kinder in der Heimat, während er in Deutschland vorerst keinen Anspruch auf Sozialleistungen hat. Trotz gesundheitlicher Probleme und schwieriger Lebensumstände hofft er auf eine Anstellung als Paketfahrer. Dienstags und freitags sitzt Petru Pascu bekleidet mit einer grauen Hose und einer schwarzen Regenjacke im Schneidersitz auf den Knien vor Optiker Elzholz in Nordenham. Seine glasigen, braunen Augen starren ins Leere. Vor ihm stehen ein Pappbecher und ein Schild: „Bitte helfen Sie mir freundlich. Ich habe vier Kinder und ich habe kein Geld für Essen. Vielen Dank.“
Leben zwischen Bremerhaven und Rumänien
Der 45-Jährige lebt in Bremerhaven in einem Zelt in einem Park. Zweimal in der Woche, dienstags und freitags, kommt er mit dem Bus zum Betteln nach Nordenham, weshalb ihn in der Stadt nahezu jeder kennt. „An einem Tag bekomme ich 20 bis 25 Euro“, erzählt Petru Pascu, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Die Nordenhamer empfindet er als sehr freundlich und nett. „Hier leben gutherzige Menschen. Ich danke ihnen von ganzem Herzen“, sagt der Wohnungslose.
Ursprünglich kommt Petru Pascu aus Sibiu in Rumänien, wo auch seine vier Kinder leben. „Das Geld, das ich von den Menschen bekomme, schicke ich zu meiner Familie“, erzählt der Mann. In Rumänien ist er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen; sein Vater arbeitete bei einem Bauern und kümmerte sich um Kühe und Pferde. „Meine Kindheit war nicht besonders schön“, sagt Petru Pascu mit gesenktem Blick. Er möchte nicht viel über die ersten Jahre seines Lebens reden, verrät jedoch: „Ich musste als Kind manchmal hungern, weil meine Familie kein Geld für Essen hatte“.
Familiäre Situation und gesundheitliche Hürden
In Rumänien passt die Mutter von Petru Pascu auf seine vier Kinder auf. Seine Ehefrau Maria - die Mutter der Kinder - arbeitet seit ein paar Monaten in Italien, wo sie eine ältere Dame pflegt. Er kann seine Frau nur einmal im Jahr sehen. „Unsere Beziehung leidet natürlich darunter. Es ist nicht schön“, sagt der 45-Jährige. Er selbst kommt bereits seit einigen Jahren immer wieder für einige Monate nach Deutschland. Als Grund nennt er: „In Rumänien hat man, wenn man irgendwo arbeitet, etwa 500 Euro im Monat. Wenn man jedoch eine Familie hat, hat man nicht einmal genug zum Essen“. Der Familienvater hat ursprünglich als Kfz-Mechaniker gearbeitet, doch das damit verdiente Geld habe nicht ausgereicht, um seine Familie zu ernähren. Zudem hat er gesundheitliche Probleme und wurde erst vor kurzem wegen eines Nierensteins operiert.
Petru Pascu hat vorerst keinen Anspruch auf Sozialleistungen wie Bürgergeld, da er nach eigenen Angaben erst seit einem Monat wieder in Deutschland ist. Nur im Zuge einer Härtefallregelung könnte ihm Sozialhilfe gewährt werden, was jedoch kein Automatismus ist und oft die Einbeziehung von Gerichten erfordert.
Hoffnung auf eine Anstellung
Trotz seiner widrigen Lebensumstände bleibt er zufrieden. „Mir geht's gut“, sagt der Familienvater, dem Passanten in der Innenstadt immer wieder ein bisschen Geld in den Becher werfen, während manche mit abgewandtem Kopf an ihm vorbeigehen.
Sobald es ihm gesundheitlich besser geht, möchte sich der Rumäne einen Job in Deutschland als Fahrer des Online-Versandhändlers Amazon suchen: „Es gibt hier viele Pakete, die verteilt werden müssen. Ein Freund hat mir erzählt, dass die Fahrer gut bezahlt werden“.
Ein Foto, das er beim Betteln immer dabeihat, zeigt ihn mit seinen Kindern Maria, Duca, Alex und Victor. Das von Fotograf Böker aufgenommene Bild zeigt die Familie gemeinsam.
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